Künstler sammeln 282.000 Facebook-Kommentare von Pegida-Fans

21. April 2015, 12:05
309 Postings

Projekt "Glaube Liebe Hoffnung" will zeigen, was die "schweigende Menschenmasse" denkt

Während der österreichische Ableger der sogenannten "Pegida"-Bewegung bei zwei Veranstaltung nur geringen Zulauf hatte, nahmen in Dresden, dem Ursprungsort der Initiative, bis zu 25.000 Menschen an "Spaziergängen" der Organisation teil. Bis heute schwebt allerdings ein Fragezeichen über den tatsächlichen Motiven einer Vielzahl von Teilnehmern. Während die deutsche Pegida-Führungsriege durch rechtsextreme Äußerungen auffiel und sich zerstritt, stellt sich eine Vielzahl der Teilnehmer als "einfachen Volkes" vor, das jedoch nicht mit der "Lügenpresse" sprechen möchte.

"Echtes Abbild"

Zwei deutsche Künstler namens Gregor Weichbrodt und Hannes Bajohr wollen die Lebenswelt der Pegida-Unterstützer nun mittels Facebook aufdecken. Sie haben ein Programm geschrieben, das automatisch Kommentare der Pegida-Fans sammelt. Insgesamt 282.596 Postings wurden gesammelt, daraus entstand das Kunstprojekt "Glaube Liebe Hoffnung". Im Interview mit dem Spiegel geben die Künstler an, so ein "echtes Abbild" der Pegida-Bewegung liefern zu können. Sie fanden "erschreckende Hasskommentare" und befürchten, dass die "schweigende Menschenmasse", unter der sich auch der Nachbar befinden könnte, tatsächlich so denkt.

Kommentare aussortiert

Da sich Pegida auf die "christliche Kultur des Abendlandes" beruft, nahmen die zwei Künstler ein Bibelzitat zum Ausgangspunkt. Im ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther heißt es: "Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber Liebe ist die größte unter ihnen." Die zwei deutschen Initiatoren des Projekts sortierten nun alle Kommentare der Pegida-Anhänger aus, die mit "Ich glaube", "Ich liebe" und "Ich hoffe" begannen. Eine Auswahl:

Glaube

  • Ich glaube,alles was von links kommt,ist ein Fake.
  • Ich glaube auch nicht, dass es was mit dem Islam zu tun hat, die rufen 10 doch Allah in Abfall, oder?
  • Ich glaube da dürften wir eine Menge Wörter nicht mehr nutzen, bloß weil es mal irgendwann missbraucht wurde.
  • Ich glaube das ein Bürgerkrieg nicht weit weg ist.
  • Ich glaube, dass genau diese Meinung Einzelner, vielleicht sogar bezahlter PEGIDA-Gegner, nicht hierher gehören.

Liebe

  • Ich liebe Deutschland, genau so wie 95% der Wurzeldeutschen!
  • Ich liebe deutschland wir können zusammen sehr gut leben wen ihr langsam aufwacht
  • Ich liebe die freie Art wir wir in Europa leben und genau darum kämpfe ich und laufe mit der PEGIDA - da die Werte immer mehr den Abgrund runter gehen in einem grün / kommunistischen Einheitsbrei den ich verabscheue.
  • Ich liebe Xavier usw......also bitte, ein Nazi ist was anderes.
  • Ich liebe es, wenn sich die Leute Informationen beschaffen, anstatt pauschal nach Bauchgefühl zu Urteilen.
  • Ich liebe mein Land und möchte das es sich nicht negativ verändert , ich habe nichts gegen Ausländer im allgemeinen , ich hatte ja auch schon Freundinnen aus 5 verschieden ländern.

Hoffnung

  • Ich hoffe dann das die alle als Sklaven gehalten werden mit Kopftuch und ohne Rechte und in Angst dahin vegetierend.
  • Ich hoffe das 2015 Millionen Menschen überall in Deutschland auf die Straßen gehen und endlich Volksabstimmungen durchsetzten.
  • Ich hoffe das alle Pegida Anhänger diese Parteien nicht mehr wählen die zerstören unser ganzes Deutschland und spaltet das Deutsche Volk
  • Ich hoffe ,das du bald einem Anschlag deiner Islamistischen Freunde erliegst !!!
  • Ich hoffe das nimmt mir jetzt keiner übel das sind einfach meine ganz persönlichen Gedanken.

Auf ihrer Website haben die Künstler, die unter dem Namen 0x0a auftreten, übrigens auch sämtliche andere Kommentare anonymisiert zur Verfügung gestellt. (fsc, 21.4.2015)

  • Pegida-Anhänger äußern sich nur selten gegenüber Pressevertretern. Zwei Künstler wollen ihre Gedankenwelt nun mittels Facebook-Postings ergründen.
    foto: reuters/bensch

    Pegida-Anhänger äußern sich nur selten gegenüber Pressevertretern. Zwei Künstler wollen ihre Gedankenwelt nun mittels Facebook-Postings ergründen.

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