Post baut Geschäft am Bosporus aus

21. April 2015, 17:25
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Gelbe Post will größeres Paket an Expressdienst in Türkei

Wien – E-Commerce und Onlinehandel verschaffen der Post zwar satte Zugewinne im Paketgeschäft. Auf Expansion im Ausland kann der teilstaatliche gelbe Riese trotzdem nicht verzichten. Über eine entsprechende Kaufoption verfügt die Österreichische Post AG bereits, sie will ihren Anteil beim türkischen Paket-Express-Dienst Aras Kargo 2016 von 25 auf 75 Prozent aufstocken, kündigte Post-Chef Georg Pölzl am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten an.

Potenzial in der Türkei

Das Geld käme, um im Postjargon zu bleiben, aus der Portokassa. Die angestrebten weiteren 50 Prozent wären sicher teurer als die im Vorjahr um rund 50 Millionen Euro erworbenen 25 Prozent, räumte Pölzl ein, der in etwa den Cashflow eines Jahres, also hundert bis 150 Millionen Euro lockermachen würde. Die Investition wäre jedenfalls eine zukunftsträchtige. Denn der im Familienbesitz stehende Paketdienst – die Tochter leitet Aras Kargo – sei als Nummer zwei am Bosporus profitabel und habe mit rund hundert Millionen Sendungen pro Jahr enormes Potenzial. Wachstum ist demnach programmiert, der türkische Paketmarkt mache gerade einmal ein Drittel des österreichischen aus, der seinerseits nur 60 Prozent des deutschen ausmache.

Je nach Wechselkurs erwirtschaftet Aras zwischen 270 und 280 Millionen Euro. Über Aras werden rund 100 Millionen Pakete und Dokumente verschickt. Im Vergleich zu Österreich liegen die Paketausgaben in der Türkei pro Kopf nur bei einem Drittel.

Das deutsche Sorgenkind Transoflex vor Augen, das zwar kein Verlustbringer mehr sei, aber nicht jene Zahlen bringt, die sich Pölzls Vorgänger beim Kauf vor acht Jahren erträumt hatten, steht der Post-Chef bei Zukäufen in Ost- und Südosteuropa auf der Bremse. Die auf temperaturgeführte Pharmatransporte spezialisierte Transoflex will Pölzl nicht abstoßen. Aber der nach massiven Abschreibungen (nach 27 Mio. Euro im Jahr 2013 wurde der Wert 2014 um 38 Mio. Euro gekürzt) noch mit knapp 50 Mio. Euro in den Post-Büchern stehende Ableger soll einen Partner bekommen. (ung, DER STANDARD, 22.4.2015)

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