Real gegen Atlético: Des Gemetzels zweiter Teil

21. April 2015, 15:41
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Das Viertelfinal-Rückspiel der Champions League steht für die Königlichen unter keinem guten Stern. Statistik und Verletztenliste sprechen klar für Atlético

Madrid/Wien - Man muss kein Prophet sein, um ahnen zu können, was sich am Mittwochabend (20.45 Uhr, live Puls 4, Sky und derStandard.at) im Estadio Santiago Bernabeu zu Madrid abspielen wird, wenn sich die Stadtrivalen Real und Atlético zwecks Ermittlung eines Champions-League-Halbfinalisten zum Duell treffen. Schon das Hinspiel des vorweggenommenen Finales am vergangenen Dienstag hatte für jede Menge Zündstoff gesorgt, beim 0:0 im Vicente-Calderón-Stadion flogen die Fetzen, und zwar regelrecht und nicht unbedingt regelkonform.

"Partido bárbaro"

Just Mario Mandzukic, der vor dem Hinspiel bereits twitterte, sich auf eine Schlacht vorzubereiten, führte nach der durch einen Ellenbogencheck im Zweikampf mit Sergio Ramos erlittenen Platzwunde über dem linken Auge seinen persönlichen Rachefeldzug. Nicht zuletzt, weil auch die Attacken von Dani Carvajal die Grenze des Tolerierbaren überschritten, der serbische Schiedsrichter Milorad Masic aber großteils damit beschäftigt war, die Kontrolle über die Hitzköpfe nicht komplett zu verlieren. Atlético-Trainer Diego Simeone sprach danach von einem "partido bárbaro" des ehemaligen Bayern-Stürmers, der wie durch ein Wunder nicht vom Platz flog.

Heute heißt es also wieder: Ring frei für die zweite und entscheidende Runde, Ring frei für das nächste Gemetzel. Real steht vor der diffizilen Aufgabe, im achten Saisonvergleich mit dem Lokalrivalen endlich einen Sieg zu feiern, nur dann winkt die Halbfinal-Teilnahme. Erschwerend kommt hinzu, dass Atléticos aggressive und kompakte Spielweise Real so gar nicht schmeckt. Nicht verwunderlich also, dass der Druck in der Neuauflage des vergangenen CL-Endspiels auf den Schultern des Titelverteidigers lastet.

Prominente Ausfälle bei Real

Nicht außer Acht zu lassen ist allerdings die Tatsache, dass die ehemals "Galaktischen" ausgerechnet jetzt von immensen Verletzungssorgen geplagt werden. Gareth Bale und Karim Benzema fallen ebenso verletzt aus wie Luka Modric, dessen Agenden wohl Toni Kroos übernehmen wird. Zudem fehlt Verteidiger Marcelo wegen einer Sperre. Richten soll es wieder einmal Cristiano Ronaldo, er hält wettbewerbsübergreifend bei 50 Saisontreffern.

Lässt CR7 aus, müsste James Rodriguez in die Bresche springen, denn auch die Formkurve des kolumbianischen WM-Torschützenkönigs zeigte nach Mittelfußknochenbruchs klar nach oben. Beim 3:1-Heimsieg am Samstag gegen Malaga war er überragend. "Vor der Verletzung war ich gut in Form, und ich glaube, dass ich auch jetzt wieder auf einem guten Weg bin", sagte der 23-Jährige.

Real-Coach Carlo Ancelotti wird bei der Aufstellung jedenfalls nicht gänzlich umhinkommen, in die Trickkiste zu greifen. "Wir müssen auf unsere Ausfälle reagieren und Lösungen finden", sagte er. "Insbesondere der Verlust von Bale ist eine große Herausforderung für uns."

Atletico mit beeindruckender Defensive

Doch auch die sattelfeste Defensive vor und um den starken Keeper Jan Oblak, der schon im Hinspiel glänzte, wird Ancelotti zu denken geben. Atlético kassierte in den letzten acht CL-Partien nur ein Tor (beim 0:1 im Achtelfinale in Leverkusen) und darf sich deshalb beste Defensive der Champions League nennen lassen. Raul Garcia glaubt dennoch nicht, dass Atlético weniger Druck verspürt. "Es ist das Viertelfinale, und beide Teams wollen weiterkommen. Lissabon ist vergessen, wir leben nicht in der Vergangenheit", so der Mittelfeldspieler in Anspielung auf das verlorene Finale Ende Mai 2014 in Lissabon.

