E-Motorräder: In der Ruhe liegt der Saft

20. April 2015, 17:02
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Selbst Hersteller, die bisher Lärm durchaus als einen der Kernwerte bezeichneten, machen sich fit für die leise, kraftvolle Fortbewegung.

"Das Projekt Livewire hat die Erwartungen darüber, was eine Harley-Davidson sein kann, komplett verändert", ist sich Mark-Hans Richer, Chief Marketing Officer bei Harley-Davidson, bewusst. War eine Harley bis dato - neben eindrucksvoll groß, vorzugsweise schwarz und schwer - vor allem laut, versuchen sich die harten Kerle aus Milwaukee mit dem "Project LiveWire" nun am E-Motorrad und spielen mit der Idee eines leiseren, aber nicht weniger eindrucksvollen Cruisers im typischen Harley-Davidson-Stil.

In einer ersten Phase ging es darum, bei einer global angelegten Tour abzuklopfen, was sich potenzielle Kunden erwarten. "Heuer zeigen wir diese Erfahrung einem Publikum auf der ganzen Welt, um noch tiefere Einblicke in die Erwartungen gewinnen zu können, die uns helfen werden, mit aufregender Technologie in die richtige Richtung zu gehen", sagt Mark-Hans Richer.

E-Motor mit 75 PS

Bei Harley-Davidson geht man das Thema also vorsichtig an. Entsprechend verschlossen zeigt man sich, wenn es darum geht, den Rahmen abzustecken, in dem dieses Motorrad auf die Straße kommen könnte. Technischen Daten zum Prototyp gibt es nicht. Ein paar Gerüchte aber wohl. Diese handeln von einem 75 PS starken E-Motor mit 70 Newtonmeter Drehmoment, einer Reichweite von 85 Kilometer.

Die Spitzengeschwindigkeit soll demnach bei 150 km/h liegen und die Beschleunigung vom Stand aus auf 100 km/h in unter vier Sekunden erledigt sein. Die Ladedauer soll angeblich bei dreieinhalb Stunden liegen. Aber das alles kann sich bis zum Marktstart, der 2016 erfolgen sollte, noch mehrmals verändern.

Zwischen Ufo und Düsenantrieb

Was aber so gut wie sicher bleiben wird, ist die Geräuschkulisse der E-Harley, die extrem futuristisch anmutet. Irgendwo zwischen Ufo und Düsenantrieb.

Nur ein leises Pfeifen gibt der Johammer von sich. Ein österreichischer Cruiser, der wegen seines Designs sogar noch exzentrischer ist als die Harley. Der Johammer ist eine Mischung aus Roller und Cruiser, Ufo und Insekt, Designmeilenstein und Mutprobe. Er erreicht mit 15 PS einen Topspeed von 120 km/h und kostet rund 25.000 Euro.

Völlig ohne Cross-over-Ansätze steigt BMW in die E-Mobilität auf zwei Rädern ein. Der c-evolution ist ein Roller, den es in der Form eigentlich auch schon mit einem Verbrennungsmotor gibt. 15.000 Euro legt man für den 48 PS starken Scooter hin. Das ist immer noch viel Geld für einen Scooter, zugegeben. Dafür leistet er sich aber auch keine Schwächen. Die Reichweite von rund 100 Kilometer ist für den täglichen Einsatz in der Stadt mehr als ausreichend und die Beschleunigung von 0 auf 50 km/h in deutlich weniger als drei Sekunden schlicht atemberaubend. Noch nie hat E-Mobilität, noch nie hat ein Roller so viel Spaß gemacht.

Unkomplizierter Einstieg

Die Mofa-Idee elektrifiziert indes Yamaha erneut. Der Electric Commuter EC-03 kostet nicht einmal 3000 Euro und ist somit der günstigste, aber auch unkomplizierteste Einstieg in die E-Mobilität. Das rund zwei PS starke, gerade einmal 56 Kilogramm schwere und bis zu 50 km/h schnelle E-Mofa ist mit 50 Kilometer Reichweite nicht nur perfekt für die täglichen kleinen Wege, sondern auch als Kurzstreckenfahrzeug für Camper oder Segler.

Mit gleich drei Modellen steigt KTM in die E-Mobilität ein. Mit der E-XC bieten die Mattighofner eine straßenzulassungsfähige Enduro um 11.398 Euro, mit der E-SX eine rennfertige Motocrossmaschine um 11.098 Euro und mit der E-SM, um 11.698 Euro, eine Supermoto, die man sowohl auf der Straße fahren kann, die es aber auch mag, wenn man sie erbarmungslos über die Rennstrecke prügelt.

Austausch-Batteriepack

Grundlage der KTM-E-Palette ist jeweils ein bis zu 22 PS starker E-Motor, der sich die Energie aus einem einfach zu tauschenden Batteriepack holt. In 80 Minuten ist ein Akkupack wieder vollgeladen - so lange müssen erst einmal die eigenen Akkus, namens Kondition, im Gelände halten.

"Wir glauben an die Elektromobilität, und da der Geländesport unser Kerngebiet ist, haben wir die Freeride E entwickelt", sagt KTM-Vorstand Harald Plöckinger. "Wir sind davon überzeugt, dass Elektromobilität in Zukunft in urbanen Gebieten reüssieren kann, und arbeiten in der KTM-Forschungs-und-Entwicklungsabteilung am Ausbau dieser neuen Produktfamilie."

Wir dürfen also gespannt sein, womit KTM in naher Zukunft noch auf den Markt drängen wird. Vor allem, nachdem sie selbst angetreten sind, mit den Freeride-Parks die Infrastruktur für die ihre Produkte bereitzustellen. Komplexer kann man ein Antriebskonzept ja kaum noch denken.

O tempora, o mores. Sogar die Heavy-Metall-Rider Harley-Davidson schauen, ob viel Drehmoment auch aus einem leisen Motor eine Kundschaft findet, und testen die erste E-Harley.

KTM erobert die E-Mobilität über das Offroad- und Supermoto-Segment, Yamaha erfindet das Mofa neu und Johammer überhaupt gleich das ganze Konzept Motorrad. (Guido Gluschitsch, DER STANDARD Rondomobil)

  • Technologieträger, der noch am Markt abgetestet wird: Die Harley-Davidson LiveWire.
    foto: werk

    Technologieträger, der noch am Markt abgetestet wird: Die Harley-Davidson LiveWire.

  • 75 PS und 70 Nm serviert der Elektromotor gen Hinterrad.
    foto: werk

    75 PS und 70 Nm serviert der Elektromotor gen Hinterrad.

  • Real und praktisch: der Yamaha Electric Commuter EC-03.
    foto: werk

    Real und praktisch: der Yamaha Electric Commuter EC-03.

  • KTM setzt ebenfalls auf Elektro, hier die E-XC.
    foto: werk

    KTM setzt ebenfalls auf Elektro, hier die E-XC.

  • Offroad ist bei KTM naturgemäß ein großes Thema.
    foto: werk

    Offroad ist bei KTM naturgemäß ein großes Thema.

  • Gamechanger oder Exot? Angesichts der  E-Bikes von Johammer ist diese Frage noch nicht beantwortet.
    foto: werk

    Gamechanger oder Exot? Angesichts der E-Bikes von Johammer ist diese Frage noch nicht beantwortet.

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