Bürgerinitiative fordert Öffnung von Freiflächen auf Schmelz

20. April 2015, 16:57
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Grünfläche zwischen Sportplätzen soll zugänglich gemacht werden - Bisher keine Entscheidung der Stadt

Wien - 30 Hektar umfasst die Schmelz in Wien-Rudolfsheim. Sie grenzt an Ottakring und Penzing und ist als Erholungsgebiet gewidmet. Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) verpachtet an den Sportdachverband Askö, das Universitätssportinstitut (USI) und den lokalen Kleingartenverein. Alle Flächen - bis auf eine, die der Stadt gehört - sind im Eigentum der BIG.

659 Kleingärten, mehrere durch Hecken oder Maschendrahtzaun eingegrenzte Sportplätze, ein Studentenwohnheim und ein Gymnasium befinden sich auf dem Areal. Dazwischen verlaufen und kreuzen einander drei Asphaltwege - sie sind neben dem wenige Quadratmeter großen Kinderspielplatz die einzigen öffentlich zugänglichen Flächen.

foto: frisch – freiraum initiative schmelz
Zäune und abgesperrte Wege dominieren derzeit die Schmelz. Das soll sich bald ändern, wünschen sich Anrainer.

Diese räumliche Enge führe zu Konflikten zwischen Eltern von Kindern, Jugendlichen und älteren Leuten, sagt Edith Wildmann. Der 15. Bezirk sei der einkommensschwächste Wiens, dicht verbaut und verkehrsreich. Mit der Bürgerinitiative "Frisch" bemüht sie sich um die Schaffung neuer und die Öffnung bestehender Flächen auf der Schmelz.

Dabei ginge es nicht nur "um ein paar Bänkchen, die man aufstellt; die Qualität des Freiraums liegt uns am Herzen", sagt Peter Leeb, der Architekt der Initiative. Davon zeugt eine von "Frisch" kürzlich in Druck gegebene Broschüre, in welcher die rund 15 Engagierten konkrete Ideen und Renderings für den künftigen "Freiraum Schmelz" präsentieren.

"Piazza" mit Bäumen

So stellt man sich etwa eine offene "Piazza" mit Bäumen, Sitz- und Spielmöglichkeiten dort vor, wo sich heute der kleine Spielplatz und die Rollsportanlage befinden. Die Schmelzhöhe, also die Allee, die zwischen den Sportplätzen der Askö verläuft, soll zugänglich gemacht werden.

Um die Ideen umzusetzen, bräuchte es freilich die Zustimmung der Beteiligten. Die Askö zeigt sich allerdings wenig angetan. Man habe der Bürgerinitiative für die geplante "Piazza" ein Teilstück von 30 mal 30 Metern angeboten. Eigentlich würde man aber lieber die Beachvolleyballplätze erweitern, man könne zusätzliche Sportflächen "locker bespielen", sagte Askö-Geschäftsführer Rainer Husty zum STANDARD. Beim USI hält man eine Öffnung von Grünflächen zwar für "sinnstiftend", man befürchtet aber, dass der Lehrbetrieb beeinträchtigt werden könnte. Bis zum Sommer seien deshalb Fragen nach einer möglichen Verlegung von Seminarräumen zu prüfen, so Verwaltungsdirektor Alexander Payer.

"Zähe Gespräche"

Zu konkreten Entscheidungen will sich noch keiner der Akteure durchringen, so auch bei Bezirksvorsteher Gerhard Zatlokal (SPÖ): "Manche Vorschläge sind Visionen, die sogar bei gutem Willen ein Jahrzehnt für die Umsetzung bräuchten." Bei diesen "zähen Gesprächen" wolle er die Bürgerinitiative unterstützen.

Positive Signale gibt es aus dem Stadtplanungsressort. Stadträtin Maria Vassilakou (Grüne) plädiert dafür, die unterschiedlichen Interessen in einem Leitbild zu erfassen. Bezirksvorsteher Zatlokal: "Das nutzt dem Bezirk nichts, wenn er auf die Flächen nicht zugreifen kann." Sein Leitbild seien die Konzepte der Initiative. Man müsse jetzt schauen, was in kleinen Schritten mit den einzelnen Akteuren machbar sei.

Bei "Frisch" wünscht man sich freilich "ein viel stärkeres Commitment" von der Politik. "Bisher war nur ein Wohlwollen da", sagt Wildmann, "aber da können wir jahrzehntelang reden". (Christa Minkin, DER STANDARD, 21.4.2015)

  • Diskutiert wird laut Bürgerinitiative auch eine Umwidmung der Radetzky-Kaserne  in Wohnraum, die direkt an der Schmelz liegt. Dort sollen die Grünflächen öffentlich zugänglich gemacht werden.
    foto: frisch – freiraum initiative schmelz

    Diskutiert wird laut Bürgerinitiative auch eine Umwidmung der Radetzky-Kaserne in Wohnraum, die direkt an der Schmelz liegt. Dort sollen die Grünflächen öffentlich zugänglich gemacht werden.

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