Lieferanten im Test: Wenn der Bote Gemüse bringt

29. April 2015, 14:00
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Auch Städter wollen frische Lebensmittel essen und suchen nach Alternativen zu Supermärkten – Vier Anbieter im Test

Neue Kleidung oder Schuhe bestellt man via Zalando, Technikgeräte zum Beispiel über Amazon. Das Abendessen wird von Restaurants direkt nach Hause geliefert. Längst ist auch die Bestellung von Lebensmitteln im Internet für viele eine praktische und zeitsparende Alternative geworden. Lebensmittelhandelsketten wie der Rewe-Konzern wollen deshalb in Zukunft verstärkt auf Onlinehandel und den Vertrieb via Internet setzen. Die Nachfrage soll laut Prognosen steigen, Experten gehen von einem Marktanteil von bis zu dreißig Prozent aus.

Gleichzeitig steigt nicht nur bei Städtern der Wunsch nach ursprünglichen Produkten, im Idealfall soll es Bioware sein, die zu Hause auf den Tisch kommt. Doch Zeit, auf den Märkten zu bummeln oder zum Direktvermarkter zu fahren, will sich nicht jeder nehmen. So sprießen Foodcoops aus dem Boden. Dabei handelt es sich um in der Nachbarschaft organisierte Einkaufsgemeinschaften, die größere Mengen an Lebensmitteln direkt von den Erzeugern, etwa Biobauern, beziehen. An einem zentralen Sammelpunkt kann die bestellte Ware abgeholt werden.

Doch gibt es für Obst, Gemüse und Bioprodukte auch adäquate Online-Lieferservices? Zumindest tummeln sich immer mehr Anbieter im Netz. Wir haben vier davon getestet. Die Kriterien: der Webauftritt, das Bestell- und Bezahlungssystem, die Liefermodalitäten inklusive Uhrzeit und Flexibilität und die Verpackung bzw. der Frischegrad der Produkte.

Die Anbieter haben zufriedenstellend abgeschnitten, die Ware kam pünktlich, war frisch und die Lieferanten freundlich. Doch es gibt auch Verbesserungspotenzial, wie der folgende Vergleich zeigt.


Biomitter.at

Nicht ganz so bekannt wie das "Bio-Kistl" des Anbieters Adamah ist jenes vom Biohof Mitter aus Breitenfurt. Das Prinzip ist dasselbe: Die Auswahl der Kiste (gewählt werden kann etwa zwischen der Bürokiste, der Jausenkiste, der Mutter-Kind-Kiste oder der Obstkiste; jeweils in verschiedenen Größen) erfolgt via Internet. Dort wird man auch über den Liefertag informiert. Der ist davon abhängig, in welchem Wiener Bezirk bzw. in welcher Region Niederösterreichs man lebt. Der zweite Bezirk ist am Mittwoch dran, Bestellschluss ist bereits am Freitag der Vorwoche. Beim Test stehen die gelieferten Kisten schon frühmorgens beim Holen der Zeitung von der Fußmatte vor der Tür. Praktisch - der Kühlschrank kann gleich befüllt werden. Aber auch wenn der Kunde nicht zu Hause ist, wird die Lieferung an einem geschützten Ort abgestellt. Nicht nur Kisten können bei Bio-Mitter bestellt werden. Im Angebot sind auch Brot, Käse, Kräuter, Milchprodukte und Fleischwaren. Die Zahlung erfolgt via Abbuchung vom Konto. Ein spezieller Service des Biohof Mitter ist, dass den Waren Rezepte beigelegt werden und ebenso Informationen darüber, wie die verschiedenen Produkte am besten gelagert werden.

5 von 5 Punkten

Die Flexibilität ist eingeschränkt. Man kann nur einmal pro Woche bestellen und die Waren nur einmal pro Woche entgegennehmen. Durch das Beilegen der Rezepte, die Infos über den Anbieter und die Aufbewahrungstipps erhält die Lieferung aber einen persönlichen Touch. Man nimmt die eingeschränkten Lieferzeiten gerne in Kauf.


Abhof.Kaufen

Die Website ist übersichtlich gestaltet, man wählt zwischen 16 Produktkategorien (u. a. Gemüse, Obst, Brot, Käse, Fleisch). Der Hersteller wird mittels Foto und Kurzbeschreibung vorgestellt. Vom Milchhof Hochwimmer im oberösterreichischen Rechberg, von dem das bestellte Heidelbeerjoghurt stammt, erfährt man beispielsweise, dass bei ihm 33 Kühe im Stall stehen. Hat man die Produkte ausgewählt, befinden sich diese im elektronischen Warenkorb. Bezahlt wird mit Kreditkarte oder Rechnung, die nach der Lieferung der Waren beglichen wird. Die Firma hat ihren Sitz im Mühlviertel und liefert österreichweit, Vertriebspartner ist DHL. Beim Bestellvorgang gibt man den gewünschten Liefertermin an. Es kann aber zu Verzögerungen kommen, wenn die Ware nicht lagernd ist. Erst am Versandtag wird der Empfänger per SMS oder E-Mail über den Zustelltag informiert. Die Waren sind in einem Karton verpackt, Milchprodukte bleiben in einer Styroporbox frisch. Die Plattform wirbt mit der "Flexzustellung". Sollte man am Liefertermin nicht zu Hause sein, kann man ihn um bis zu drei Tage verzögern. Das funktioniert allerdings nur bedingt: Gekühlte Produkte müssen am selben Tag zugestellt werden.

