Filzmoos: Dem Bischof auf die Mütze steigen

6. Mai 2015, 05:30
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Vier- bis fünfmal pro Woche ist er in den Bergen unterwegs. Dennoch musste Bergführer Edi Vierthaler 20 werden, bevor er auf seinem Hausberg, der Bischofsmütze, stand

Die meisten Menschen melden sich am Telefon mit ihrem Namen. Edi Vierthaler kommt hingegen gleich zur Sache. "Brauchts ihr an Bergführer?", fragt er in den Hörer. Denn warum sonst sollte man ihn anrufen, ihn, der sich als professioneller Begleiter am Berg und im Fels rund um Filzmoos einen Namen gemacht hat.

Das Arbeiten im Gebirge hat im Vierthaler-Clan Tradition. "Jede Generation hat zumindest einen Bergführer hervorgebracht", erzählt der 50-Jährige. Seine beiden Großonkel, Franz und Georg "Irg" Steiner, waren sogar Pioniere auf dem Gebiet. Am 23. September 1909 durchstiegen sie als Erste die 850 Meter hohe Dachstein-Südwand - die "Himmelsleiter der Steinerbuam", wie sie heute noch teilweise genannt wird. Irg, der Abenteurer und Draufgänger, der später mit Gästen im ganzen Alpenraum unterwegs war. Und Franz, der Bedächtigere und Besonnenere, der eine Lodenwalkerei führte.

foto: salzbugerland tourismus
Die Stuhlalm am Gosaukamm über dem Lammertal, im Hintergrund die Bischofsmütze, Dachsteingruppe.

Edi Vierthalter hat von beiden etwas in den Genen. "Ich bin durchaus risikobereit. Die Vernunft steht aber immer im Vordergrund. Ich bin kein Hasardeur", betont der braungebrannte Bergfex. Vier- bis fünfmal pro Woche ist er hauptberuflich mit Wanderern, Bergsteigern, Kletterern oder Skitourengehern unterwegs, seit mittlerweile 30 Jahren. Er begleitet Gäste auf leichten Touren über die zahlreichen Almen und Hütten genauso wie auf ausgesetzten Steigen oder anspruchsvollen Kletterrouten im Fels von Gosaukamm und Dachsteinmassiv. "Es ist wichtig, die Menschen und ihr alpines Können einschätzen zu können. Der Ehrgeiz muss oft in den Hintergrund gestellt werden, wenn die Verhältnisse am Berg nicht passen."

Biologiestudium

Zu seinem Beruf kam Vierthaler eher auf Umwegen. Auf dem freistehenden, schroffen Gipfel seines Hausbergs, der 2.458 Meter hohen Bischofsmütze, stand er mit 20 Jahren verhältnismäßig spät. "Die bergbegeisterten Kinder im Ort sind schon mit zwölf, dreizehn Jahren da oben." Erst während seines Biologiestudiums fing Vierthaler allmählich Feuer für die Berge - und war regelmäßig mit dem damaligen Leiter der Filzmooser Bergsteigerschule, Alois Huber, unterwegs.

foto: heribert corn
Zu seinem Beruf kam Bergführer Edi Vierthaler auf Umwegen: Erst während seines Biologiestudiums fing er Feuer für die Berge.

1985 meldete sich Vierthaler eher halbherzig für die Bergführerausbildung an. "Meine Hoffnung war, ich gehe zur Aufnahmeprüfung und falle durch, dann hab ich meine Ruhe." Allerdings schaffte er die Prüfung und zog die Ausbildung in kürzester Zeit durch. "Dann war der Weg vorgezeichnet. Seitdem bin ich Bergführer, und ich misse keinen Tag." Als sein Bergkamerad Huber Hüttenwirt wurde, übernahm Vierthaler dessen Bergsteigerschule und benannte sie in Alpinschule Filzmoos um.

Kraftplätze

Dort greift der Bergführer neben seiner alpinistischen Erfahrung auch auf sein Wissen aus dem Biologiestudium zurück: "Wenn die Leute eine Stehpause brauchen, dann gibt es eine Einführung in die Flora der Umgebung und in die Geologie", erzählt Vierthaler, der an seiner Heimat auch die vielen Kraftplätze schätzt, allen voran die markant aus dem Gosaukamm ragende Bischofsmütze.

foto: salzbugerland tourismus

Noch heute kommen in den Sommermonaten pro Woche 400 bis 700 Anhänger des 1959 verstorbenen deutschen Wunderheilers Bruno Gröning nach Filzmoos. Sie sind überzeugt, dass der Gipfel und die Gegend heilende Wirkung haben. Auch Vierthaler glaubt an die Energie des Berges. Kraft tankt er, wenn er seinem Hobby, dem Imkern, nachgeht: Dreizehn Bienenvölker befinden sich unter seiner Obhut.

Expertentum

Privat zieht es den geschiedenen Vater zweier erwachsener Kinder durchaus auf Berge, die die heimischen Gipfel an Höhe übertreffen - Montblanc, die Schweizer Alpen, Nepal. Und wie schaut es mit einer weiteren Generation Bergführer in der Familie aus? Da klafft eine Lücke. Sohn Emanuel arbeitet im Tourismus, Tochter Astrid war Skirennläuferin. Die Juniorenweltmeisterin und Staatsmeisterin in der Abfahrt musste aber nach einem Kreuzbandriss 2006 mit nur 24 Jahren ihre Sportkarriere beenden. Heute ist sie als Physiotherapeutin mit den ÖSV-Damen unterwegs. So bleibt es vorerst am Vater, die Familientradition aufrechtzuerhalten - und den nächsten Anruf entgegenzunehmen, wenn Expertentum am Berg gefragt ist. (Stefanie Ruep, DER STANDARD, 6.5.2015)

Bischofsmütze und Dachstein

Filzmoos liegt inmitten der Bergwelt von Bischofsmütze und Dachstein. Seit dem 19. Jahrhundert ist der Ort ein Wallfahrtsort, heute kommen in erster Linie Bergwanderer, Kletterer, Mountainbiker oder einfach Menschen, die sich in den Bergen erholen wollen. Im Sommer bieten sich Mehrtagestouren an, von der zweitägigen Tour um die Bischofsmütze bis zur achttägigen Dachsteinumrundung.

Edi Vierthaler und seine Alpinschule Filzmoos erreicht man unter: www.filzmoosalpin.at

Weitere Infos: www.filzmoos.at; www.filzmoos-aktiv.at

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