Saisonstart für Kletterer: Empfehlungen des Alpenvereins

29. April 2015, 12:59
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Der Österreichische Alpenverein (ÖAV) gibt Empfehlungen und Tipps für einen guten Start in die Berge

Die Skitourensaison neigt sich dem Ende zu. Wanderwege, Klettersteige und Felswände rücken wieder stärker in das Bewusstsein der Freizeitsportler. Höchste Zeit also, das Material einem Sicherheits-Check zu unterziehen, das eigene Wissen aufzufrischen und sich gut auf das neue Freizeitprogramm vorzubereiten. Der Österreichische Alpenverein (ÖAV) gibt den Bergfreunden Tipps für einen optimalen Start in die Klettersaison.

Stürze am Klettersteig sind tabu

Klettergurt, Klettersteigset und Helm: Die konsequente und richtige Anwendung der Ausrüstung ist Voraussetzung, um auf Klettersteigen sicher unterwegs zu sein. Doch selbst wenn das Klettersteigset stets zur Sicherung in das Drahtseil eingehängt wird, sind Stürze auf den Eisenwegen tabu. Zu leicht kann man sich an den Drahtseilen, Leitern und Stahlbügeln verletzen. Deshalb besser einen leichteren Steig wählen, bevor es zu Schwierigkeiten kommt.

foto: österreichischer alpenverein

Unbedingt Material überprüfen Der Materialcheck ist heuer für Klettersteiggeher besonders wichtig, sagt Bergsportexperte Michael Larcher vom Alpenverein: "Mehr als 50 Klettersteigsets (von insgesamt zehn Herstellern) wurden zuletzt aufgrund von Sicherheitsrisiken vom Markt genommen. Klettersteigfans sollten also unbedingt überprüfen, ob ihr Set auch von dieser Rückrufwelle betroffen ist". Eine Übersicht über die betroffenen Klettersteigsets gibt es auf http://bit.ly/11rU7ge

Sicherheit am Klettersteig - 10 Empfehlungen des Alpenvereins

  1. Sorgfältig planen!
    Planung ist der Schlüssel für sichere und genussvolle Touren. Informiere dich genau über Schwierigkeit und Länge, Zu- und Abstieg, Wetter und Verhältnisse.
  2. Das Ziel den persönlichen Voraussetzungen anpassen!
    Zu hoch gewählte Schwierigkeiten mindern das Erlebnis und können zu gefährlichen Situationen führen.
  3. Vollständige, normgerechte Ausrüstung verwenden! Klettergurt, Klettersteigset und Helm: Nur die konsequente und richtige Anwendung der Ausrüstung ermöglicht eine sichere Begehung von Klettersteigen. Für den Notfall sind Erste-Hilfe-Paket und Mobiltelefon (Euro-Notruf 112) dabei.
  4. Bei Gewittergefahr nicht einsteigen!
    Blitzschlag bedeutet Lebensgefahr. Regen, Nässe und Kälte erhöhen das Sturzrisiko.
  5. Drahtseil und Verankerungen kritisch prüfen!
    Steinschlag, Schneedruck, Frostsprengung oder Korrosion können Schäden an der Steiganlage verursachen. Nicht in gesperrte Klettersteige einsteigen.
  6. Partnercheck am Einstieg!
    Kontrolliert gegenseitig: Gurtverschluss, Verbindung Klettersteigset mit Klettergurt, Helm.
  7. Ausreichende Abstände einhalten!
    Zwischen zwei Fixpunkten darf nur eine Person unterwegs sein.
  8. Klare Absprache beim Überholen!
    Kommunikation und Rücksichtnahme verhindern gefährliche Situationen bei Überholmanövern oder Gegenverkehr.
  9. Achtung Steinschlag!
    Achtsames Steigen verhindert Steinschlag.
  10. Natur und Umwelt respektieren!
    Mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder in Fahrgemeinschaften anreisen. Müll und Lärm vermeiden.
foto: österreichischer alpenverein

Wer bisher in der Kletterhalle unterwegs war, den zieht es mit den steigenden Temperaturen zunehmend hinaus an den Fels. "Es ist klar, dass Fels im Vergleich zu künstlichen Kletterwänden kein genormtes Trainingsgerät ist und dass jedes Klettergebiet seine Eigenheiten hat", sagt Markus Schwaiger, Sportkletterexperte im Alpenverein. Die unterschiedliche Absicherung und Felsqualität seien daher Faktoren, die in der Outdoor-Saison zusätzlich berücksichtigt werden müssen. Angesichts der immer länger werdenden Kletterrouten solle man auch besonderes Augenmerk auf ein ausreichend langes Kletterseil legen. Seile mit einer Länge von 70, zum Teil sogar 80 Metern seien mittlerweile Standard in den Klettergärten. "Ebenfalls Standard: Ein Knoten am Seilende. Er kann verhindern, dass das Seil durch das Sicherungsgerät rutscht", erklärt Schwaiger.

