Äthiopien: Staatstrauer für von IS-Jihadisten getötete Christen

21. April 2015, 19:21
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USA verurteilen "brutalen Massenmord"

Addis Abeba - Nach der mutmaßlichen Ermordung äthiopischer Christen durch die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Libyen hat Äthiopien mit einer dreitägigen Staatstrauer der Toten gedacht. Zum Auftakt der Trauerfeierlichkeiten am Dienstag verurteilte der Patriarch der orthodoxen Tewahedo-Kirche des ostafrikanischen Landes, Abune Mathias, die Morde an den mehr als 20 Christen als "abscheulich".

"Wir haben die Pflicht, unsere Stimme zu erheben, um der Welt zu sagen, dass die Tötung von Unschuldigen wie Tiere vollkommen unannehmbar ist", sagte der Patriarch bei gemeinsamen christlich-muslimischen Gebeten. Auch die muslimischen Vertreter unter Führung von Scheich Mohammed Jemal, Vorsitzender des Obersten Rates für islamische Angelegenheiten in Äthiopien, verurteilten die Enthauptungen. Die Tötung von Menschen "wie Hühner" habe keinen Platz im Islam, sagte Jemal.

Demonstration in Addis Abeba

Die IS-Miliz hatte am Sonntag ein Internetvideo veröffentlicht, das zeigt, wie etwa ein Dutzend Männer an einem Strand enthauptet und mindestens 16 weitere in einer wüstenartigen Gegend erschossen werden. Die Getöteten werden in dem Video als "Anhänger des Kreuzes der feindlichen äthiopischen Kirche" präsentiert. Die Tötungen sorgten weltweit für Entsetzen und Empörung. In Äthiopien marschierten am Dienstag Hunderte Demonstranten durch die Hauptstadt Addis Abeba. Fast zwei Drittel der 90 Millionen Äthiopier sind Christen.

Opfer wollte über das Mittelmeer

"Sie sind Tiere, sie stehen abseits jeglicher Menschlichkeit", sagte Tesfaye Wolde mit Blick auf den IS. Wolde hat nach eigenen Worten seinen einzigen Bruder als eines der Hinrichtungsopfer in dem Video ausgemacht. Der Bruder, ein Elektriker, sei auf der Suche nach einem besseren Leben zunächst über den Sudan nach Libyen ausgewandert, um später als Flüchtling die gefährliche Seepassage nach Italien zu wagen. Mit Blick auf die wiederkehrenden Flüchtlingstragödien im Mittelmeer sagte Wolde: "Ich bin sehr traurig, ich habe meinen Bruder verloren, meinen einzigen Bruder, aber es gibt viel mehr Äthiopier die ihr Leben verlieren - sie werden ins Meer geworfen."

In Libyen herrschen seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Chaos und Gewalt. Im vergangenen Sommer eroberten islamistische Milizen die Hauptstadt Tripolis und bildeten dort eine eigene Regierung. Die international anerkannte Regierung und das Parlament flohen nach Tobruk im Osten des Landes. Der IS nutzt das Machtvakuum, um sich in Libyen auszubreiten. (APA, 21.4.2015)

  • Angehörige gedenken einem von der IS-Miliz getöteten Mann.
    foto: reuters/negeri

    Angehörige gedenken einem von der IS-Miliz getöteten Mann.

  • Trauernde in Addis Abeba.
    foto: reuters/negeri

    Trauernde in Addis Abeba.

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