Reiseimpfungen: Infektiöse Gefahren rund um den Globus

25. April 2015, 09:00
14 Postings

Bei allen Reisen in sozioökonomisch schlechter entwickelte Länder sollte man impfen, sagen Experten

Wenn es ums Reisen geht, lassen sich die Österreicher gern impfen – jedenfalls lieber als sonst. Das bestätigt Heinrich Stemberger, Leiter des Instituts für Reise- und Tropenmedizin in Wien. "Es gibt manche Abenteuerreisende, die denken, dass sie ohnehin unsterblich sind. Generell aber ist die Bereitschaft, sich vor einer Fernreise impfen zu lassen, sehr hoch", so der Experte.

Tödliche Tollwut

Malaria, obwohl tödlich, sei längst nicht mehr das gefürchtetste Reisemitbringsel. Gegen sie gibt es zwar keine Impfung, doch dank mittlerweile weit verbreiteter Vorbeugung mittels Mückennetz und Insektensprays sowie prophylaktisch eingenommener Medikamente gehen die in Österreich registrierten Fälle seit 1990 zurück.

Wogegen man sehr wohl impfen kann: Die nicht minder tödliche, etwa von Hunden, Katzen und Affen übertragene Tollwut. Entscheidend ist hier die Inkubationszeit und damit jene Zeit, in der man nach dem Biss noch eine postexpositionelle Prophylaxe durchführen kann. Diese hänge von der Größe und von der Lokalisation der Verletzung ab. Die gefürchtete Erkrankung kann, bei rechtzeitiger Behandlung, durch die Gabe eines Immunglobulins gemeinsam mit einer Impfung meist verhindert werden.

Die gängigsten Reiseimpfungen (Auswahl) im Überblick.

Allen Tropenreisenden, ungeachtet ob Cluburlauber oder Rucksacktourist, empfiehlt Stemberger darüber hinaus eine Impfung gegen Hepatitis A und B, Typhus, Tetanus-Diphtherie-Pertussis und Polio, optional auch gegen Cholera: "Die bekommen Touristen zwar fast nie, dafür schützt die Impfung aber auch gegen einige bakterielle Durchfälle." Bei der Reisediarrhoe handelt es sich ja um die häufigste, glücklicherweise meist harmlose Reiseerkrankung – fast jeder zweite Tropenreisende leidet darunter.

Eines ist für Stemberger klar: "Viele Infektionen halten sich nicht an die Kategorien der Unterbringung. Die vielen Sterne, die ein Hotel hat, fallen an der Hotelküche ab." Gegen Durchfall kann man noch nicht impfen, denn es gebe "wahnsinnig viele verschiedene Erreger."

FSME-Impfung

Für manche Reisende ist auch die FSME-Impfung wichtig, sagt Stemberger: "Infizierte Zecken gibt es nicht nur bei uns, sondern von Osteuropa und Russland bis nach Japan". Für Südostasien-Reisende wird zudem die Impfung gegen die Japan-Enzephalitis empfohlen, die verwandt mit der FSME ist, jedoch von Stechmücken übertragen wird, die vor allem rund um Reisfelder stark verbreitet sind.

Natürliche Wirte sind Schweine, Gänse und Enten, von denen sie auch auf den Menschen übertragen werden können. "Für die meisten Urlauber ist sie aber nicht sehr relevant", sagt Stemberger, denn nur selten hielten sich diese in Gebieten mit erhöhtem Übertragungsrisiko auf. Ganz ausrotten werde man sie nie können, weil es immer auch ein tierisches Reservoir gebe.

In tropischen Gebieten auf dem Vormarsch sind Dengue-Fieber und Chikungunya-Fieber, sagt Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Medizinischen Universität Wien. Beide werden von tagaktiven Stechmücken übertragen und gehen mit Symptomen einer schweren Grippe einher, etwa hohem Fieber und Gelenksschmerzen. Impfung steht derzeit noch keine zur Verfügung.

Oft werde beim Reisen zudem auf die Influenza vergessen, so die Expertin. "In der südlichen Hemisphäre beginnt die Saison dann, wenn sie bei uns endet. Deshalb besteht auch das ganze Jahr über in Flugzeugen und auf Flughäfen die Gefahr einer Ansteckung."

Preis abschreckend

Vor allem für Junge oft abschreckend: Der hohe Preis. Für eine Thailandreise etwa empfehlen sich zwei Hepatitis-Impfungen (zusammen etwa 170 Euro), drei Tollwut-Teilimpfungen (270 Euro), eine Typhus- (40 Euro) und eine Diphterie-Tetanus-Polio-Pertussis-Impfung (40 Euro). Zusammengerechnet entspricht das etwa der Hälfte der Flugkosten. Die stark divergierenden Preise ergeben sich übrigens aus stark unterschiedliche Kosten für Herstellung und Kultivierung der Impfstoffe.

"Den jungen Leuten wird hier sehr viel Vernunft abverlangt. Wir dürfen uns nicht wundern, dass nur ein kleiner Teil sich impfen lässt", sagt Stemberger, und wünscht sich noch mehr Überzeugungsarbei. Hier seien auch die Krankenkassen gefordert. Aktuell übernehmen sie lediglich die Kosten für die Heilbehandlung, nicht aber für vorbeugende Impfungen.

Gefährlichstes Land

Welches ist nun das gefährlichste Land für Reisende? "Das kann man unmöglich sagen, dafür müsste man hellsehen können", sagt Stemberger. Am besten, auch am beliebtesten seien jene Impfungen, die man gar nicht braucht, so der Experte mit einem Augenzwinkern.

Wirft man jedoch einen Blick auf die Karte mit den Empfehlungen des amerikanischen Center for Disease Control, so handelt es sich beim gefährlichsten Land um Nigeria. Aufgrund seiner schlechten medizinischen Versorgung sollte man bei Reisen dorthin kein Risiko eingehen. Aktuell ist auch in Westafrika (Liberia, Sierra Leone und Guinea) Vorsicht geboten, wo nach wie vor Ebola grassiert - die brandneuen Impfstoffe werden dort erst noch getestet.

Generell spielt das Gesundheitssystem des Reiselandes eine große Rolle. "Während in Thailand selbst in ländlichen Gebieten gute Versorgung gewährleistet ist, gibt es etwa in Kambodscha kaum Infrastruktur", sagt Widermann-Schmidt. In Indien wiederum gebe es in den Städten gute Spitäler, am Land sehe die Lage auch wieder anders aus. Deshalb ist neben den Impfungen auch das Mitführen einer gut sortierten Reiseapotheke unbedingt zu empfehlen. (Florian Bayer, DER STANDARD, Langfassung, 26.4.2015)

Share if you care.