Die kulturellen Opfer des IS-Terrors

23. April 2015, 19:01
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Konferenz über die inszenierte Zerstörung antiker Kulturschätze im Irak an der Universität Wien

Wien - Was treibt die IS-Terroristen zu ihren Zerstörungen im Irak an? Wie ist die filmische Inszenierung einzuschätzen? Und welche Rolle spielt der Westen? - Diesen Fragen will die Konferenz "Ostentative Kulturgüterzerstörung im Irak" nachgehen, die am 24. April in Wien stattfindet und vom Altorientalisten Michael Jursa organisiert wurde.

Jahrtausende alte Schätze

Dabei werden internationale Experten über die jüngsten Zerstörungen durch den sogenannten Islamischen Staat im Irak sprechen. "Wir werden nach den Hintergründen fragen", sagt Jursa. Auch geht es ihm darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass derzeit im Irak, genau wie in Syrien, "neben der humanitären Katastrophe - die klarerweise im Vordergrund steht - gleichzeitig eine intellektuelle und kulturelle Katastrophe größten Ausmaßes stattfindet". Im Falle der altorientalischen Stadt Nimrud wurden etwa Kulturschätze vernichtet, die tausende Jahre zurückreichen.

Auffällig ist die ambivalente Haltung des IS gegenüber antiken Kulturschätzen: Einerseits zerstört er diese, andererseits verkauft er sie auf dem Schwarzmarkt. Rüdiger Lohlker, Professor für Islamwissenschaften an der Universität Wien, der ebenfalls bei der Konferenz vortragen wird, forscht über die Motive radikaler Islamisten. Dabei zeigt sich, dass "der IS grundsätzlich argumentiert, dass Wertgegenstände, die vom Eigentümer zurückgelassen werden, zum Nutzen der Muslime, also des IS verwertbar sind", sagt Lohlker. Damit wird der Handel mit antiken Schätzen gerechtfertigt.

Die Zerstörungen werden hingegen mit dem Prinzip des "Gebietens des Rechten und des Verbietens des Schlechten" argumentiert. "Sie dienen damit der Errichtung einer wahren islamischen Ordnung nach dem Muster IS, die nichts Unislamisches im öffentlichen Raum duldet", sagt Lohlker. "Für den IS geht das auf beiden Ebenen gut zusammen."

Unklares Zerstörungsausmaß

Via Skype wird Abdulamir al-Hamdani zugeschaltet sein - ein irakischer Archäologe, der derzeit an der Stony Brook University in den USA tätig ist. Da im Westen niemand genau weiß, was der IS zerstört hat, "erhoffen wir uns, dass al-Hamdani noch mehr dazu sagen kann", sagt Jursa, "doch letztlich muss auch er sich auf indirekte Informationen stützen".

Der Kontakt mit Kollegen vor Ort ist in den letzten Jahren weitgehend zusammengebrochen, viele Wissenschafter sind aus der Region geflohen. Weiters werden bei der Konferenz, die sich vor allem an Studierende richtet, Dennis Cosgrove, zuständig für Grenzsicherheit bei der OSZE, Gudrun Harrer, Leitende Redakteurin des STANDARD, und die Archäologin Marta Luciani von der Universität Wien vortragen. (trat, DER STANDARD, 22.4.2015)


Die Konferenz "Ostentative Kulturgüterzerstörung im Irak" des Instituts für Orientalistik der Universität Wien findet am 24. April von 9.30 bis 14 Uhr in der Aula auf dem Campus der Universität Wien im Alten AKH statt.

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