Kletterkurs empfehlenswert

Sichern – mit welchem Gerät? Mit dem Sicherungsgerät "Tuber" ist es beim Sportklettern vermehrt zu Unfällen gekommen. Der Alpenverein empfiehlt daher zum Partnersichern in Hallen und Klettergärten die Verwendung von halbautomatischen Sicherungsgeräten, die das Seil bei einem Sturz zusätzlich blockieren (richtige Bedienung vorausgesetzt). Vor allem das GriGri 2 (Petzl), aber auch Smart, ClickUp und Mega Jul sind in diesem Anwendungsbereich eine sicherere Alternative zum Tuber. Die richtige Seil- und Sicherungstechnik erlernt man am besten in einem Kletterkurs des Alpenvereins.

Die Alpenverein-Kletterregeln

  1. Partnercheck vor jedem Start!
    Kontrolliert gegenseitig: Gurtverschlüsse, Anseilknoten, Anseilpunkt, Karabinerverschluss, Sicherungsgerät und ob das Seilende abgeknotet ist.
  2. Volle Aufmerksamkeit beim Sichern!
    Sichern ist Präzisionsarbeit! Die gesamte Aufmerksamkeit gehört dem Kletterer und der Partnersicherung. Kein Schlappseil! Richtigen Standort wählen.
  3. Sicherungsgerät richtig bedienen!
    Mache dich mit deinem Sicherungsgerät vertraut und beachte das "Bremshandprinzip": eine Hand umschließt immer das Bremsseil.
  4. Klare Kommunikation!
    Kommunikationsregeln vor Kletterbeginn vereinbaren. Informiere deinen Partner, bevor du dich ins Seil hängst.
  5. Zwischensicherungen richtig einhängen!
    Alle Zwischensicherungen aus möglichst stabiler Position - nicht überstreckt - einhängen. Auf den richtigen Seilverlauf achten.
  6. Kein Toprope an einzelnem Karabiner!
    Die Toprope-Verankerung muss aus zwei unabhängigen Sicherungspunkten bestehen. Das Seil muss in mindestens zwei Karabiner eingehängt sein.
  7. Sturzraum freihalten!
    Nicht übereinander klettern! Am Boden und an der Wand auf freien Sturzraum achten. Achtung bei Pendelstürzen.
  8. Vorsicht beim Ablassen & Abseilen!
    Nie Seil auf Seil - Ablassen nur über Umlenkungen aus Metall! Partner langsam und gleichmäßig ablassen. Beim Abseilen die Seilenden verknoten und eine Absturzsicherung (Kurzprusik) verwenden.
  9. Schütze Kopf & Körper
    Ein Helm schützt dich vor Kopfverletzungen bei Stürzen und Steinschlag! Bei alpinen Klettertouren ist der Helm Standard. Aufwärmen vor dem Klettern schützt deine Gelenke, Sehnen und Muskeln.
  10. Sicher bouldern!
    Achte auf einen sicheren Absprungbereich. Aktives Spotten und ein Crashpad können Verletzungen verhindern.

Linktipps:

www.alpenverein.at: Homepage des Österreichischen Alpenvereins www.alpenverein-akademie.at: Ausbildungsangebot des Alpenvereins www.risk-fun.com: Ausbildungsprogramm der Alpenvereinsjugend für Kletterer und Freeriderwww.alpenverein.at/portal/der-verein/sektionen: Touren und Kurse in den Alpenvereinssektionen vor Ort www.alpenvereinshuetten.at: Übersicht über die Alpenvereinshütten inkl. Angabe der Saisonöffnungszeiten www.alpenvereinaktiv.com: Tourenportal der Alpenvereine in Österreich, Deutschland und Südtirol

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