Anhaltende Heta-Kritik aus Deutschland

21. April 2015, 16:19
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Bluhm: Vorgehen Österreichs "nicht akzeptabel" - Klage gegen Kärnten angekündigt

München/Klagenfurt/Wien - Von der Bad Bank der verstaatlichten deutschen Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) kommt scharfe Kritik an Österreich wegen der Heta: Das Vorgehen Österreichs sei "nicht akzeptabel", sagte FMSW-Chef Christian Bluhm von der FMS Wertmanagement am Dienstag in München.

Österreichs Vorgehen sei "zutiefst beunruhigend", sagte Bluhm. "Es zehrt auch etwas an meinem europäischen Grundverständnis", so der scheidende Banker. "Das Geld gehört uns", betonte Bluhm, und kündigte auch eine Klage gegen das Bundesland Kärnten an, das als früherer Eigentümer der Hypo Alpe Adria (jetzt Heta) für deren Schulden einspringen müsse.

"Angemessene Risikovorsorge"

Zur Höhe der Risikovorsorge für die Heta-Verbindlichkeiten wollte Bluhm sich nicht äußern. "Sie ist angemessen", sagte er lediglich. Wortkarg kommentierte er auch die Empfehlung der deutschen Bundesbank, mindestens 50 Prozent abzuschreiben. "Natürlich ziehen wir das in Betracht", sagte Bluhm. Die Pfandbriefbank, als gesunder Rest der Hypo Real Estate gewissermaßen ein Schwesterinstitut der FMS, war dieser Empfehlung vor kurzem gefolgt.

Die österreichische Bundesregierung hatte Anfang März beschlossen, die Bad Bank der Hypo Alpe Adria namens Heta abzuwickeln und dabei sämtliche Schuldenzahlungen zu stoppen. Den Gläubigern drohen damit hohe Verluste. Betroffen sind etliche Banken und Versicherer in Deutschland. Neben der FMSW hatte auch die NRW-Bank Klage vor dem Landgericht Frankfurt gegen den Zahlungsstopp eingereicht.

Die deutsche Bad Bank kommt beim Abbau der Altlasten voran. Unter dem Strich kletterte der Überschuss von 117 Millionen auf 313 Millionen Euro 2014, wie die FMS Wertmanagement mitteilte. Auch im laufenden Jahr erwartet Bluhm ein positives Ergebnis. Etwaige Belastungen rund um die Hypo Alpe Adria seien bei dieser Annahme bereits einberechnet.

Portfolio stark verringert

Man habe die günstigen Marktbedingungen weiterhin nutzen können, um den Abbau des Portfolios zu beschleunigen und dabei profitabel voranzutreiben, erklärte der scheidende FMSW-Chef Bluhm. Bluhm gibt seinen Posten zum 1. Oktober an den früheren BayernLB-Finanzvorstand Stephan Winkelmeier ab.

2010 waren Risiko-Altlasten der HRE im damaligen Wert von rund 175 Mrd. Euro in die bundeseigene Abwicklungsanstalt ausgelagert worden, um der HRE einen Neustart zu ermöglichen. Mittlerweile hat das Portfolio noch ein Volumen von 106,3 Mrd. Euro. Ziel beim weiteren Abbau sei es, das bestmögliche Ergebnis zu erreichen, auch deshalb lasse sich kein genauer Zeithorizont für den Abschluss nennen, sagte Bluhm.

"Unrealistischer" Abbauplan

Möglich wäre aber, dass ein Sockel von etwa 70 bis 75 Mrd. Euro an lang laufenden Assets übrig bleibe, die sich nicht verkaufen lassen. Hier müsse eine Lösung gefunden werden, wie dieser Bestand möglichst kostengünstig weiter verwaltet werden könne. Der ursprüngliche Plan, wonach die Abwicklung bis 2020 über die Bühne gebracht werden sollte, sei "tapfer" gewesen, aber aus heutiger Sicht unrealistisch.

Die Bad Bank der HRE will ihre Servicetochter FMS Wertmanagement Service GmbH mit rund 400 Mitarbeitern privatisieren. Die Verkaufsverhandlungen befänden sich in einem fortgeschrittenen Stadium, sagte Bluhm. Neben der Abwicklung der HRE-Altlasten könnte die privatisierte Gesellschaft künftig auch andere Banken im Markt bedienen und Neugeschäft tätigen. (APA, 21.4.2015)

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