3 von 5 Punkten

Übersichtliche Einkaufsmöglichkeit, die jedoch in erster Linie für Personen geeignet ist, die viel zu Hause sind, da die Zustellung am Vormittag erfolgt. Das angegebene Zeitfenster wurde beim Test aber genau eingehalten. Positiv ist die Produkt- und Herstellerbeschreibung. Als hätte man am Bauernhof persönlich vorbeigeschaut.


billashop.at

Im Billa-Online-Shop erhält man alle Produkte, die man aus dem Supermarkt kennt. Für den Test, der sich ja in erster Linie um Bioprodukte dreht, wurden Waren der Marke "Ja! Natürlich" bestellt. Der Vorgang ist äußerst benutzerfreundlich. Man legt die Produkte in den elektronischen Warenkorb, gibt seine Adresse und das gewünschte Lieferdatum samt Uhrzeit (werktags bis 21 Uhr möglich!) an, um dann die Bestellung abzuschließen. Eine sofortige Bezahlung ist nicht erforderlich. Man kann die Rechnung beispielsweise auch erst bei der Lieferung der Waren mit Bankomatkarte begleichen. Bei der Bestellung bei billashop.at gibt es allerdings zwei Haken: Der Mindestbestellwert liegt bei 25 Euro, und es sind Zustellgebühren fällig. Sie variieren je nach Liefergewicht und betragen pro 50 Kilogramm 5,99 Euro. Wenn man möchte, wird man kurz vor Eintreffen der Lieferung telefonisch verständigt. So auch beim durchgeführten Test, als sich ein Herr meldet: "Billa-Hauszustellung. Ich bin in circa sechs bis acht Minuten bei Ihnen." Dass Rewe künftig verstärkt auf Onlineshopping setzen will, merkt man spä-testens, als nach Bezahlung der Waren ein Geschenk in Form eines gekühlten Kaffeegetränks überreicht wird.

2 von 5 Punkten

Keiner der anderen getesteten Anbieter kann mit der Flexibilität mithalten. Großer Nachteil sind freilich die Gebühren, die anfallen. Dafür ist es auch möglich, sich tiefgekühlte Produkte nach Hause bringen zu lassen. Diesen Service bietet sonst kaum jemand an. In der Stadt gibt es "Billa" jedoch an jedem Eck - auch ohne Liefergebühr.


freilaender.at

Bio Fleisch und Wurst kaufen: Besucht man die Webseite freilaender.at, weiß man gleich, worauf der Schwerpunkt dieses Anbieters liegt. Ob Rind, Wild, Schwein, Geflügel, Lamm oder Kalb, hier findet der Fleischesser alles, was er finden möchte. Zusätzlich werden Wurst, Eier, Milch, Butter, Gemüse, Säfte und Käse angeboten. Betreiber der Webseite ist die Fleischerei Kollecker aus Ebreichsdorf. Man kann sich die Ware nach Hause liefern lassen oder in Ebreichsdorf bzw. bei einem der Vertriebspartner in Wien-Landstraße, Wien-Neubau oder Hinterbrühl abholen. Bei Fleisch bietet sich Letzteres natürlich an, ist hier die Einhaltung einer bestimmten Mindesttemperatur besonders wichtig. Beim vorgenommenen Test wird ein halbes Kilo Biorindslungenbraten zum Biogreißler im dritten Bezirk gebracht. Der angegebene Wunschtermin wird per E-Mail bestätigt und eingehalten. Das Fleisch ist vakuumiert verpackt, hält dadurch einige Tage und muss nicht sofort zubereitet werden. Lässt man sich die Ware direkt an die Haustüre liefern, bemüht sich der Anbieter, das Nachhaltigkeitsprinzip einzuhalten: Statt Styropor wird bei allen Produkten außer Fleisch Schafwolle als Dämmmaterial verwendet.

4 von 5 Punkten

Fleisch ist ein heikles Produkt, soll es doch gekühlt gelagert werden. Die Vorstellung, dass ein Lieferant damit mehrere Stunden durch die Stadt kurvt, um es dann an die Haustüre zu bringen, ist eher abschreckend. Daher funktioniert das Konzept der Sammelstellen gut. Mit Lieferservice hat das aber nicht mehr allzu viel zu tun. (Rosa Winkler-Hermaden, DER STANDARD, 29.4.2015)

  • Gemüse, Fleisch oder Milchprodukte kann man sich auch nach Hause liefern lassen.
    illustration: armin karner

    Gemüse, Fleisch oder Milchprodukte kann man sich auch nach Hause liefern lassen.

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