Studie: Neue Mittelschüler landen öfter an höheren Schulen

22. April 2015, 12:11
486 Postings

"Bildung in Zahlen": 46 Prozent der NMS-Absolventen wechseln an eine maturaführende Schule, aber nur 39 Prozent der Hauptschüler

Wien - Neue Mittelschule, neuer Bericht. Und diesmal kommt jene Schulform, die bis 2018 die alte Hauptschule österreichweit abgelöst haben soll, deutlich besser weg als im NMS-Evaluierungsbericht, der im März präsentiert wurde.

Konrad Pesendorfer, Chef der Statistik Austria, formulierte es bei der Präsentation von "Bildung in Zahlen 2013/14" am Mittwoch so: "Es scheinen sich teils deutliche Verbesserungen zu zeigen, was die Übertritte aus der NMS (im Vergleich zur Hauptschule) zu höheren Schulen anlangt, auch in Bezug auf den Abstand von Kindern nichtdeutscher Muttersprache zu ihren deutschsprachigen Kollegen."

Alles beim Alten in der AHS-Unterstufe

In Zahlen ausgedrückt: Nach dem Besuch einer Neuen Mittelschule (NMS) wechselten laut Statistik Austria im Schuljahr 2013/14 rund 45,9 Prozent der Kinder an eine höhere Schule. Zum Vergleich: Wer im selben Zeitraum eine Hauptschule besucht hatte, wechselte nur in 39,3 Prozent der Fälle an eine höhere Schule. Beiden Schulformen gemein ist, dass sie immer noch der "traditionellen" Bildungslaufbahn an den AHS hinterherhinken: Der Anteil jener Schüler, die mit der Unterstufe im Gymnasium begonnen haben und danach an eine höhere Schule übergetreten sind, betrug 2013/14 rund 92,6 Prozent.

Für Pesendorfer sind das in Hinblick auf die NMS "sehr ermutigende Resultate", die er freilich nicht darauf zurückführt, dass so viele AHS-Unterstufen bereits den Wandel zur Neuen Mittelschule vollzogen hätten – das taten nämlich ganze elf von rund 280 Gymnasien. Er wertet vielmehr die neuen Unterrichtsformen an der NMS und das "Teamteaching" von zwei Lehrkräften im Klassenraum als "offensichtliche Qualitätsverbesserungen". Wie viele ehemalige NMS-Schüler es später bis zu Matura oder einem Hochschulstudium schaffen, bleibt bis auf weiteres offen. Die ersten NMS-Jahrgänge kommen frühestens 2016 zur Matura.

"Bildungsgen" bestimmt Weiterkommen

Auch in ihrem jüngsten Bericht kommt die Statistik Austria zu dem Schluss, dass die Bildungsmobilität in Österreich "nach wie vor gering ist". Wer Akademikerkind und zwischen 25 und 44 Jahre alt ist, wird in 55,8 Prozent der Fälle auch zu einem Hochschulabschluss gelangen. Wessen Eltern allerdings lediglich die Schulpflicht abgeschlossen haben, der hat deutlich geringere Chancen auf einen akademischen Titel: Gerade einmal 6,6 Prozent der 25- bis 44-Jährigen erreichen hier einen Tertiärabschluss. Statistikchef Pesendorfer spricht vom "Bildungsgen", das "in Österreich nach wie vor sehr stark am Arbeiten ist".

"Auslandsgen" bei Doktoratsstudenten

Für "Bildung in Zahlen" hat man sich auch die internationale Mobilität der Studierenden angesehen. Hier zeigt sich laut Pesendorfer folgender Zusammenhang: "Je höher der Bildungsabschluss ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, innerhalb von drei Jahren das Land zu verlassen." Insbesondere Doktoratsstudenten, zu denen explizit nicht die Absolventen der Medizinunis gezählt werden, sind ziemlich mobil: Rund 11,8 Prozent der Doktoranden suchen nach absolviertem Studium dauerhaft das Weite.

Deutsche Medizinstudenten finden sich in einem Statistiktopf mit sonstigen deutschen Master- und Diplomstudierenden – und hier zeigt sich folgendes Bild: Im ersten Jahr nach Studienende verlassen rund 17 Prozent von ihnen Österreich, ein Jahr darauf kommen rund 5,1 Prozent dazu, bis schließlich im Jahr drei nach Studienabschluss rund ein Viertel der deutschen Master- und Diplomstudenten von hier weggezogen sind. (riss, derStandard.at, 22.4.2015)

  • "Kinder aus Neuen Mittelschulen schaffen es besser, in höherbildende Schulen überzusetzen, als Hauptschüler", sagt der Generaldirektor der Statistik Austria, Konrad Pesendorfer.
    foto: apa/neubauer

    "Kinder aus Neuen Mittelschulen schaffen es besser, in höherbildende Schulen überzusetzen, als Hauptschüler", sagt der Generaldirektor der Statistik Austria, Konrad Pesendorfer.

  • 36,3 Prozent der Absolventen einer Neuen Mittelschule wechseln an eine berufsbildende höhere Schule.
    grafik: apa

    36,3 Prozent der Absolventen einer Neuen Mittelschule wechseln an eine berufsbildende höhere Schule.

Share if you care.