Ich bin irgendwie übrig geblieben

1. Mai 2015, 12:00
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Musikerin Clara Luzia schob die Sanierung ihrer Wohnung im 20. Wiener Bezirk jahrelang vor sich her. Als Ehefrau Cathi Priemer dies zur Bedingung für den Einzug machte, war es aber so weit

Die Musikerin Clara Luzia schob die Sanierung ihrer Wohnung im 20. Wiener Bezirk jahrelang vor sich her. Als Ehefrau Cathi Priemer dies zur Bedingung für den Einzug machte, war es aber so weit, erfuhr Martin Putschögl.

"Die Wohnung stammt von meinen Großeltern. Die zogen hier ein, als das Haus fertiggebaut war, das muss so 1955 gewesen sein. Meine Mutter wohnte hier als Kind. Und ich wohne jetzt auch schon wieder seit 1997 hier im 20. Bezirk in der Nähe des Brigittaplatzes, also seit dem Beginn meines Studiums. Zunächst mit meinen beiden Geschwistern. Mein Bruder ist später nach Salzburg gezogen, meine Schwester ist auch ausgezogen. Und ich bin dann irgendwie übrig geblieben.

foto: lisi specht
Clara Luzia, ihre Frau Cathi Priemer und Hündin Lotti in der nun ehelichen Wohnung in Wien-Brigittenau. (Bildansicht durch Klick vergrößern)

Im vorigen Herbst wurde die Wohnung saniert. Davor war hier alles extrem veraltet. Meine Mutter hat mir erzählt, dass meine Großeltern ihre ganzen Sachen damals noch vom Sperrmüll hatten. Der weiße Küchenkasten war noch so etwas wie das Prunkstück der Wohnung. Aber die Kredenz - grauslich.

Mittlerweile wohne ich hier mit meiner Frau Cathi. Wir haben im Mai 2014 geheiratet. Schon davor wollten zwei meiner Ex-Freundinnen hier nur einziehen, wenn ich renoviere. Dagegen habe ich mich aber viele Jahre lang gewehrt. Man hört da immer so viele Horrorgeschichten. Als es dann so weit war, wusste ich auch, wieso. Mit den Handwerkern gab es große Probleme. Die haben den Stromplan nicht korrekt gelesen. Dass der Herd Starkstrom benötigt, war außerdem komplettes Neuland für die, obwohl das markiert war. Als der Herd angeschlossen werden sollte, hieß es plötzlich: "Ach so, Starkstrom - wie?"

Dann hatten wir einen Wasserschaden im WC, und die Beleuchtung hat auch nicht ganz funktioniert. Ein paar Wochen nach der Renovierung haben wir noch weitere Dinge bemerkt, die nicht gepasst haben. Die WC-Muschel war auch eine völlige Fehlkonstruktion. Das war das schrägste Klo, das ich je gesehen habe. Dann haben sie uns glücklicherweise eine neue Muschel gebracht.

Was uns beim Renovieren wichtig war, war der Holzboden. Da war vorher ein scheußlicher rot-blauer Steinboden. Auch der alte Küchenkasten war total bunt. Ich hatte in den 90er-Jahren nämlich so einen Spleen, alles bunt anzumalen - grauenhaft. Ich hab ihn jetzt wieder weiß gestrichen, aber besonders schön ist es nicht geworden. Ich glaube, ich muss nochmals drüberfärben.

Die Wohnung misst knapp 80 Quadratmeter, wirkt aber größer. Auch deshalb, weil Bad und Küche sehr klein sind. Eine Badewanne hatte keinen Platz, wir haben mit Müh und Not die Dusche untergebracht. Cathi hätte gerne eine Dampfdusche gehabt, aber da hätte dann gar nichts mehr reingepasst.

Unsere Möbel sind ein wilder Mix. Das hat sich so ergeben. Ich finde es nicht notwendig, tausende Euro für ein Möbelstück auszugeben. Das Prunkstück unserer Wohnung ist ohnehin die neue Küche. Die hat ziemlich viel gekostet. Wir haben gesagt, na gut, jetzt gönnen wir uns mal etwas. Da zahlen wir jetzt die nächsten Jahre den Kredit ab. Wir kochen übrigens fast täglich. Dadurch, dass ich vegan esse, ist das am einfachsten.

Im Musikzimmer befinden sich sechs meiner acht Gitarren - nicht mitgezählt die eine an der Wand, die man mir nach einem Auftritt im Fluc ruiniert hat. Außerdem gibt es hier unter anderem ein Stagepiano und ein Schlagzeug. Obwohl wir hier viel Musik machen, haben wir mit den Nachbarn keine Probleme. Unter uns wohnen zwei Sängerinnen, die üben auch jeden Tag. Da ist eher das Problem, dass die zu laut sind. Und die Frau über uns ist schwerhörig, die schaut dauernd sehr laut fern.

Die Gegend rund um den Brigittaplatz liebe ich. Wobei ich halt auch nie woanders gewohnt habe. Ich musste sie lieben. Es ist relativ grün hier, und man hat Augarten, Donauinsel und Prater in der Nähe. In Wien Grün zu finden ist nämlich gar nicht so einfach. Die Rüdigergasse, wo die Cathi wohnte, ist eine Betonwüste.

Einen Wohntraum hab ich schon noch, ja. Unlängst habe ich eine Anzeige von einer Mühle in Retz gesehen. So etwas würde mir gut gefallen. Mit viel Platz für Tiere und so. Aber das wäre eben ein Traum. Träume sollten sich nicht unbedingt verwirklichen, weil man dann vielleicht enttäuscht ist. Ich würd's bewusst als Traum sehen - und auch so stehen lassen." (DER STANDARD, Open Haus, 29.4.2015)

Clara Luzia, eigentlich Clara Luzia Humpel, geb. 1978 in Oberretzbach im Weinviertel, macht seit Anfang der 1990er-Jahre Musik, seit 2005 als Clara Luzia. Für ihr zweites Album "The Long Memory" (2007) bekam sie den Amadeus, für "The Ground Below" (2009) eine Nominierung. Im Oktober erscheint das sechste Album.

Ihre Ehefrau und Schlagzeugerin Cathi Priemer war Gründungsmitglied der Rockband SheSays und tritt derzeit auch mit dem Ensemble der "Familie Lässig" auf.

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claraluzia.com

  • In der frisch renovierten Wohnung befinden sich sechs Gitarren, ein Stagepiano und ein Schlagzeug.
    foto: lisi specht

    In der frisch renovierten Wohnung befinden sich sechs Gitarren, ein Stagepiano und ein Schlagzeug.

  • Im Musikzimmer wird täglich musiziert und komponiert.
    foto: lisi specht

    Im Musikzimmer wird täglich musiziert und komponiert.

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