Middelhof: 895.000 Euro Kaution

21. April 2015, 22:41
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Früherer Arcandor-Chef muss zudem Reisepässe abgeben

Essen - Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff muss vor seiner Haftentlassung eine Kaution von 895.000 Euro hinterlegen. Die Summe kann auch von Freunden, Verwandten oder Dritten aufgebracht werden, wie das Landgericht Essen am Dienstag mitteilte. Zudem muss er Reisepässe abgeben und sich nach der Entlassung regelmäßig bei der Polizei melden. Ohne Genehmigung des Gerichts darf er Deutschland nicht verlassen.

Das Essener Landgericht hatte den Haftbefehl gegen Middelhoff am Montag außer Vollzug gesetzt. Zwar sei "weiterhin dringender Tatverdacht" gegeben; der Fluchtgefahr könne jedoch durch die Auflagen begegnet werden, begründete die Strafkammer die Entscheidung. Da der frühere Arcandor-Chef erkrankt sei und regelmäßig ärztlich behandelt werden müsse, sei darüber hinaus "der Fluchtanreiz gemindert".

Eine Haftunfähigkeit von Middelhoff vereinten die Richter. Sie verwiesen in diesem Zusammenhang auf eine sachverständige Beratung durch zwei behandelnde Ärzte. Auch ergaben sich aus Sicht des Gerichts keine Anhaltspunkte für einen möglichen Zusammenhang von Middelhoffs Erkrankung mit einem angeblichen Schlafentzug in dessen Zelle. Einen entsprechenden Vorwurf hatten die Anwälte Middelhoffs erhoben.

Nach Einschätzung des Berliner Rechtsanwalts Hartmut Fromm könnte sich die Freilassung Middelhoffs noch einige Tage hinziehen. Er bemühe sich darum, die Kaution einzusammeln, sagte Fromm der Zeitung "Die Welt" (Mittwochsausgabe). Das Geld soll nach Fromms Angaben von der "erweiterten Familie" Middelhoffs sowie Freunden des Ex-Arcandor-Chefs in den USA bereitgestellt werden. Er gehe davon aus, dass die vom Gericht geforderte Summe bis zum Donnerstag beisammen sei, erklärte Fromm. Möglicherweise dauere es aber noch einige Tage länger, bis alle Formalitäten erledigt seien.

Das Essener Gericht hatte den einstigen Spitzenmanager im November 2014 wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt und noch im Verhandlungssaal einen Haftbefehl gegen ihn verkündet. Seitdem sitzt Middelhoff in Untersuchungshaft, mehrere Beschwerden gegen die Haft waren wegen Fluchtgefahr zunächst erfolglos geblieben. Das Strafurteil des Landgerichts ist nicht rechtskräftig - Middelhoff legte dagegen Revision ein, über die demnächst der Bundesgerichtshof entscheiden muss. (APA, 21.4.2015)

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