Leopold Museum: Geheimnisse und Budgetnöte

21. April 2015, 17:44
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Viele Fragen und kaum Antworten

Wien - Mit einem Kurier-Interview hatte Sammlersohn Diethard Leopold Mitte Februar die Debatte über die finanziellen Gebaren des Leopold Museums (LM) ins Rollen gebracht. Die Forderung nach einer neuerlichen Erhöhung der Subventionen hatte er mit Verlusten aus dem laufenden Museumsbetrieb in der Höhe von 2,67 Millionen Euro gerechtfertigt, die man "einstweilen" über Rücklagen abdecke. Letztere sind jedoch für künftige Restitutionsvergleiche zweckgewidmet. Grünen-Kultursprecher Wolfgang Zinggl brachte daher eine parlamentarische Anfrage ein, deren Beantwortung zwar am Montag vorgelegt wurde, jedoch mit Details geizt.

Etwa wenn es um den Betrag geht, der über die Versteigerung von Kunstwerken via Sotheby's 2011 und 2013 erwirtschaftet wurde. Auch die Höhe des Betrages, der nach der Finanzierung von Einigungen mit Erbengemeinschaften verblieben ist, wird verschwiegen. Dabei handle es sich laut Kulturminister Josef Ostermayer "um sensible Informationen, die als Geschäftsgeheimnis" der LM-Privatstiftung zu qualifizieren seien, "und deren Offenlegung geschäftsschädigende Auswirkungen haben könnte".

STANDARD-Recherchen zufolge liegt der Erlös aus den Verkäufen bei rund 42 Millionen Euro. Die Einigung mit den Erben von Lea Bondi Jaray (Bildnis Wally) schlug inklusive der angefallenen Anwaltskosten mit 19 Millionen Euro zu Buche, jene mit den Erben von Jenny Steiner (Häuser am Meer) mit rund 15 Millionen.

Zweckgewidmete Rücklage

Die verbliebene Differenz in der Höhe von etwa acht Millionen Euro ist eine zweckgewidmete Rücklage und hätte laut Juristen weder teilweise noch vorübergehend zum Stopfen von Budgetlöchern aus dem Museumsbetrieb verwendet werden dürfen (der STANDARD vom 22. 2.). Ostermayer informiert in diesem Zusammenhang lediglich, dass "die Rücklage bisher nicht aufgelöst" wurde.

Ob die von Juristen empfohlene Rückabwicklung des Finanzierungsmodells, das vom Stiftungsvorstand als "wirtschaftlich korrekt und sinnvoll" bezeichnet wurde, erfolgte, blieb auf aktuelle Anfrage hin unbeantwortet, ebenso ein an die LM Privatstiftung übermittelter Fragenkatalog. Man habe den bereits dem Bundesminister gelieferten Antworten nichts hinzuzufügen. Nein, auch nicht zum darin für das Geschäftsjahr 2015/16 deklarierten "zusätzlichen Budgetbedarf", der mit "notwendigen Investitionen" etwa im Bereich Sicherheit begründet wird. Ob sich solcher aus dem Museums- oder aus einem erweiterten Depotbetrieb (z. B. Einlagerung von Kunstwerken der Sammlung II und Klimt-Foundation) ergibt, will man offensichtlich nicht öffentlich diskutiert wissen. (Olga Kronsteiner, DER STANDARD, 22.4.2015)

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