Überraschungsfunde im Kairoer Tempelbezirk Heliopolis

27. April 2015, 07:00
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Deutsch-ägyptisches Grabungsteam entdeckte Fragment einer großen Königsstatue sowie sieben 2.400 Jahre alte Basaltreliefs

Kairo/Leipzig - Eigentlich war das Grabungsteam um Dietrich Raue (Universität Leipzig) und Aiman Ashmawy (Ägyptisches Antikenministerium) im Kairoer Tempelbezirk Heliopolis auf der Suche nach 3.500 Jahre alten Umfassungsmauern. Was zwischen Müllbergen und teils illegal gebauten Häusern zum Vorschein kam, war jedoch eine Überraschung: In zwei bis drei Metern Tiefe stieß das Grabungsteam auf das Fragment einer großen Königsstatue aus Rosengranit (1213 bis 1203 vor unserer Zeitrechnung) und einige Meter weiter auf insgesamt sieben, etwa 2.400 Jahre alte Basaltreliefs.

Sie stellen eine Nilgott-Prozession aus der Zeit des ägyptischen Königs Nektanebo I., der von 380 bis 363 v. u. Z. regierte, dar. Die wertvollen Funde wurden ins 500 Meter entfernte Freilichtmuseum Matariya transportiert und werden dort dauerhaft ausgestellt. "Es ist ein absoluter Glücksfall und passiert auch nicht allzu oft, dass man solche Sachen findet", sagte Raue, der 2012 die Grabungen in Heliopolis initiierte.

"Theologisch-religiöses Zentrum" Ägyptens

"Das ist der Ort, an dem laut ägyptischer Mythologie die Welt erschaffen wurde, das theologisch-religiöse Zentrum Ägyptens", erklärte der Forscher. Gemeinsam mit Studierenden, einem niederländischen Zeichner, einem belgischen Geoarchäologen und einem Bauforscher aus Cottbus sowie Restauratoren und Archäologen aus Ägypten suchte Raue in den vergangenen Wochen im nordwestlichen Teil Kairos nach dem einst berühmten, aber verschollenen Tempel.

Zunächst stieß das Team - wie erwartet - auf die mächtigen, etwa 17 Meter breiten und ebenso hohen Tempelmauern. Danach folgte mit der Ausgrabung der Reliefs und des Fragments die kleine Sensation. Wie die Forscher erst vor kurzem herausfanden, gibt es dafür aber eine ebenso logische wie einfache Erklärung: Im Alten Ägypten nutzte man die mächtigen Umfassungsmauern, um darauf weitere Tempel zu errichten.

Schwierige Grabungsbedingungen

Die Grabungsbedingungen seien nicht immer einfach gewesen, erzählte Raue: Da die Relikte unter dem Grundwasserspiegel lagerten, musste während der Arbeiten immer wieder Wasser abgepumpt werden. Wenn der Strom für die Motorpumpe ausfiel, lief das Loch schnell voll. Am Ende der Arbeiten sein man nach den Funden aber noch nicht angelangt: "Unser Forschungsziel ist es, endlich die Tempel zur reichen historischen Überlieferung zu finden, da sie in vielerlei Hinsicht Vorbild für Ägypten waren", so Raue.

Dabei sei Eile geboten, denn das Areal werde nach und nach mit Wohnhäusern bebaut, und die ägyptische Hauptstadt wachse ständig weiter. Dass sich der Aufwand lohnt, ist Raue überzeugt: "Wir rechnen mit zahlreichen weiteren Funden und Tempelresten". (red, derStandard.at, 27.4.2015)

  • 2.400 Jahre altes Basaltrelief aus der Zeit des Königs Nektanebo I.
    foto: dietrich raue

    2.400 Jahre altes Basaltrelief aus der Zeit des Königs Nektanebo I.

  • Grabungsgelände von Heliopolis - zwischen Müllbergen und Wohnhäusern.
    foto: dietrich raue

    Grabungsgelände von Heliopolis - zwischen Müllbergen und Wohnhäusern.

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