Casinos Austria: ÖBIB will Anteile weiterverkaufen

22. April 2015, 15:48
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Finanzministerium: Konsolidierung auf Gesellschafterebene "dringend notwendig"

Wien - Nun ist es offiziell: Die Staatsholding ÖBIB will weitere Anteile an den Casinos Austria erwerben und diese dann später weiterverkaufen. Das geht aus dem Vortrag des Finanzministeriums an den gestrigen Ministerrat hervor. Das Finanzressort von Hans Jörg Schelling (ÖVP) ist außerdem der Ansicht, dass die - komplizierte - Eigentümerstruktur des Glücksspielkonzerns "dringend" vereinfacht gehört.

Die Casinos Austria hatten "über viele Jahre eine äußerst diversifizierte, jedoch stabile Aktionärsstruktur, die durch die aktuelle Verkaufsbereitschaft einiger Aktionäre nunmehr in Frage gestellt ist", schreibt das BMF. "Dies bietet die Chance einer dringend notwendigen Konsolidierung auf Gesellschafterebene mit dem Ziel eines Aufgriffs von verfügbaren Anteilen zur Straffung von Entscheidungswegen und zur erfolgreichen Weiterentwicklung des Unternehmens."

Der Finanzminister hat sich gestern den Segen der Regierung geholt, die ÖBIB zu Kaufverhandlungen zu ermächtigen. Derzeit hält der Staat an den Casinos 33 Prozent.

Zuerst soll die ÖBIB weitere Anteile an der Casinos Austria Aktiengesellschaft (Casag) erwerben - Basis sind zwei Gutachten zum 31. Dezember 2014. Demnach ist der Drittel-Anteil, der früher bei der Nationalbanktochter Münze Österreich angesiedelt war, 140 Mio. Euro wert. Die restlichen zwei Drittel dürften Branchenkennern zufolge mehr als 280 Mio. Euro wert sein sein, zumal die Casinos im Vorjahr wieder schwarze Zahlen geschrieben und mehrere Interessenten ihr Interesse bekundet haben. Außerdem gehören den Casinos Austria 68 Prozent an den Lotterien, der Cashcow des Konzerns, an der auch das umsatzstarke Online-Glücksspielportal win2day hängt. Die Unternehmenswert der Lotterien wird mit 800 Mio. Euro beziffert.

Der Finanzminister jedenfalls will sein Staatsanteil an den Casinos aufstocken - "unter der Zielsetzung zu einem späteren Zeitpunkt die im Eigentum der ÖBIB stehenden Anteile an der Casag teilweise oder vollständig zu veräußern", wie es im Ministerratsvortrag heißt, der der APA vorliegt.

Schelling erhofft sich, dass dann auch die Staatskasse klingelt: "Diese Maßnahmen sollen zu einer möglichst hohen Wertsteigerung des Unternehmens führen und somit größtmögliche Erlöse für den Eigentümer erbringen."

Von der FPÖ kam am Mittwoch Kritik am Vorhaben des Finanzministeriums. "Es ist nicht die Aufgabe eines Staates und damit der rot/schwarzen Bundesregierung, mit Steuergeldern Industriebeteiligungen zusammenzukaufen und in den rot/schwarzen Einfluss zu bringen", so der freiheitliche Industriesprecher Reinhard Pisec. Private Österreichische Investoren seien "am besten geeignet, das Unternehmen Casinos Austria wieder in die wertschöpfende Spur zu bringen."

Solche Investoren gibt es bereits: Gestern hat der Wiener Investor Peter Goldscheider bestätigt, bei den Casinos einsteigen zu wollen. Gemeinsam mit seinem Sohn Daniel, der das mittlerweile nicht mehr existente SMS-Lottospielunternehmen Lottelo betrieben hat, sowie zwei tschechischen Milliardären hat er bei allen Casinos-Eigentümern sein Interesse angemeldet. "Wir haben großes Interesse zu kaufen und das gemeinsam mit der ÖBIB zu machen", hatte Goldscheider am Dienstag zur APA gesagt.

Auch der große Rivale im Inland, der niederösterreichische Novomatic-Konzern, ist an den Casinos interessiert - laut "Presse" spannt Novomatic-Eigner Johann Graf mit dem Investor Ronny Pecik zusammen. "Kein Kommentar", meinte dazu am Mittwoch Novomatic-Sprecher Hannes Reichmann zur APA.

Auch die ÖBIB wollte sich nicht zu den Casinos-Ankaufsplänen äußern. Sprecher Bernhard Nagiller wies gegenüber der APA lediglich die FPÖ-Kritik zurück. "Als Staatsholding ist es unserer ureigenste Aufgabe, strategische Entwicklungsoptionen für die Beteiligungen zu evaluieren und zu bewerten. Nichts anderes machen wir derzeit - und zwar in enger Abstimmung mit dem Finanzministerium." (APA, 22.4.2015)

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