Polizei unter Verdacht: Baltimore will Tod eines Schwarzen untersuchen

21. April 2015, 06:32
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Mehrere Beamte nach Vorfall in US-Großstadt suspendiert, 25-Jährigem wurden nach Festnahme drei Wirbel gebrochen

Baltimore (Maryland) - Nach dem Tod eines jungen Schwarzen in der US-Großstadt Baltimore nach seiner Festnahme durch die Polizei haben die Behörden erste Konsequenzen gezogen. Sechs Polizeibeamte seien suspendiert worden, berichtete der örtliche Fernsehsender WBAL am Montag (Ortszeit). Baltimores Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake hatte zuvor eine umfangreiche Untersuchung des Falls zugesagt.

Der 25-jährige Freddie Gray war gut eine Woche nach seiner Festnahme an Rückenmarksverletzungen gestorben. Vize-Polizeichef Jerry Rodriguez bestätigte die Suspendierung mehrerer Beamter. Gray war am 12. April festgenommen worden. Laut einem Polizeibericht geschah dies ohne Gewaltanwendung. Ihm sei der Besitz eines Springmessers zur Last gelegt worden. Die Polizei kündigte an, bis Freitag solle eine unabhängige Ermittlungskommission einen Bericht zu dem Fall vorlegen.

Drei Wirbel gebrochen

Der Anwalt von Grays Familie hatte zuvor gesagt, der 25-Jährige habe keine Straftat begangen. Es habe "keine Begründung" für seine Festnahme gegeben, "außer dass er ein rennender schwarzer Mann war", sagte der Anwalt William Murphy Jr. Gray wurden demnach bei seiner Festnahme drei Wirbel gebrochen, zudem sei das Rückenmark im Nackenbereich zu 80 Prozent durchtrennt worden. Dem jungen Mann sei praktisch das Genick gebrochen worden, sagte der Anwalt.

Die Polizei bestätigte, dass eine Rückenmarksverletzung zu Grays Tod geführt habe. Seine Gliedmaßen seien nicht gebrochen gewesen.

Vor Schmerzen geschrien

Auf einem Video der Festnahme ist zu sehen, wie die Polizei Gray auf einem Gehweg festhält, bevor sie den vor Schmerz schreienden jungen Mann zu einem Polizeibus schleift. Laut der Zeitung "Baltimore Sun" war Gray im Bus noch bei Bewusstsein.

Vize-Polizeichef Rodriguez teilte mit, Gray habe nach seiner Festnahme nach seinem Inhalator verlangt. Während er in einem Polizeibus habe warten müssen, sei er in Wut geraten. Laut einem von der Polizei rekonstruierten Ablauf wurden die Sanitäter erst 42 Minuten, nachdem Gray nach seinem Inhalator verlangt hatte, gerufen. Die Polizei bestätigte überdies, dass Gray medizinische Hilfe gefordert habe. Ein Zeitpunkt wurde aber nicht mitgeteilt.

Anwalt Murphy warf der Polizei in der "Baltimore Sun" einen Vertuschungsversuch vor. Sie halte die Todesumstände von Gray so lange geheim, "bis sie eine Version der Ereignisse entwickelt haben, die sie von jeder Verantwortung freispricht".

Unabhängige Überprüfung in Vorbereitung

Rund hundert Menschen kamen am Sonntag vor einer Polizeiwache in Baltimore zu einer spontanen Protestkundgebung zusammen und verlangten mehr Informationen über den Vorfall. Bürgermeisterin Rawlings-Blake sagte dem Nachrichtensender CNN, die Bürger sollten erfahren, was genau passiert sei. Die Stadtverwaltung bereite daher eine unabhängige Überprüfung der Untersuchung vor.

Gray ist das jüngste Opfer in einer Serie von Fällen tödlicher Polizeigewalt gegen unbewaffnete Schwarze. Erst Anfang April wurde in der Stadt North Charleston ein Polizist wegen Mordes angeklagt, weil er nach einer Verkehrskontrolle einem fliehenden Afroamerikaner in den Rücken schoss. Vor einer Woche wurde zudem bekannt, dass in Oklahoma ein 72-jähriger Hilfssheriff einen Schwarzen erschoss, obwohl dieser unbewaffnet war.

Bereits zuvor hatte eine Reihe von tödlichen Schüssen auf Schwarze eine Debatte über Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst. Im August war in der Kleinstadt Ferguson im Bundesstaat Missouri der unbewaffnete schwarze Jugendliche Michael Brown von einem weißen Polizisten getötet worden. Wegen mangelnder Beweise wurde der Beamte aber nicht angeklagt. Die Vorgänge führten in Ferguson und anderen Städten zu teils gewaltsamen Protesten. (APA/AFP, 21.4.2015)

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