"Die Gäste haben eine gewisse Vorstellung von Österreich"

8. Juni 2015, 11:17
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Sie gilt als Institution in Zell am See: Selbst als fünffache Großmutter ist Gisela Holleis als Chefin noch täglich im Einsatz. Ihr Tatort: das Hotel Salzburgerhof, das erste Haus am Platz

Gisela Holleis ist auch mit 84 Jahren als Chefin noch voll im Einsatz. Im Hotel Salzburgerhof in Zell am See hat sie unentwegt ein Auge darauf, dass alles passt. Die Hotelière strebt nach Perfektion. So hat sich der Salzburgerhof von einer einfachen Frühstückspension zum Fünfsternehotel Superior mit Zweihaubenrestaurant und einem mit vier Lilien ausgezeichneten Wellnessbereich entwickelt. Der Ausbau sei notwendig gewesen, da auch die Ansprüche der Gäste immer größer geworden sind, sagt die 84-Jährige, die seit 65 Jahren im Tourismus tätig ist.

foto: heribert corn
"Sie ist omnipräsent und kümmert sich um alles." Als Chefin vom Salzburgerhof in Zell am See setzt Gisela Holleis auf "milde Strenge".

Nach der Matura an der Handelsakademie in der Stadt Salzburg stieg sie in das Zeller Tourismusbüro als Sekretärin ein. "In der Nachkriegszeit hat niemand an Zell am See als Winterort geglaubt", sagt Holleis. Der Fremdenverkehr habe erst schrittweise wieder aufgebaut werden müssen. Mit 24 Jahren eröffnete sie kurzerhand ihr eigenes Reisebüro und organisierte sogar Sonderzüge aus Paris, um französische Studenten im Winter zum Skifahren nach Zell am See, Sankt Anton oder Lech am Arlberg zu bringen. Im Laufe der Zeit sei der Winter im Zeller Tourismus sogar stärker geworden als der Sommer, nun halte es sich die Waage, schildert Holleis.

1967 baute sie zusammen mit ihrem Mann Wilhelm, der damals das städtische Baumamt leitete, ein Hotel. Das Ehepaar stattete als erstes Haus in der Umgebung sämtliche Zimmer mit Bäder und Toiletten aus. "Der Installateur zweifelte daran, ob sich das rechnet", erzählt Holleis. "Wir haben frühzeitig erkannt, dass der Wellnessbereich die Zukunft des Hotels sein wird." Sobald sich die Möglichkeit bot, errichtete die Familie ein eigenes Wellness-Schlössl im Garten.

Omnipräsent

2013 wurde der Salzburgerhof vom Gault Milieu zum "Österreichischen Hotel des Jahres" gekürt. Der Tester hob besonders die persönliche Führung von Gisela Holleis hervor: "Sie ist omnipräsent und kümmert sich um alles." Als Chefin setzt die Hotelière auf die "milde Strenge", bei der Ausstattung des Betriebs auf klassische österreichische Eleganz. Über Promigäste hüllt sich die 84-Jährige in vornehmes Schweigen. Nur so viel: Mehrere Bundespräsidenten und auch ausländische Staatschefs hätten schon im Salzburgerhof genächtigt.

foto: zell am see-kaprun tourismus/daniel chytra
Der Blick auf Zell am See

Wie lange die Seniorchefin noch im Hotel arbeiten wird? "Die Gäste haben schon aufgehört, mich das zu fragen. Meine Antwort war immer: solange der Herrgott will." Im fortgeschrittenen Alter noch zu arbeiten sei viel gesünder, als sich hinzusetzen und nichts zu tun. In Pension zu gehen sei keine Option.

Wenn es die Zeit zulässt, ist die fünffache Großmutter am liebsten in der Natur unterwegs, ob beim Wandern, Skifahren oder am Meer. "Wenn ich auf dem Berg oder am Wasser bin, hab ich das Gefühl, ich bin dem Herrgott am nächsten. Die Meditation kommt dort ganz von selbst", sagt Holleis. Die Landschaft von Zell am See liegt der 84-Jährigen besonders am Herzen. "Die Gäste haben eine gewisse Vorstellung von Österreich und den Bergen", sagt die Hotelière.

foto: zell am see-kaprun tourismus/faistauer photography

Doch das Ortsbild hätte sich im Laufe der Zeit nicht zum Positiven verändert. In dem einst beschaulichen Ort gebe es seit Jahren einen Wildwuchs großer Bauten, bei denen die Landschaft nicht mehr berücksichtigt wurde. Kritisch sieht Holleis auch den hohen Anteil arabischer Gäste im Sommer. "Es ist nie gut, wenn eine Nationalität dominiert." Ein Nationalitätenmix unter den Gästen sei wichtig.

Expansion Grand Hotel

Mit dem Einstieg des Sohnes Wilfried Holleis in den elterlichen Betrieb begann der Expansionskurs der illustren Hoteliersfamilie: Das damals marode Grand Hotel in bester Seelage wurde erworben und grundlegend saniert. 2016 wird dort auch ein Casino Austria einziehen. Ihr Sohn übernahm zudem die vor dem Aus stehende Weißsee-Gletscherbahn, baute die ehemalige Alpenvereinshaus-Rudolfshütte zum Berghotel aus und leitet zwei Hotelresorts in Kroatien. Als Seniorchefin mischt sich Gisela Holleis aber nicht in die Projekte ihres Sohnes ein. Sie und ihr Mann leiten einzig das Stammhaus der Familie - den Salzburgerhof. (Stefanie Ruep, 23.5.2015)

Aufstieg zum Tourismusort

Der Anschluss an das Eisenbahnnetz markiert den Beginn der touristischen Erschließung von Zell am See. 1885 hielt sich Kaiserin Sisi im Ort auf, 1893 auch Kaiser Franz Joseph. In dieser Zeit entstanden zahlreiche neue Hotels, unter anderem das mittlerweile im Besitz von Wilfried Holleis befindliche Grand Hotel in bester Seelage (1894). Zum Ruf von Zell am See als Tourismusort trugen auch viele Künstler bei, die den Marktort und die Hochgebirgslandschaft in zahlreichen Bildern verewigten. Mehr Infos zur Region Zell am See-Kaprun und zum Salzburgerhof unter www.salzburgerhof.at

Info: www.zellamsee-kaprun.com

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