Mit Geld, Wissen und Glück zum eigenen Unternehmen

22. April 2015, 19:05
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Diskussion zur Förderung von Start-ups in Nachfolge der "Gründerland-Strategie " des Wirtschaftsministeriums

Wien - Vom gemeinsamen Musizieren übers Internet, welches das Start-up Sofasession möglich machen will, bis zur Entwicklung neuer Impfmethoden durch Cyprumed, die ohne Spritze auskommen sollen; vom neuartigen Wiener Coworkingspace mit Namen Cocoquadrat bis zum Messinstrument für das Gewicht von Schweinen, das das Start-up Wuggl entwickelt. Die jungen Unternehmen, die im Rahmen der Veranstaltung "Innovation konsequent fördern" in den Wiener Räumlichkeiten der Förderagentur AWS am Montagabend vorgestellt wurden, illustrieren die Bandbreite der heimischen Start-up-Szene.

Die Präsentation der Ideen der Gründer gaben den Vorspann zu einer Diskussion, bei der Geldgeber und Unternehmer darüber reflektierten, welche Art von Hilfestellungen Start-ups auf dem Weg zum Erfolg benötigen. Der Wandel der globalen Wirtschaft mit dem Aufstieg Chinas übersetzt sich in die Anforderung an Europa, Innovationen schnell und auf breiter Basis voranzutreiben, so die Rahmenbedingungen, die eingangs abgesteckt wurden. Österreich müsse zur europäischen Spitze aufschließen, um den Wohlstand zu halten.

Notwendiges Wissen

Marcus Schweinzger vom Start-up Wuggl, das Schweinebauern mit einem neuartigen Smartphone-gestützten Messgerät für das Gewicht der Tiere ausstatten will, erläuterte exemplarisch den Weg seines Unternehmens zu einer Finanzierung. Er führte vom Gründerservice Inits und der Unterstützung durch das AWS über die TV-Start-up Show 2 Minuten, 2 Millionen auf Puls 4 bis hin zu den resultierenden Gesprächen mit einer ganzen Reihe von Geldgebern.

Dass es nicht nur notwendig ist, Geld zur Verfügung zu stellen, sondern auch Wissen, hob Marie-Hélène Ametsreiter vom Risikokapitalfonds Speedinvest hervor. Auch fehle hierorts die Offenheit der USA, wo die Erfinder "mit ihren Prototypen in große Unternehmen reinmarschieren" könnten, um sie zu präsentieren - und damit Aussicht auf Erfolg haben.

Guter Förderungsdschungel

Michael Altrichter trat dagegen Kritik an einem ausufernden Förderdschungel in Österreich entgegen, die sich etwa in der Vielzahl von AWS-Förderprogrammen manifestiert. Er verstehe nicht, wie das ein Negativkriterium sein könne: "Wenn sich ein Gründer da nicht durchschlagen kann, sollte er das Gründen ohnehin lassen."

AWS-Geschäftsführer Bernhard Sagmeister verwies darauf, dass die Förderagentur ihre Kräfte im Start-up-Bereich "massiv verstärkt" habe. 100 Millionen Euro stünden für "jede Lebenslage" der jungen Unternehmen zur Verfügung, vom klassischen Zuschuss bis zum Risikokapital. Der Bedarf steigt. Für 60 Prozent der Gründer sei laut Umfrage die Finanzierung die wichtigste Frage. Für die Unternehmer sei es aber auch vorteilhaft, eine zweite Meinung eines "neutralen Partners" über ihr Projekt zu bekommen, die gegebenenfalls auch auf Schwachstellen verweist.

Hoher Männeranteil

Michael Altrichter verwies zuletzt noch auf jenen Faktor, den die Gründer letztendlich nicht selbst beeinflussen können: das Glück. "Eine Portion Zufall gehört dazu. Wie wir wissen, sind die besten Ideen oft zum falschen Zeitpunkt geboren worden", so der Investor. Manchmal sei es eben vor allem Glück, zur richtigen Zeit an die richtigen Leute heranzukommen.

Auch die Förderung weiblicher Gründer war ein Thema, nachdem im Publikum auf den hohen Männeranteil der Veranstaltung hingewiesen wurde - die zwölf präsentierten Gründer waren (offenbar nach mehreren Absagen) ausschließlich Männer. Zuvor hatte man vonseiten des AWS bereits darauf verwiesen, dass hinter 25 Prozent der geförderten Start-ups Gründerinnen stehen.

Vor wenigen Tagen stellte das Wirtschaftsministerium seine "Gründerland-Strategie" vor, die den Hintergrund zur AWS-Diskussion bildete. Darin werden 40 Maßnahmen - darunter ein neues Crowdfunding-Gesetz - aufgelistet, das den Unternehmergeist in Österreich fördern sollte. Bis 2020 könnten laut Ministerium 100.000 Jobs durch Start-ups geschaffen werden. (pum, DER STANDARD, 22.4.2015)

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