Bergbau gefährdet Norwegens Fjorde

23. April 2015, 08:11
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Die Regierung hat bewilligt, dass der Abfall einer Mine im Førde-Fjord entsorgt werden darf

Oslo - Vergangenen Freitag bewilligte die norwegische Regierung die umstrittenen Pläne einer Minengesellschaft. Demnach wird das Unternehmen "Nordic Mining" in den kommenden 50 Jahren Millionen Tonnen an giftigem Abfall in dem Førde-Fjord entsorgen. "Die Regierung hat damit den größten Skandal von Umweltverschmutzung in Norwegens Geschichte bewilligt", kritisiert Lars Haltbrekken, Vorstand der größten norwegischen Umweltschutzorganisation Naturvernforbundet.

Gerade die große Biodiversität im Førde-Fjord wird dadurch stark beeinflusst, sagt Meeresbiologe Jan Helge Fosså vom Marineforschungsinstitut in Bergen. Die Einrichtung ist eine der beratenden Stellen der norwegischen Regierung, wenn es um die Genehmigung von Bauvorhaben geht, die Einfluss auf den Lebensraum Ozean nehmen können. Bereits zu Beginn der Begutachtung der Deponiepläne des Minenprojekts im Jahr 2010 empfahlen die Experten aus Bergen, das Vorhaben nicht zu genehmigen.

So sei es laut Fosså nicht absehbar, wie der Küstenkabeljau, der in der Nähe brütet, auf den Abfall reagieren wird. Zudem habe man bereits bei einem anderen Minenprojekt beobachtet, dass binnen zwei Jahren der Milieustatus des Meeres von "gut" auf "sehr schlecht" gesunken ist. Das Projekt war um einiges kleiner als das nun geplante.

Entsorgung in seichtem Wasser

"Neben Norwegen erlauben nur noch Papua-Neuguinea, die Türkei, Indonesien und Chile diese Praxis der Entsorgung", sagt Haltbrekken. Außerdem würden nur Norwegen und Papua-Neuguinea planen, dieses Vorgehen neuen Minen zu gestatten. "Kein anderes Land der Welt entsorgt seinen Minenabfall in so seichtem Wasser", betont Haltbrekken weiter.

In der Mine soll Rutil abgebaut werden. Dabei handelt es sich um die einzige bei hohen Temperaturen stabile Modifikation von Titandioxid. Das wird zum Beispiel bei der Herstellung von Kosmetik, Sonnenschutz, Katalysatoren, Solarzellen oder menschlichen Implantaten eingesetzt. Norwegen ist der achtgrößte Exporteur der Welt - die Inbetriebnahme der Mine würde das Land auf den vierten Platz heben.

Pro Jahr sollen in der neuen Mine vier Millionen Tonnen an Material abgebaut werden, darin ist nur ein einstelliger Prozentsatz an Rutil enthalten, der Rest wird entsorgt. Der Abfall enthält laut Haltbrekken starke Säuren, Lösungsmittel, Schwermetalle und schädliche Nanopartikel.

In vier Jahren kann der Betrieb aufgenommen werden, es sollen 240 Millionen Euro investiert werden, die Hälfte wird bereits vor Inbetriebnahme von Nordic Mining in die Hand genommen. In einem Zeitungsinterview sagte der Direktor des Unternehmens, Ivar Fossum, dass die Genehmigung der Deponie Voraussetzung für den Bau der Mine war und weist auch auf nicht näher definierte Umweltschutzvorgaben hin, die das Unternehmen von der Regierung auferlegt bekommen habe.

Für Fosså haben die Politiker jedes Recht, das Projekt zu genehmigen: "Sie sollen nur zugeben, dass sie den Fjord für die Industrie opfern. Dann wären sie wenigstens ehrlich." (Bianca Blei, Julia Schilly, DER STANDARD, 23.4.2015)

  • Ein Rendering der geplanten Anlage im Førde-Fjord, die Rutil aus dem Engebø-Berg abbauen soll. Experten und Naturschützer protestieren scharf gegen den Bau der Mine.
    foto: nordic mining

    Ein Rendering der geplanten Anlage im Førde-Fjord, die Rutil aus dem Engebø-Berg abbauen soll. Experten und Naturschützer protestieren scharf gegen den Bau der Mine.

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