Fachschaftslisten für mehr Mitbestimmung für Studierende im Senat

20. April 2015, 13:04
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Unabhängige Fraktion fordert Wiedereinführung der Drittelparität und einheitliches Studienrecht

Wien – Die Fachschaftslisten (FLÖ) wollen eine gleichwertige Mitbestimmung der Studierenden an den Universitäten. "Unsere wichtigste Forderung ist es, die lokalen Vertretungen zu stärken", sagt Spitzenkandidat Philip Flacke (35) bei der Präsentation des Programms der parteiunabhängigen Fraktion für die Wahlen der Österreichischen HochschülerInnenschaft vom 19. bis zum 21. Mai. Umgesetzt soll dies durch die Wiedereinführung der Drittelparität in den Senaten werden.

Wie vor dem Universitätsgesetz 2002 wollen die FLÖ, dass in den Senaten der Universitäten gleich viele Studierendenvertreter, Professoren und Vertreter der Dozenten und wissenschaftlichen Mitarbeiter sitzen. Derzeit haben Studierendenvertreter und wissenschaftliches Personal je zwanzig Prozent der Sitze inne, während die Professoren die Hälfte des Gremiums besetzen. "Das Stimmgewicht der Studierenden muss dem der Lehrenden entsprechen, wenn wir als Partner auf Augenhöhe wahrgenommen werden wollen", heißt es dazu im Programm.

"Keine Ideologie"

Spitzenkandidat Flacke stammt aus Niedersachsen und war bereits im Bereich Software-Engineering berufstätig, entschied sich aber dann für ein Psychologiestudium an der Uni Klagenfurt, wo er derzeit auch im ÖH-Vorsitzteam tätig ist. Die Fachschaftsliste sei frei von Parteiinteressen und diene nur den Studierenden und nicht der Erhaltung einer Parteistruktur, sagt er. Von der Fraktion Engagierter Studierender (Fest), die ebenfalls parteiunabhängig ist, unterscheide sich die FLÖ dadurch, dass die Fest "eher links angesiedelt" sei. "Die Fachschaftsliste möchte sich keiner Ideologie hingeben".

Ein wichtige Forderung ihrer Fraktion sei zudem die Ausfinanzierung der Hochschulen, sagt Elisabeth Gellner, die ebenfalls für die FLÖ kandidiert. "Es braucht eine echte Hochschulmilliarde. Das politische Herausreden auf Drittmittel kann eine öffentliche Finanzierung nicht ersetzen."

Altersgrenzen abschaffen

In ihrem Programm sprechen sich die FLÖ gegen Studiengebühren und für die Abschaffung der in einigen Fächern bestehenden Zugangsbeschränkungen aus. Die Höhe der Studienbeihilfen sollen an die Mindestsicherung angepasst und die Altersgrenzen für deren Bezug abgeschafft werden. Derzeit dürfen Bezieher, sofern sie sich zuvor nicht länger als vier Jahre selbst erhalten haben, bei Studienbeginn nicht älter als dreißig Jahre sein. Die Familienbeihilfe soll nicht bis zum 24. Lebensjahr, sondern bis zum 26. ausbezahlt werden.

Zudem heißt es im Programm, dass für alle Studierenden – egal ob sie auf Universitäten, Fachhochschulen, pädagogischen Hochschulen oder Privatuniversitäten studieren, dasselbe Studienrecht gelten soll. "Alle Studierende benötigen eine bundesweit einheitliche Absicherung im Studien- und Prüfungsrecht."

Gegen Verschulung

Um einer fortschreitenden Verschulung an den Hochschulen entgegenzuwirken, fordern die FLÖ freie Wahlfächer in allen Studien. Individuelle Schwerpunktsetzung soll möglich sein. Auch die verpflichtenden Anwesenheitszeiten sollen verringert werden, fordert Sarah Schober, derzeit ÖH-Vorsitzende an der Medizinischen Universität Wien. Dies sei zur besseren Vereinbarkeit von Studium, Familie und Beruf notwendig.

Als Wahlziel nennt Spitzenkandidat Flacke 20 Prozent der Stimmen der Studierenden. 2013 – damals noch ohne direktes Wahlrecht – waren die FLÖ mit 17,2 Prozent die zweitstärkste Fraktion. Auch im der kommenden Periode will die Fraktion wieder in die Exekutive der ÖH-Bundesvertretung. Derzeit sind die FLÖ mit Fest, dem Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) sowie den Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS) in einer Koalition. Man könne sich künftig mit allen Fraktionen außer dem Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) eine Zusammenarbeit vorstellen, so Flacke. (Lisa Kogelnik, derStandard.at, 20.4.2015)

  • FLÖ-Spitzenkandidat Philip Flacke (35) studiert Psychologie an der Uni Klagenfurt.
    foto: janine prohinigg

    FLÖ-Spitzenkandidat Philip Flacke (35) studiert Psychologie an der Uni Klagenfurt.

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