Frankenabsturz: 1.800 Kredite automatisch konvertiert

22. April 2015, 14:45
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Privates Fremdwährungskreditvolumen in Österreich laut FMA 2014 auf 24,6 Mrd. Euro gesunken

Wien - Die mit 15. Jänner 2015 erfolgte Aufhebung der Wechselkursdeckelung durch die Schweizer Nationalbank (SNB) hat bei über 1.800 Frankenkrediten Stopp-Loss-Orders ausgelöst. Davon betroffen war ein Gesamtvolumen von 365 Mio. Franken bzw. 1,3 Prozent der inländischen privaten Frankenkredite. Der durchschnittliche Konvertierungskurs betrug 1,01, die Bandbreite lag zwischen 0,859 bis 1,05.

Die Stopp-Loss-Orders waren zur vermeintlichen Risikobegrenzung abgeschlossen worden, konnten diese Funktion aber durch den abrupten Kurssturz großteils nicht erfüllen. Geschädigte Kreditnehmer haben nach Ansicht von Konsumentenschützern nun potenziell Ansprüche gegenüber ihren Banken. Sowohl die Arbeiterkammer als auch der Verein für Konsumenteninformation (VKI) haben bereits Aktionen für Stopp-Loss-Geschädigte gestartet. Vor einigen Tagen wurde auch die erste Klage gegen eine Bank eingebracht.

Ausstände schrumpfen

Private Haushalte saßen per Jahresende 2014 - also noch vor Aufhebung der bei 1,20 gelegenen Wechselkursdeckelung - auf 24,6 Mrd. Euro an Fremdwährungskrediten, teilte die FMA am Mittwoch mit. Seit dem Neuvergabe-Stopp im Herbst 2008 waren das um 22,3 Mrd. bzw. 47,5 Prozent weniger. Im Jahr 2014 ging das Volumen um 3,3 Mrd. bzw. 11,7 Prozent zurück. Der Anteil der Fremdwährungskredite an den privaten Krediten sank um 2,4 Prozentpunkte auf 18,3 Prozent. Der Höchstwert lag schon bei 31,8 Prozent.

Bereits bis Ende 2014 hatte der Schweizer Franken gegenüber dem Euro seit Anfang 2008 um 37,6 Prozent aufgewertet. Nach der Aufhebung der Wechselkursdeckelung am 15. Jänner 2015 stieg die Aufwertung bis Ende des ersten Quartals auf 58,1 Prozent. Frankenkredite machen mit 96,4 Prozent weiterhin den Großteil der Fremdwährungskredite aus. Der Rest entfällt beinahe zur Gänze auf Yen-Kredite.

Das Frankenkreditvolumen hat sich durch die Aufhebung der Wechselkursdeckelung also wieder um 20 Prozentpunkte - das sind rein rechnerisch knapp 5 Mrd. Euro - erhöht.

80,3 Prozent der Fremdwährungskredite sind endfällig, 19,7 Prozent werden laufend getilgt. Rund zwei Drittel (67,7 Prozent) haben noch eine Restlaufzeit bis zu 15 Jahre (3,9 Prozent bis zu 1 Jahr, 19,1 Prozent bis zu 5 Jahre, 41,2 Prozent bis zu 10 Jahre). Nur mehr 3,5 Prozent haben eine Restlaufzeit von mehr als 20 Jahren. (APA, 22.4.2015)

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