Festivalmode: Bäuche, Bindis, Blumenkränze

Kolumne23. April 2015, 05:30
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Knappe Shorts und Blumenkränze: Die Festivalmode blühte während der letzten beiden Wochenenden im dürstenden Kalifornien auf. Das Coachella eröffnete die Festivalsaison

Eines ist mal klar: Auf dem Coachella ist für wenige Tage alles, aber auch alles Bühne. Beine, Bäuche, Blumenkränze werden in die Kameras gereckt. Das Festival ist Laufsteg, roter Teppich, alles miteinander. Und das Musikprogramm? Coole Kulisse für alle, die sich auf Twitter, Instagram und Facebook von ihrer lockeren Seite zeigen wollen. Das "Woodstock für Fashionistas", wie es der "Spiegel" gerade nannte, machte auch in diesem Jahr seinem Ruf alle Ehre. Models, Schauspielerinnen, die Jenner-Frauen, alle an zwei Wochenenden in die kalifornische Colorado-Wüste eingeflogen, um ihre sexy Festival-Uniformen auszuführen.

Die wurden in den letzten Jahren nur im Detail variiert. Das ist irgendwie auch gut so. Denn so kann nicht zuletzt die FM4-Gemeinde das modische Grundgerüst schon einmal in aller Ruhe beim Schweden updaten, um damit dann in einigen Monaten beim Frequency auf dem Messegelände von St. Pölten weltläufige Sexyness zu verbreiten.

foto: reuters/nicholson
Victoria's-Secret-Model Alessandra Ambrosio (Mitte) mit Freundinnen im Festivallook.


Mit der Coachella-Formel – viel Bein, viel Bauch, ein bisschen Blume im Haar – kann ja nicht allzu viel danebengehen: knappe Jeansshorts, unter deren ausgefransten Säumen die Baumwollhosentaschen herauslappen, nabelfreie Oberteile, verspiegelte Sonnenbrillen und bodenlange Maxikleider, wie sie Anita Pallenberg irgendwann mal von Ossie Clark trug. War gerade alles so oder so ähnlich an den prominenten Körpern zu bestaunen. Alexa Chung tauchte in einem nachthemdgleichen weißen Überwurf von Chloé auf, Kendall Jenner mit nacktem Bauch, freigelegten Schultern und Bändern im Haar, Model Jourdan Dunn mit Mikro-Shorts und ganz viel Schmuck.

Es wäre also nichts allzu bahnbrechend Neues zu berichten gewesen, wenn da nicht die Aufregung um die Bindis gewesen wäre. In diesem Jahr haben sich die zumeist weißen Fashionistas nämlich doch noch was einfallen lassen: bunte Bindis, die über der Nasenwurzel und den Augenbrauen aufgeklebt wurden.

@shaaska looks so lovely reclaiming our culture ��#reclaimthebindi #coachellashutdown #bindi #desi

Ein von @reclaimthebindi gepostetes Foto am

Der Protest in Form eines Hashtags ließ nicht auf sich warten: Unter #reclaimthebindi markierten auf Twitter und Instagram jede Menge Frauen die Punkte und Glitzerdetails auf den Stirnen der Festivalbesucherinnen als Akt kultureller Aneignung, englisch Cultural Appropriation.

Mal sehen, ob St. Pölten bei den Bindis dann auch noch mit dabei ist. (Anne Feldkamp, derStandard.at, 23.4.2015)

>> Eine Auswahl aktueller Modelle

  • Kendall Jenner, bauchfrei.
    foto: ap/rich fury

    Kendall Jenner, bauchfrei.

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