Simeone kann im Gegensatz zu Ancelotti mit Ausnahme des gesperrten Mittelfeldspielers Mario Suarez aus dem Vollen schöpfen und hofft in der Offensive vor allem auf Antoine Griezmann und Mario Mandzukic. Der Franzose (23) und der Kroate (20) haben es in dieser Saison gemeinsam bereits auf 43 Pflichtspieltore gebracht.

Vorteil für Juventus

An seine goldene Vergangenheit kann Dortmund-Bezwinger Juventus Turin anknüpfen. Der italienische Meister hat nach dem 1:0 im Hinspiel gegen Monaco die Trümpfe in der Hand und reiste dank eines verwandelten Elfmeters von Arturo Vidal mit einem 1:0-Vorsprung zum Rückspiel. Juve hat sich in seinen bisher zehn K.-o.-Duellen mit französischen Vereinen stets durchgesetzt. Die Generalprobe verlief mit dem 2:0-Heimsieg am Samstag im Serie-A-Schlager gegen den Tabellenzweiten Lazio Rom, der nun schon 15 Zähler zurückliegt, perfekt.

Nach der nationalen Vorentscheidung können die Turiner, die ihre bisher beiden CL-Auswärtspartien in Malmö und Dortmund gewonnen und in ihren jüngsten neun Pflichtspielen nur ein Tor zugelassen haben, erstmals seit 2003 auch wieder ins CL-Halbfinale einziehen. Dabei müssen sie aber auf Verteidiger Martin Caceres und Mittelfeldspieler Paul Pogba verletzungsbedingt verzichten.

Monaco ist seit dem Finale 2004 nicht mehr in die Runde der letzten vier eingezogen und schwächelte zuletzt zu Hause, seit vier Pflichtspielen ist das Team von Trainer Leonardo Jardim dort sieglos. Mit dem 1:1 am Samstag gegen Rennes mussten die Monegassen auch ihre nationalen Titelambitionen ad acta legen. Der Rückstand auf Paris St. Germain und Olympique Lyon beträgt fünf Runden vor Schluss sechs Punkte, wobei die Pariser auch noch ein Nachtragsspiel vor sich haben. (honz, sid, APA, 21.4.2015)

Voraussichtliche Aufstellungen

  • Real Madrid - Atlético Madrid

Real: Casillas - Carvajal, Pepe, Sergio Ramos, Coentrao - James, Khedira, Kroos, Isco - Ronaldo, Hernandez. - Trainer: Ancelotti

Atletico: Oblak - Juanfran, Miranda, Godin, Siqueira - Gabi - Raul Garcia, Koke, Arda Turan - Griezmann, Mandzukic. - Trainer: Simeone

Schiedsrichter: Brych (Deutschland)

  • AS Monaco - Juventus Turin

Monaco: Subasic - Raggi, Ricardo Carvalho, Abdennour, Kurzawa - Fabinho, Kondogbia - Dirar, Joao Moutinho, Ferreira-Carrasco - Berbatow. - Trainer: Leonardo Jardim

Turin: Buffon - Barzagli, Bonucci, Chiellini - Lichtsteiner, Vidal, Pirlo, Marchisio, Evra - Morata, Tevez. - Trainer: Allegri

Schiedsrichter: Collum (Schottland)

  • Einer von Carlo Ancelottis Hoffnungsträgern für das Rückspiel gegen Atlético: Toni Kroos.
    foto: epa/chema moya

    Einer von Carlo Ancelottis Hoffnungsträgern für das Rückspiel gegen Atlético: Toni Kroos.

  • Eine Szene aus dem Hinspiel verdeutlicht das teils bizarre Gedränge um die Frucht.
    foto: epa/juanjo martin

    Eine Szene aus dem Hinspiel verdeutlicht das teils bizarre Gedränge um die Frucht.

  • Gut Ding will entsprechend vorbereitet sein. Hose rauf und ab geht die Post: Cristiano CR7 Ronaldo.
    foto: reuters/andrea comas

    Gut Ding will entsprechend vorbereitet sein. Hose rauf und ab geht die Post: Cristiano CR7 Ronaldo.

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