Anadi-Eigner wollen Hypo-Einstieg versüßt haben

21. April 2015, 05:30
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Die indischen Eigentümer der Anadi Bank verhandeln ihren Einstieg in die Hypo Österreich nach. Grund: die Haftung für die Pfandbriefstelle

Wien - Die (relativ) neuen Eigentümer der früheren Hypo Bank Österreich (HBA; nunmehr Austrian Anadi Bank) haben sich ihren Einstieg in Österreich anders vorgestellt. Mit dem Schlagendwerden der Haftungen für die Pfandbriefstelle haben sie nicht gerechnet; nun müssen sie 77,5 Millionen Euro beisteuern. Das wollen die indischen Eigentümer rund um Sanjeev Kanoria nicht so ohne weiteres hinnehmen, sie haben daher eine Wiener Anwaltskanzlei damit beauftragt, rechtliche Schritte gegen den Verkäufer der HBA bzw. die Republik zu prüfen.

Preisreduktion

Ihr Ziel: Sie wollen weniger zahlen. Gespräche mit Verantwortlichen der Heta und Finanzministerium gibt es bereits. Erst vorigen Donnerstag und Freitag waren die indischen Eigentümer zu Verhandlungen in Österreich.

Erworben hat die Anadi Financial Holdings Pte. Ltd. aus Singapur die Klagenfurter Bank im Jahr 2013, und zwar von der Hypo Alpe Adria International, also der heutigen Heta, die dem österreichischen Staat gehört. Der Kaufpreis für die Kärntner Bank betrug 65,5 Mio. Euro - davon sind bisher aber nur rund 48 Mio. Euro geflossen. 17 Mio. Euro wurde laut Kaufvertrag auf einem Treuhandkonto geparkt; dieses Geld wird wie berichtet nur fällig, wenn bis 19. September 2017 bestimmte Bedingungen eintreten, bzw. nicht eintreten. Auf diese Vertragsklauseln berufen sich die Inder nun, bestätigen mit der Sache vertraute Banker.

Die Inder seien "sauer, sie loten aus, wie sie ihre Interessen schützen können", sagt ein Involvierter. Sie hätten bei den Vertragsverhandlungen nach Gesprächen mit dem damaligen Finanzminister den Eindruck gewonnen, dass die Haftungen nicht schlagend werden, bzw. die "Dimension des Problems" nicht ermessen. Kanoria, Vizechef des Anadi-Aufsichtsrats, versuche nun, das Ruder herumzureißen, und er sei bei solchen Dingen "sehr kämpferisch".

Ans Aussteigen dächten die Inder aber nicht, sei der Kauf doch erst Ende 2013 perfekt gemacht worden. "Anadi" ist übrigens Hindi und heißt "ewig" . Die kaufmännischen Überlegungen der Inder beim Einstieg in Österreich haben sich angesichts der Zahlung von 77,5 Haftungsmillionen jedenfalls zerschlagen. Die Gruppe hat um (vorerst) rund 50 Mio. Euro eine Bank mit 150 Mio. hartem Eigenkapital und 50 Mio. Euro stillen Reserven gekauft. Nun muss sie aber die 77,5 Mio. verdauen.

Dabei war den Käufern der Kärntner Landesbank die Zugehörigkeit zum Verband der österreichischen Landeshypothekenbanken durchaus ein Anliegen gewesen. Im Aktienkaufvertrag vom 31. Mai 2013 war eine schriftliche Bestätigung dafür verlangt worden, dass die Voraussetzungen für die Mitgliedschaft zum Landeshypoverband gegeben seien. Von Anadi Bank und Heta gibt es zu alledem keine Auskunft.

Stichwort Heta/Hypo: Die Bilanzpolizei (Österreichische Prüfstelle für Rechnungslegung; OePR) hat nach rund einem Dreivierteljahr ihren Bericht zur Heta fertiggestellt. Geprüft wurden der Jahresabschluss 2013 und der Halbjahresabschluss 2014. Laut dreiseitigem (sic) Bericht "hat der Senat fehlerhafte Rechnungslegung festgestellt" - wobei die Beträge für Hypo-Dimensionen eher niedlich sind. Per 31. Dezember 2013 sei die Kreditrisikovorsorge um 8,14 Mio. Euro zu gering ausgewiesen worden, der gleiche Fehler sei am 30. Juni 2014 festgestellt worden, da sei es um 3,75 Mio. Euro gegangen.

Bilanzpolizei fand Fehler

Um viel mehr - nämlich rund 1,16 Milliarden Euro - haben sich die Heta-Bilanzersteller in den Augen der Bilanzpolizei im Halbjahr 2014 vertan. Um diesen Betrag hätten sie die Rückstellungen zu hoch ausgewiesen, heißt es in dem von OePR-Chef Rudolf Jettmar unterschriebenen Schriftstück. Die Begründung: "Die Verluste aus der geplanten Verschwesterung der Südosteuropa-Holding" (sie wurde ausgegliedert und dann verkauft, Anm.) seien zu diesem Zeitpunkt "noch nicht rückstellbar" gewesen, also zu früh erfolgt. Was insofern erstaunt, als die Eröffnungsbilanz der Heta bekanntermaßen einen Abwertungsbedarf bis zu 8,7 Mrd. Euro ergeben hat.

Als Nächstes muss nun der Heta-Vorstand eine Stellungnahme zum Prüfbericht abgeben, danach geht er zur Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA "zur Kenntnisnahme".

Sie und Prüfstelle liegen, wie berichtet, im Kompetenz-Clinch. (Renate Graber, DER STANDARD, 21.4.2015)

  • Den Hypo-Einstieg hat sich Sanjeev Kanoria (li.; mit Anadi-Bankchef Martin Czurda) besser vorgestellt.
    foto: apa/hochmuth

    Den Hypo-Einstieg hat sich Sanjeev Kanoria (li.; mit Anadi-Bankchef Martin Czurda) besser vorgestellt.

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