Eklat bei Burgtheater-Gastspiel: Reinke kritisiert Politik

20. April 2015, 15:56
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Schauspieler kritisierte rechtsnationale ungarische Regierung

Budapest/Wien - Ein Gastspiel des Wiener Burgtheaters am Nationaltheater Budapest hat am Sonntagabend einen Eklat ausgelöst. Der Schauspieler Martin Reinke verlas am Ende von Jan Bosses Inszenierung von Tschechows "Die Möwe" eine Erklärung, in der er die rechtsnationale ungarische Regierung kritisierte. Theaterdirektor Attila Vidnyaánszky verlangt nun eine Erklärung von Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann.

Das Gastspiel fand im Rahmen des Madach International Theatre Meeting (MITEM) statt, zu dem u. a. auch das Mailänder Piccolo Teatro, das Moskauer Künstlertheater oder das Nationaltheater Bukarest eingeladen wurden. Der Deutsche Reinke, der in "Die Möwe" Jewgeni Sergejewitsch Dorn verkörpert, äußerte in seiner überraschenden Erklärung Sorgen um die "schwere Situation" des ungarischen Volks und der Kultur und beklagte, dass sich das Land unter Ministerpräsident Viktor Orbán "immer mehr vom Geist der Demokratie und von Europa entfernt".

Besorgnis über aktuelle Entwicklung

Vonseiten des Burgtheaters hieß es gegenüber der APA, dass man ursprünglich im Rahmen eines Publikumsgesprächs mit Jan Bosse mit den Besuchern in Dialog treten wollte. Nachdem Bosse nicht anreiste, sei es den Schauspielerin wichtig gewesen, ihre Besorgnis betreffend der aktuellen Entwicklung anderweitig auszudrücken.

Das Gastspiel hat ohnehin eine brisante Vorgeschichte: Attila Vidnyánszky (51) war 2013 auf den wegen Regimekritik in Ungnade gefallenen Nationaltheater-Intendanten Róbert Alföldi gefolgt. Als seinen Anspruch formulierte der als konservativer und anti-modernistischer Theatermacher beschriebene neue Direktor die Positionierung des Nationaltheaters als ein "mit internationalem Maßstab gemessenes bedeutendes Theater, das die ganze Nation als ihr eigenes Theater betrachtet".

In der Folge gab es Proteste von zahlreichen europäischen Kulturschaffenden gegen die als politisch motiviert wahrgenommene Besetzung, darunter auch vom damaligen Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann, der etwa eine Gastspiel-Einladung des Ungarischen Nationaltheaters ablehnte. Nach Platzen des Finanzskandals am Burgtheater verzichtete das Ungarische Nationaltheater seinerseits auf eine Teilnahme am "Ungarn-Festival" am Burgtheater im März 2014. (APA, 20.4.2015)

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