Die Bilder sind unsere Fenster zur Welt

6. Mai 2015, 05:30
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Galeristin Heike Curtze wohnt mit ihrem Mann Bernd Jeschek und vielen Bildern in einer geräumigen Altbauwohnung in der Wiener City

Die Galeristin Heike Curtze wohnt mit ihrem Mann Bernd Jeschek und vielen Bildern in einer geräumigen Altbauwohnung in der Wiener City. Von Kunst als Dekoration hält sie herzlich wenig, erfuhr Michael Hausenblas.

"Ich bewohne mit meinem Mann, dem Schauspieler Bernd Jeschek, und unserem Kater Dario eine schöne Altbauwohnung in der Wiener Innenstadt. Dario ist ein Streuner, den wir aus Kroatien mitgebracht haben, völlig legal natürlich, samt Impfpass. Wegen Dario ist auch der kleine Balkon vergittert, auf dem sich platzmäßig genau ein Tischchen und zwei Sessel ausgehen. Wir wohnen im dritten Stock. Früher war das hier die oberste Etage im Haus. Später wurde dann ein Dachaufbau aufs Haus draufgesetzt.

foto: lisi specht
Heike Curtze, ihr Mann Bernd Jeschek und ein ziemlich großer Nitsch im Salon ihrer Wohnung in der Wiener Innenstadt. (Bildansicht durch Klick vergrößern)

Das Gebäude wurde um die vorletzte Jahrhundertwende errichtet. Soviel ich weiß, hat ein Stadtbaumeister von Triest das Riesenhaus für seine Familie erbauen lassen. Ich konnte den Namen aber nicht herausfinden. Mit aufregenden Skandal- oder Gruselgeschichten aus dem Haus kann ich leider nicht aufwarten. Es hat zwar einmal ein Kriminalkommissar gegenüber gewohnt, aber der wusste auch nichts Außergewöhnliches zu berichten.

Wir wohnen hier zur Miete auf circa 160 Quadratmetern. Der einstige Kunsthändler und Szenewirt Kurt Kalb hat uns die Wohnung 1984 vermittelt. Zuvor haben wir auf der Wollzeile gewohnt, meine Galerie war damals in der Grünangergasse. Die hatte ich übrigens auch vom Kalb übernommen. Er war seinerzeit der "Pate" der Wiener Kunstszene.

Wir bewohnen hier einen großen Salon, ein Schlafzimmer, ein kleines Ankleidezimmer, ein Bad und eine Küche, die ein Durchgangszimmer ist. Die Küche mit ihrer alten Kredenz ist ein sehr netter Raum, in dem wir abends kochen und zusammensitzen. Ach ja, und ganz wichtig: Da ist auch noch das sogenannte Kaminzimmer, dessen Kamin in der kühlen Jahreszeit regelmäßig befeuert wird. Mein Mann ist ein richtiger Pyromane.

Die Wohnung ist für mich eine Oase, die viel Ruhe ausstrahlt. Ich bin sehr gern zu Hause und freu mich über jeden Abend, den ich hier verbringen kann. In meinem Beruf sind das nicht allzu viele. Den Stil, in dem ich die Wohnung mit meinem Mann eingerichtet habe, würde ich als kreuz und quer bezeichnen. Die Möbel sind alle Einzelstücke, die uns sehr am Herzen liegen, zum Beispiel der Schrank von Giampaolo Babetto oder die zwei Jugendstilsessel, von denen wir gar nicht wissen, wer sie entworfen hat. Von Eileen Gray haben wir mehrere Beistelltischchen, weil die so praktisch sind. Ein Sofa im Kaminzimmer ist auch von ihr.

Auf vorgefertigte Wohnungen bin ich allergisch, ich rede von Wohnungen, die einen den Menschen nicht spüren lassen, der darin wohnt, Räume, die aussehen wie die Lobby einer noblen Hotelkette.

Die Wohnung ist mit uns gewachsen. Wir finden die Stücke auf dem Flohmarkt, in Galerien oder beim Tandler. Sie springen uns an, und wir sind meistens einer Meinung, wenn ein neues Objekt hinzukommt. Inzwischen müssen wir allerdings etwas bremsen, damit es nicht zu voll wird. Manch einem wird das hier in unserer Wohnung vielleicht nicht so gefallen, weil sich überall Bücher, Zeitschriften, CDs und sonstige Dinge türmen. Ein Teil der Sachen, vor allem viele Bücher haben wir deshalb in unser kleines Bauernhaus in der Steiermark transportiert, wo wir hin und wieder ein Wochenende verbringen. Leider viel zu wenige.

Nein, ich mag keine weißen Wände, es macht mir große Freude, mich auch privat mit Kunst zu umgeben. Kunst ist mein Fenster zur Welt, und ich wechsle sie in der Wohnung so gut wie gar nicht aus. Wenn ein Bild als Leihgabe in eine andere Galerie oder in ein Museum kommt, merke ich sofort, wie sehr es mir fehlt. Im Schlafzimmer hängen übrigens zwei ganz frühe Arbeiten von Arnulf Rainer, die nenne ich meine Augäpfel. Eine ist aus dem Jahr 1949. Die Bilder führen mich aus dem Alltag hinaus, ich denke, das ist eine sehr wichtige Funktion von Kunst.

Klar ist Dekoration und Kunst immer wieder ein Thema. Es kommt vor, dass Menschen in die Galerie kommen und sagen: "Mensch, wo sollen wir das denn hinhängen, wo passt denn das dazu?" Ich sage in so einem Fall: "Ein wirklich gutes Bild findet immer seinen Platz" - und das meine ich auch so." (6.5.2015)

Heike Curtze wurde 1943 in Deutschland geboren. Anfang der 1970er-Jahre sammelte sie erste Erfahrungen als Leiterin der Galerie Ariadne in Köln. 1974 gründete Curtze, die sich schon während ihres Studiums für die Wiener Aktionisten begeistert hatte, ihre erste eigene Galerie in Düsseldorf und debütierte dort mit Christian Ludwig Attersee. 1978 übersiedelte sie nach Wien, 2002 sperrte sie auch in Berlin eine Galerie auf, sie zeigt u. a. Künstler wie Günter Brus, Heinz Cibulka, Hermann Nitsch oder Karl Prantl. Ihr Mann Bernd Jeschek (Jg. 1949) machte sich als Schauspieler, Regisseur und Bühnenbildner einen Namen. Man sah ihn in verschiedenen Theaterengagements und Fernsehrollen wie z. B. in der TV-Serie "Eurocops".

Link

www.heikecurtze.com

  • Heike Curtze vor ihrem Schrank von Giampaolo Babetto im Salon.
    foto: lisi specht

    Heike Curtze vor ihrem Schrank von Giampaolo Babetto im Salon.

  • In der Altbauwohnung im 1. Bezirk in Wien finden sich neben vielen anderen Kunstwerken ...
    foto: lisi specht

    In der Altbauwohnung im 1. Bezirk in Wien finden sich neben vielen anderen Kunstwerken ...

  • ... auch Objekte von Gerold Tusch.
    foto: lisi specht

    ... auch Objekte von Gerold Tusch.

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