Steirischer Stronach-Spitzenkandidat Auer ohne sein Wissen ausgetauscht

21. April 2015, 13:07
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"Skurrile" Rochade per Presseaussendung - Auer will Vizeparteichef bleiben

Während Frank Stronach Dienstagfrüh in Kanada wohl noch seine Nachtruhe genoss, hat in Österreich sein Bundesgeschäftsführer Ronald Bauer die Partei auf den Kopf gestellt. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde der steirische Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Wolfgang Auer, abserviert und durch den ehemaligen ÖVP-Bauernbündler Josef Kaltenegger ersetzt. In einer diesbezüglichen Aussendung wurde Auer mit keinem Wort mehr erwähnt, Stronach aber mit den Worten zitiert: "Ich bin stolz auf Josef Kaltenegger."

Bauer kündigte an, dass es auch Änderungen an der Parteispitze geben werde. Auer soll nach weniger als drei Monaten im Amt wohl auch als Stronachs Stellvertreter als Parteichef abmoniert werden. Der aus allen Wolken gefallene Wolfgang Auer rang um Worte: "Ein absurdes Theater, einfach skurril das Ganze", sagte Auer im Standard-Gespräch.

Kritik im Vorfeld

Für den Bundesgeschäftsführer war der Parteivizechef wohl zu weit gegangen. Auer hatte kritisiert, das Team Stronach benötige dringend demokratische Strukturen, die Zeit monokratisch geführter Parteien sei vorbei. Stronach möge sich auf die Position als Parteigründer und Mäzen zurückziehen. Auer attackierte auch Bauer, dieser kümmere sich zu wenig um die Parteiorganisation. Daraufhin wurden die Messer gewetzt.

"Ich bin aber unschuldig", sagt Parteianwalt Michael Krüger im STANDARD-Gespräch, "ich bin da überhaupt nicht involviert." Krüger gilt aber als "graue Eminenz" der Partei. Krüger: "Eines muss man schon sagen: Auer hat sich massivst negativ geäußert. Und den Bundesgeschäftsführer öffentlich attackiert. So kann's auch nicht gehen." Anfang Mai soll Auer als Vizeparteichef in einer Mitgliederversammlung unter Beisein von Stronach abgewählt werden. Er selbst denkt nicht daran, freiwillig zu weichen.

Dem Team Stronach stehen weitere turbulente Zeiten bevor. (Walter Müller, DER STANDARD, 22.4.2015)

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