Alijew-Prozess: Zeuge belastet Angeklagten

22. April 2015, 17:24
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Im Prozess um den Mord an zwei kasachischen Bankern warf ein Zeuge einem Angeklagten vor, bei seiner Entführung dabei gewesen zu sein. Geplant habe diese Alijew

Wien - Sie ist nur ein Puzzlestein. Aber die erste Zeugeneinvernahme im Alijew-Prozess hat am Mittwoch einen der beiden Angeklagten unter Druck gesetzt. Wie berichtet hat sich die österreichische Justiz um die Aufklärung der Entführung und des Mordes an Zholdas Timralijew und Aybar Khasenow, zwei Topmanagern der kasachischen Nurbank, zu kümmern. Nach dem mutmaßlichen Suizid des Hauptangeklagten Rachat Alijew vor rund zwei Monaten müssen sich Ex-KNB-Chef Alnur Mussajew sowie der Alijew-Vertraute Vadim K. vor dem Wiener Straflandesgericht verantworten.

K. wurde vom ersten geladenen Zeugen, dem früheren Nurbank-Vorstandsvorsitzenden Abilmazhen Gilimow, massiv belastet: Gilimow warf K. vor, an seiner eigenen Entführung und der eines späteren Opfers am 18. Jänner 2007 beteiligt gewesen zu sein. Alijew, Ex-Schwiegersohn des kasachischen Präsidenten, soll das erzwungene Festhalten der beiden angeordnet haben.

Alijew soll sich geschädigt gefühlt haben

Zum Hintergrund: Alijew, Haupteigentümer der Nurbank, soll Gilimow und die später ermordet aufgefundenen zwei Nurbank-Topmanager bezichtigt haben, die Bank - und damit Alijew - durch Vergabe von begünstigten Krediten an Vertraute geschädigt zu haben. Alijew habe daraufhin durch Vortäuschung einer Dienstreise nach Kiew Gilimow sowie Timralijew in einen "von Männern mit Maschinengewehren bewachten" Saunakomplex in Almaty bringen lassen.

Dort wurden diese laut Gilimow von Alijew über die Vorwürfe unterrichtet. K. soll bei den Verhören anwesend gewesen sein. K. soll von Alijew auch aufgefordert worden sein, Gilimow Handschellen anzulegen. Gilimow sei gezwungen worden, ein Geständnis zu unterschreiben, was dieser verweigerte.

Unterschrieben habe er aber andere vorbereitete Schriftstücke, darunter sein Rücktrittsgesuch als Vorstandsvorsitzender der Nurbank sowie der Verkauf seiner Aktien an der Nurbank. Dies habe ihn zwei bis 2,5 Millionen Dollar gekostet.

"Ich kann sehr viel in diesem Land"

Gilimow wurde unter anderem der Reisepass abgenommen. Alijew soll laut Gilimow gesagt haben: "Euch werden wir hier umbringen und vergraben. Ich kann sehr viel in diesem Land. Wenn du leben willst, gestehe." Alijew soll auch eine Pistole in der Hand gehabt haben, diese aber nicht auf Gilimow gerichtet haben. Als Gilimow aus dem Zimmer geführt wurde, habe er Timralijew mit Handschellen an ein Sportgerät gefesselt gesehen. Freigekommen sei Gilimow, weil er es geschafft habe, mit seiner Ehefrau telefonischen Kontakt aufzunehmen. Dies dürfte den Druck auf Alijew erhöht haben.

Wieso Gilimow nach seiner Freilassung Alijew nicht angezeigt habe, wollte Andreas Böhm, der Vorsitzende des Schwurgerichts, wissen. "Er war der Schwiegersohn des Präsidenten", sagte der 46-Jährige. "Und wir hätten es nicht beweisen können."

Am Mittwoch kam dem Gericht eine Hauptgeschworene wegen einer Erkrankung abhanden. Eine Ersatzgeschworene hatte sich schon vergangene Woche krankheitsbedingt entschuldigt. Insgesamt wurden acht Haupt- und acht Ersatzgeschworene geladen. Am Donnerstag wird fortgesetzt. (David Krutzler, DER STANDARD, 23.4.2015)

  • Am Mittwoch wurde mit Abilmazhen Gilimov, der 2007 Vorstandsvorsitzender der kasachischen Nurbank war,  der erste Zeuge gehört. Er belastete den damaligen Nurbank-Haupteigentümer Rachat Alijew sowie den Angeklagten und Alijew-Vertrauten Vadim K. massiv.
    foto: apa / helmut fohringer

    Am Mittwoch wurde mit Abilmazhen Gilimov, der 2007 Vorstandsvorsitzender der kasachischen Nurbank war, der erste Zeuge gehört. Er belastete den damaligen Nurbank-Haupteigentümer Rachat Alijew sowie den Angeklagten und Alijew-Vertrauten Vadim K. massiv.

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