Denkmalamt: Barocke Dachstühle in Wiener City sollen gezählt werden

20. April 2015, 14:25
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Emotionale Debatte um Dachstuhlausbauten in der Wiener Innenstadt soll durch Forschungsprojekt versachlicht werden

Wien – Bereits seit einem Jahr wird im Bauausschuss im Bezirk Innere Stadt über den Dachstuhl-Ausbau des barocken Hauses in der Schwertgasse 3 diskutiert. Es wurde befürchtet, dass der historische Dachstuhl zugunsten der Modernisierung des Gebäudes zerstört wird. Nun wurde das Projekt im Bauausschuss zurückgewiesen, es soll noch einmal umgearbeitet werden, bevor es bewilligt wird.

Die Präsidentin des Bundesdenkmalamts, Barbara Neubauer, regte anlässlich der Entscheidung an, dass alle barocken Dachstühle in der Wiener Innenstadt katalogisiert werden, um die emotionale Debatte zu versachlichen. In der "Kronen Zeitung" forderte Neubauer die Stadt Wien und den Bund auf, Geld in die Hand zu nehmen, um das Forschungsprojekt zu finanzieren. Beim Bundesdenkmalamt selbst habe man nämlich nicht die personellen Ressourcen, um so ein Großprojekt durchzuführen.

Grüne fordern Moratorium

Diese Forderung unterstützt auch Alexander Hirschenhauser, Klubobmann der Grünen in der Innenstadt. Er würde aber noch weiter gehen und will ein Moratorium für neue Dachausbauten in denkmalgeschützten Häusern. Bis zu den Ergebnissen der Forschungsarbeit sollen außerdem alle laufenden Projekte, die dem Bauausschuss vorliegen, gestoppt werden. Für Hirschenhauser soll es auch zu einem Paradigmenwechsel beim Bundesdenkmalamt kommen: "Das Amt muss als Anwalt für Kulturgüter agieren und keine Servicestelle für die Bauwirtschaft sein." Aus den Erkenntnissen der wissenschaftlichen Untersuchung müssten schließlich auch neue Richtlinien in dem Gebiet erlassen werden.

Vor allem, dass die historischen Dachstühle oft ihrer Funktion beraubt und durch Stahlmodelle ersetzt werden, hat für ihn fatale Auswirkungen. Dadurch wäre es ein Leichtes, nach wenigen Jahren den Dachstuhl zugunsten von baulichen Veränderungen zu entfernen. "Der Denkmalschutz kann den Menschen nicht in die Wohnungen schauen", so Hirschenhauser. (bbl, derStandard.at, 20.4.2015)

  • Das Bauprojekt in der Schwertgasse 3 muss noch einmal überarbeitet werden.
    foto: derstandard.at/winkler-hermaden

    Das Bauprojekt in der Schwertgasse 3 muss noch einmal überarbeitet werden.

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