Mehr Therapien für Cannabis-Konsumenten in Europa gefordert

21. April 2015, 17:17
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Für Menschen, die exzessiv Cannabis konsumieren, müssten spezifisch abgestimmte Behandlungsmodelle geschaffen werden, heißt es in einem Bericht der EU-Drogenbeobachtungsstelle

Lissabon - Die Europäische Drogenbeobachtungsstelle EMCDDA in Lissabon hat in einem neuen Bericht auf den in Zukunft wachsenden Bedarf für Therapie- und Betreuungsmöglichkeiten für Cannabis-Konsumenten hingewiesen. Dies sei vor allem für Personen mit problematischem beziehungsweise exzessivem THC-Konsum notwendig.

"Cannabis ist die in Europa am meisten genutzte illegale Droge. Laut Schätzungen haben im vergangenen Jahr 18,1 Millionen Erwachsene im Alter zwischen 15 und 64 Jahren Cannabis konsumiert. Davon sind 14,6 Millionen junge Erwachsene (15 bis 34 Jahre), etwa drei Millionen Menschen haben THC täglich zu sich genommen", schreibt die EMCDDA in ihrem Bericht.

Menschen mit sehr starkem Cannabiskonsum sollten auch vermehrt entsprechende Therapieangebote nutzen können. Der regelmäßige Gebrauch der Droge ist laut wissenschaftlichen Untersuchungen mit einem sechsfach höheren Risiko für Angstzustände verbunden. Es gibt auch Beobachtungen, wonach starker Cannabiskonsum bei dafür vulnerablen Personen vermehrt zum Auftreten von Psychosen führt. Umgekehrt ist das Rückfallrisiko nach solchen Episoden bei ihnen höher.

Behandlung von mit Cannabis assoziierten Störungen

Es gibt auch starke Hinweise darauf, dass Cannabis von vielen Konsumenten als eine Art "Selbstmedikation" gegen psychisch Probleme eingesetzt wird. Ahnlich wie beim Alkohol, den depressive Menschen als "Stimmungsaufheller" benutzen wollen und damit erst recht in diese psychische Erkrankung hinein rutschen, weil Alkohol in höheren Dosierungen selbst Depressionen hervorruft.

Im Gegensatz zu Therapien bei Opiat- oder Kokainabhängigkeit steht bei Cannabis-Konsumenten keine "Entgiftung" beziehungsweise kein körperliche Entzug auf dem Plan. "Die Behandlung von mit Cannabis in Verbindung stehenden Problemen beruht primär auf psychosozialen Zugängen mit einer Kombination von klassischer Psychotherapie und Unterstützung in sozialer Hinsicht", heißt es in dem Report. Für betroffene Jugendliche, junge Erwachsene und Ältere müssten aber jeweils spezifisch abgestimmte Behandlungsmodelle geschaffen werden.

"In den vergangenen Jahren haben wir eine Erdbeben-ähnliche Veränderung auf dem Cannabismarkt gesehen. Es ist an der Zeit, die Frage der Behandlung von mit Cannabis assoziierten Störungen anzugehen", sagt EMCDDA-Direktor Wolfgang Götz.

24 Prozent der Wiener haben schon zumindest einmal THC konsumiert, 13 Prozent innerhalb der vergangenen drei Jahre, sechs Prozent innerhalb der vergangenen 30 Tage. Das hat die Wiener "Suchtmittel Monitoring Studie" im Jahr 2013 ergeben. Der Konsum zieht sich mittlerweile durch alle Altersgruppen. (APA, derStandard.at, 21.4.2015)

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