Rückholung ins kollektive Uni-Gedächtnis

22. April 2015, 13:07
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An der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien wurde ein Sitzungszimmer nach dem allzu lange vergessenen Josef Hupka benannt

Wien – Die wissenschaftshistorischen Recherchen von STANDARD-Wissenschaftredakteur Klaus Taschwer haben zuletzt dazu geführt, dass etwa die Fritz-Knoll-Gasse in Gleisdorf – benannt nach dem NS-Rektor der Uni Wien oder der ehemalige Othenio-Abel-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), benannt nach dem antisemitischen Wissenschafter Othenio Abel, nunmehr Preis für Paläobiologie heißt. Auch der ehemalige Othenio-Abel-Hörsaal der Uni Wien trägt diesen Namen nicht mehr.

Kürzlich ist der umgekehrte Fall eingetreten: Nach Recherchen über den Rechtswissenschafter Josef Hupka (1875–1944), die im März 2014 im STANDARD erschienen sind, entschloss sich die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien unter der Leitung von Dekan Paul Oberhammer, ein Sitzungszimmer in Josef-Hupka-Zimmer umzubenennen – in Erinnerung an den großen und lange vergessenen Rechtswissenschafter, der am 23. April vor 71 Jahren im KZ Theresienstadt zu Tode gebracht wurde, ehe seine Frau Hermine kurze Zeit später in Auschwitz ermordet wurde.

Originaldruck eines Porträts übergeben

Zum feierlichen Anlass, der am Dienstag im Rahmen einer Veranstaltung der Wiener Rechtshistorischen Gesellschaft begangen wurde, kam auch Oxford-Professor Stephen Parkinson, ein Enkel Josef Hupkas, nach Wien. Er brachte der Fakultät als Geschenk den Originaldruck eines Porträts von Josef Hupka mit, der auch ein großer Kunstkenner und Kunstförderer war.

Dekan Oberhammer, der es entgegennahm, fand klare Worte für das begangene Unrecht an der Rechtwissenschaftlichen Fakultät – nicht nur in der Zeit vor, sondern auch unmittelbar nach 1945. Franz-Stefan Meissel, Professor für Römisches Recht, würdigte den innovativen Rechtswissenschafter Hupka, während Klaus Taschwer im abschließenden Vortrag noch einmal an die couragierten und nach 1945 lange verdrängten Interventionen Hupkas gegen antisemitisches Unrecht in der Zwischenkriegszeit erinnerte. (red, derStandard.at, 22. April 2015)

  • Josef Hupka kämpfte schon vor 1930 gegen Antisemitismus an. Nach 1945 war der Wissenschafter - hier porträtiert von Ferdinand Schmutzer - lange vergessen.
    foto: reverend a j parkinson

    Josef Hupka kämpfte schon vor 1930 gegen Antisemitismus an. Nach 1945 war der Wissenschafter - hier porträtiert von Ferdinand Schmutzer - lange vergessen.

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