Lokführerstreik: Nur jeder dritte Fernzug fährt

22. April 2015, 17:23
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Die deutschen Lokführer streiken zum siebenten Mal

Berlin - Nichts geht mehr. Dieses Motto galt am Mittwoch wieder für unzählige Fern- und Regional- sowie Güterzüge der Deutschen Bahn. Nachdem nun einige Wochen lang nicht gestreikt worden war, hatte die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) erneut zum Arbeitskampf aufgerufen. Es ist der siebente nach bisher 16 Gesprächsrunden.

Den Anfang machten schon am Dienstag die für den Güterverkehr zuständigen Lokführer. In der Nacht auf Mittwoch (ab zwei Uhr) blieben dann auch unzählige Personenzüge stehen. Der Streik im Personenverkehr wird noch bis 21 Uhr am Donnerstag dauern. Die Güterzüge werden erst ab Freitag, neun Uhr, wieder planmäßig fahren.

Beamte dürfen nicht streiken

Wie schon bei vorherigen Streiks fielen wieder rund zwei Drittel der sonst üblichen 805 Fernzüge aus. Im Regionalverkehr waren 15 bis 60 Prozent der Züge im Einsatz. Möglich ist der Ersatzfahrplan, weil nicht alle Lokführer streiken. Von den rund 20.000 Zugführern sind rund 4.000 Beamte, sie dürfen nicht streiken. 5.000 sind Mitglied bei der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), auch diese können am Arbeitskampf der GDL nicht teilnehmen.

Um eben diese Mitgliedschaft dreht sich nach wie vor die Auseinandersetzung zwischen GDL und Bahnkonzern. Die GDL will künftig auch Zugbegleiter, Rangierführer und Mitarbeiter der Bordbistros vertreten. Das lehnen sowohl die Deutsche Bahn als auch die konkurrierende EVG, bei der diese Berufsgruppen derzeit organisiert sind, ab.

Gewerkschaft fürchtet Gesetz

Die GDL ist unter Druck, weil die deutsche Regierung ein Gesetz zur Tarifautonomie vorbereitet. Dieses würde den Einfluss der kleinen aber starken Spartengewerkschaften beschneiden.

Dementsprechend harsch sind die Töne von GDL-Chef Claus Weselsky. Die Strategie der Bahn sei, "das Zugpersonal am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen." Seine Forderung: "Unsere Botschaft an die Bahnfahrer ist, sich massiv mit öffentlichem Protest gegen den Bahnvorstand zu stellen, weil dort die wahren Schuldigen sitzen." Bahnsprecher Achim Strauß hingegen erklärt: "Das ist alles sehr, sehr schmerzhaft für uns." (bau, DER STANDARD, 23.4.2015)

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