Wenn Holz auf den Hund kommt

1. Mai 2015, 16:00
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Holz erlebt als Heizmaterial einen zweiten Frühling in der westlichen Welt - zum Missfallen der Papierindustrie

Der Frühling ist mitunter stürmisch und wechselhaft. Kalt-warm gibt es zurzeit auch für die mit Holz wärmende Industrie. Nach Jahren großteils zweistelliger Zuwachsraten musste sich die Branche, die seit gut einem Jahrzehnt einen zweiten Frühling erlebt, 2014 mit einem einstelligen Plus bescheiden.

Und dennoch, den nächsten Sprung nach vorn gebe es gewiss, wenn auch nicht heuer und nicht nächstes Jahr, sind sich Experten einig. Dazu seien die fossilen Konkurrenzenergien Öl und Gas im Moment zu billig. Mittel- bis längerfristig aber sei der Trend "back to the roots" intakt.

Zurück zu den Wurzeln

Convenience heißt das Zauberwort, das den Weg zurück zu den Wurzeln, nämlich zum Holz, geebnet hat. Statt des mühsamen Schleppens von Scheitholz, dem nicht selten das schweißtreibende Spalten desselben vorherging, stellt sich nun die hölzerne Wärme oft ganz automatisch ein. Die Pelletsöfen, von denen hier die Rede ist, lechzen nach Holzsticks, Hundstrümmerln optisch nicht unähnlich.

Es war Jerry Whitfield, ein Flugzeugingenieur aus Seattle, der in den 1980er-Jahren den ersten automatischen Ofen entwickelt hat, der mit Holzpellets aus gepressten Spänen befeuert werden konnte. Aufgrund der weltweiten Ölkrise in den 1970er-Jahren hielten Erfinder schon früher verstärkt nach Alternativen und kostengünstigeren Energiequellen Ausschau. Pellets aus gepressten Sägespänen und anderen Holzresten waren bereits aus industriellen Anlagen ein bekannter Brennstoff, bis zum Whitfield-Prototyp aber nicht für den privaten Gebrauch.

Unter hohem Druck gepresst

In Europa entwickelte sich der Pelletmarkt zunächst in den Ländern, die historisch eng mit dem Rohstoff Holz verknüpft sind, namentlich Schweden und Dänemark. In den meisten Ländern wurden Pellets Anfang der 1990er-Jahre zunächst in Großanlagen eingesetzt und erst nach und nach für den privaten Gebrauch entdeckt. Mitte der 1990er-Jahre fanden auch österreichische Haushalte langsam Gefallen an dem Brennstoff.

Die Holzpresslinge werden in einer Pelletieranlage geformt. Das Material wird unter hohem Druck durch eine Stahlmatrize mit Bohrungen im gewünschten Durchmesser gepresst. Durch den Druck findet eine Erwärmung statt, die das im Holz enthaltene Lignin erhitzt und verflüssigt, sodass es als Bindemittel fungiert.

In Österreich waren im Jahr 2000 etwa 7000 Pelletkessel in Betrieb, 2012 schon mehr als 100.000. Weltweit nahm die Pelletproduktion von 2,5 Millionen Tonnen im Jahr 2002 auf 23 Millionen Tonnen 2012 zu. Zwei Drittel der Pellets werden in Europa hergestellt. Nicht zuletzt das sorgt für immer größeren Unmut seitens der Papierindustrie. Diese fürchtet um den Rohstoff.

Solange sich die Pelletsproduktion in überschaubarem Rahmen hielt, konnte die papiererzeugende Industrie noch damit leben. Weil zeitweilige Engpässe nicht zuletzt auch im Preis des Rohstoffs ihren Niederschlag gefunden haben, wird immer lautstarker gegen die Hundstrümmerln aus Holz gewettert. (Günther Strobl, DER STANDARD, 28.4.2015)

  • Gepresste Sägespäne: Eine kostengünstige Alternative.
    foto: apa

    Gepresste Sägespäne: Eine kostengünstige Alternative.

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