Neue Aufnahmen von mysteriösen weißen Strukturen auf Ceres

21. April 2015, 15:56
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NASA-Sonde nähert sich weiter dem Zwergplaneten, erste Bilder vom Nordpol tragen nichts zur Erklärung des Phänomens bei

Köln - Vor rund fünf Wochen wurde die NASA-Sonde "Dawn" nach zweieinhalbjährigem Flug durch den Asteroidengürtel von Ceres' Schwerefeld eingefangen. Im Anschluss näherte sie sich dem Zwergplaneten von der Schattenseite, was ihr Untersuchungsobjekt für die Beobachtungsinstrumente großteils in Dunkelheit hüllte. Seit einigen Tagen gerät die von der Sonne beschienene Hälfte von Ceres wieder ins Blickfeld der Sonde, die aktuellesten Fotos von Mitte April erlauben einen ersten Blick auf den Nordpol des Zwergplaneten.

Interessante Ausblicke auf den mit knapp 1.000 Kilometern Durchmesser größten Körper im Asteroidengürtel gab es bereits während der Annährungsphase. Dabei offenbarten sich auf der Oberfläche unter anderem einige helle Flecken, deren Ursache für die Astronomen immer noch ein Mysterium darstellt. Nun hat "Dawn" neue Bilder mit senkrechtem Blick auf den Nordpol geschickt. Darauf sind erneut deutlich zwei der ungewöhnlichen Flecken zu erkennen, die sich klar von ihrer dunkleren Umgebung abheben. Beide befinden sich in einem rund 92 Kilometer breiten Krater.

Spannendes, einzigartiges Phänomen

"Seit wir diese ausgesprochen hellen Flecken beobachten, haben sie sich nicht verändert", sagt Ralf Jaumann, Planetenforscher am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Mitglied im Kamerateam der Dawn-Mission. "Ein spannendes Phänomen, das uns sicherlich noch überraschen wird."

Ähnliche Phänomene wurden bisher auf keinem anderen Körper des Sonnensystems beobachtet. "Ihre Herkunft ist ein Rätsel, bisher können wir über ihre Struktur oder Zusammensetzung noch nichts sagen", so Jaumann. "Eigentlich sind es zurzeit noch eher helle Punkte, die kleiner als vier Kilometer sein müssen." Noch ist die Raumsonde zu weit entfernt, um ihre Form aufzulösen. Die Bilder wurden am 15. April aus einer Entfernung von 22.000 Kilometern aufgenommen.

Bis zum 23. April wird "Dawn" seine Umlaufbahn auf eine Höhe von 13.500 Kilometern absenken. "Dann beginnt die erste wissenschaftliche Phase, und wir werden bereits Aufnahmen mit ein bis zwei Kilometern Auflösung pro Pixel erhalten", sagt Jaumann. "Vielleicht lässt sich dann schon Genaueres zu den ungewöhnlichen weißen Flecken auf Ceres sagen." Im Juni wird sich "Dawn" dem Zwergplaneten so weit genähert haben, dass Aufnahmen von sogar etwa 400 Metern pro Pixel möglich werden.

Wasser, Eis und Dampf

Ceres hält auch noch einige andere spannende Fragen für die Wissenschafter bereits. So soll geklärt werden, ob sich unter der tiefgrauen Oberfläche eine Schicht aus gefrorenem Wasser befindet. Untersuchungen der Gesamtdichte des Zwergplaneten beflügeln die Forschung seit Jahren. Denn der etwa 950 Kilometer große Brocken entpuppte sich als deutlich weniger dicht als etwa die steinigen Planeten des inneren Sonnensystems. Unterirdisches Wasser – egal ob gefroren oder flüssig – könnte zu solchen Messwerten führen.

Anfang 2014 beobachtete das Weltraumobservatorium "Herschel" zeitweise Wasser in der Umgebung des Zwergplaneten. Ob es von Ceres‘ Oberfläche ins All verdampft ist oder sogar als Zeichen von Kryovulkanismus zu werten ist, bleibt noch zu klären. Aufgrund dieser früheren Beobachtungen sehen viele Forscher in Ceres ein Bindeglied zwischen den steinigen Körpern des inneren Sonnensystems und den wasserreichen Zwergplaneten und Monden weiter außen. Ceres könnte helfen zu verstehen, wie es bei der Geburt des Planetensystems vor 4,5 Milliarden Jahren zu dieser Zweiteilung kam – und wo genau die Grenze zwischen beiden Regionen verläuft. (red, derStandard.at, 21.4.2015)

  • Die ersten Bilder nach der etwa fünfwöchigen Annäherungsphase, in der die Sonde "Dawn" nur die dunkle Seite von Ceres sehen konnte, zeigen den Nordpol des Zwergplaneten.
    foto: nasa/jpl-caltech/ucla/mps/dlr/ida

    Die ersten Bilder nach der etwa fünfwöchigen Annäherungsphase, in der die Sonde "Dawn" nur die dunkle Seite von Ceres sehen konnte, zeigen den Nordpol des Zwergplaneten.

  • Die zur Animation kombinierten Aufnahmen zeigen einen neuen Blick auf die rätselhaften weißen Flecken.
    foto: nasa/jpl-caltech/ucla/mps/dlr/ida

    Die zur Animation kombinierten Aufnahmen zeigen einen neuen Blick auf die rätselhaften weißen Flecken.

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