Cannes: Peter Tscherkassky in "Quinzaine"-Schiene

21. April 2015, 13:51
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Mit 19-minütigem Experimentalfilm "The Exquisite Corpus" über analogen Film mit Ablaufdatum

Cannes - Nach der Aufnahme von Patrick Vollraths Kurzfilm "Alles wird gut" in die "Semaine de la Critique" darf man sich über einen weiteren österreichischen Beitrag bei den 68. Filmfestspielen von Cannes freuen: Peter Tscherkassky wird "The Exquisite Corpus" in der Reihe "Quinzaine des Realisateurs" zeigen und damit zum dritten Mal eine Uraufführung in Cannes feiern, wie der Sixpackfilm-Verleih mitteilte.

Bereits 2002 war der österreichische Experimentalfilmemacher mit seiner CinemaScope-Trilogie ("L'Arrivee", "Outer Space", "Dream Work") in der unabhängigen Nebenschiene vertreten, 2005 erneut mit seinem Film "Instructions for a Light and Sound Machine". Bei den Filmfestspielen von Venedig erhielt er 2010 für "Coming Attractions" den Preis für den besten Kurzfilm.

Langsamer Tod des analogen Films

Tscherkasskys neue, auf 35 mm aufgenommene 19-minütige Arbeit hat den langsamen Tod des analogen Films zum Thema. So spiele der Titel auf den "cadavre exquis" der Surrealisten an - "den 'exquisiten Leichnam', den der analoge Film heutzutage darstellt: ein köstlicher Körper, allerdings versehen mit einem Ablaufdatum", so der Filmemacher am Dienstag in einer Aussendung. "Noch ist dieses Datum nicht genau erkennbar, aber es scheint absehbar."

Zog der 56-jährige Wiener bisher meist eine einzige Found-Footage-Quelle für seine Filme heran, dienten ihm bei "The Exquisite Corpus" Filme unterschiedlichster Genres als Ausgangsmaterial: "Komödie, Gruselfilm, Thriller, Historienfilm, Werbespot, vor allem aber Filme erotischer Natur". Die Grundhaltung letzterer, "den menschlichen Körper unverhüllt zu präsentieren", mache er sich zunutze, "um den Körper des Filmstreifens zum Thema zu machen".

"Quinzaine"-Schiene für unkonventionelle Filme

In der "Quinzaine des Realisateurs", die erstmals 1969 von der Vereinigung französischer Filmregisseure veranstaltet wurde, sollen neue Talente entdeckt und unkonventionelle Filme präsentiert werden. So waren zuvor Michael Haneke, Martin Scorsese, Sofia Coppola und 2011 Karl Markovics mit seinem Regiedebüt "Atmen" in der Reihe vertreten. 19 Lang- und elf Kurzfilme wurden heuer unter der Ägide des künstlerischen Leiters Edouard Waintrop ausgewählt. Tscherkassky steht in der 47. Ausgabe neben nicht minder großen Namen wie Takashi Miike, Miguel Gomes, Philippe Garrel und Arnaud Desplechin.

Garrels Film "L'ombre des femmes" über eine Dreiecksbeziehung wird die Reihe eröffnen, das beim Sundance Filmfestival gefeierte Coming-of-Age-Drama "Dope" des US-Regisseurs Rick Famuyiwa die "Quinzaine" am 24. Mai beschließen. Sein Landsmann Jeremy Saulnier, der 2013 für seinen Film "Blue Ruin" in der Reihe den FIPRESCI-Preis erhielt, kehrt mit seinem neuen Film "Green Room" zurück. Als Highlights gelten schon jetzt Gomes' mehr als sechs Stunden umfassende Trilogie "Arabian Nights" sowie der neueste Film des Franzosen Arnaud Desplechin, "My Golden Years". Beide hatten es nicht in den Wettbewerb geschafft und die Aufnahme in die offizielle Nebenreihe "Un certain regard" laut Medienberichten abgelehnt. (APA, 21.4.2015)

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