Die Flüchtlingstragödie als Thema der "ZiB 2": "Nur in sichere Länder"

21. April 2015, 17:45
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Das wohlhabende Europa verfolge eine Politik der "Abschreckung und Abschottung", sagt Elias Bierdel von Borderline Europe

Die ORF berichtete in der "ZiB 2" ausführlich über die Flüchtlingskatastrophe. Während tausende Menschen im Mittelmeer einen grausamen und sinnlosen Tod sterben, wurde man auf europäischer Ebene Zeuge einer atemlosen Krisendiplomatie. Diese entfaltet die EU sonst nur dann, wenn die Währung in Gefahr ist, oder der griechische Finanzminister mit dunkel glänzenden Augen um Zahlungsaufschub bittet.

Es blieb somit Elias Bierdel von Borderline Europe vorbehalten, den Sepia-Nebel, den die EU-Minister ausstoßen, mit klaren Worten aufzulösen. Das wohlhabende Europa verfolge eine Politik der "Abschreckung und Abschottung". Das Ergebnis ihres auf diffusen Ängsten beruhenden Missmanagements beläuft sich auf bis jetzt (grob geschätzt) 25.000 Tote.

Hernach bestieg Moderator Armin Wolf die Zeitmaschine. Er interviewte Ministerin Johanna Mikl-Leitner, die in etwa dieselben wohlklingenden Worte fand wie vor eineinhalb Jahren. Den Schleppern in Nordafrika müsse "der Nährboden entzogen" werden. Man dachte bereits an die saftigen Wiesen Libyens, als der Mikl-Leitner'sche Rettungsplan verführerisch Konturen annahm.

Es passiert nicht häufig, dass es Moderator Wolf vor Verblüffung die Rede verschlägt. Die Frau Minister wälzt die Idee von Asylzentren in Nordafrika. Flüchtlinge würden auf hoher See aufgegriffen und zurück in den Süden gebracht. Wolf schluckte und stellte die bange Frage: Zurück in das Bürgerkriegsland Libyen? Mikl-Leitner parierte: "Nur in sichere nordafrikanische Länder!" Es wird die Finanzminister von Tunesien und Marokko gewiss mit Genugtuung erfüllen, für europäische Versäumnisse aufkommen zu dürfen. (Ronald Pohl, DER STANDARD, 22.4.2015)

  • Elias Bierdel, Vorstand der Flüchtlingsorganisation Borderline Europe, beschäftigt sich seit Jahren mit der europäischen "Südgrenze" und wurde in Italien verhaftet, weil er 37 afrikanische Flüchtlinge vor dem Ertrinken gerettet hatte.
    foto: screenshot/orftvthek

    Elias Bierdel, Vorstand der Flüchtlingsorganisation Borderline Europe, beschäftigt sich seit Jahren mit der europäischen "Südgrenze" und wurde in Italien verhaftet, weil er 37 afrikanische Flüchtlinge vor dem Ertrinken gerettet hatte.

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