"Undine": Eine Meerjungfrau wie du und ich

20. April 2015, 06:42
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Mit Albert Lortzings Oper fand im Kinderopernzelt der Wiener Staatsoper die letzte Premiere statt. Die Inszenierung von Alexander Medem ist so charmant wie kurzweilig geraten

Wien - Kaum etwas hat in dieser Stadt länger Bestand als Provisorien, doch im 1999 als "temporäre Einrichtung" genehmigten Kinderopernzelt auf dem Dach der Staatsoper fällt nun bald der letzte Vorhang.

Nach 16 Spielzeiten übersiedelt die Kinderoper des Hauses in den neuen Standort, das ehemalige Stadttheater Walfischgasse. Als letzte Produktion vor der Demontage des Zeltes hatte am Samstagmittag Albert Lortzings Oper Undine Premiere.

In der 1845 uraufgeführten romantischen Märchenoper gibt es alles, was das Kinderherz begehrt: einen Ritter, einen mächtigen Wasserfürsten, eine fiese falsche Prinzessin und eine herzensgute Fischerstochter. Undine heißt sie und ist ganz eindeutig kein Fabelwesen, sondern eine bodenständige junge Frau von heute: Mit Natürlichkeit, übergroßen Latzhosen und einem quietschgelben Pullover bezirzt sie Ritter Hugo von Rigestetten. Die beiden heiraten.

Entsetzte Prinzessin

Darüber ist nun wieder Prinzessin Bertalda entsetzt - vor Hugos längerer Absenz waren die beiden einander versprochen gewesen. Doch Bertalda hält sich nicht lange mit Verzweiflungsgefühlen auf, kontert und hat den unsteten Hugo bald wieder an der Angel. Undine wird verstoßen, und ihr richtiger Vater, der Wasserfürst Kühleborn, verwandelt sie zurück in eine Nixe. Doch für den Frevel an seiner Tochter wird der Wasserfürst Hugo noch büßen lassen ...

Es ist außerordentlich charmant, wie Regisseur Alexander Medem Undines Geschichte erzählt. Zusammen mit Tristan Schulze hat der Deutsch-Peruaner Lortzings knapp dreistündige Oper auf dichte sechzig Minuten gekürzt. Da wird zwar immer gesungen, aber lange Arien bebildert Medem geschickt: etwa durch Undines nixenhaftes Ebenbild (Tänzerin Sandra Szelekovski) oder vier kleine Wasserwesen (Kinder der Ballettakademie), die allerlei Schabernack treiben.

Auch der Chor hat viel zu tun: Die Kinder der Opernschule vertreten die Großen souverän, agieren und singen mit Intensität und Lebendigkeit und binden das junge Publikum so mehr ans Geschehen.

Cineastische Fantastik

Die Kostüme von Constanza Meza-Lopehandia sind zwischen Natürlichkeit und cineastischer Fantastik (der Wasserfürst) aufgespannt. Auch die Bühne (Agnes Hasun) ist gut gelungen. Ein bisschen Wasser, ein Bootshaus, das sich in einen Palast verwandelt: alles da. Nur der azurblaue Vorhang will und will zu Beginn einfach nicht fallen. Dirigent Johannes Wildner koordiniert das Bühnenorchester der Staatsoper geschickt, der eine oder andere Sänger hat tempomäßig mitunter seinen eigenen Kopf. Die Harfe klingt gar zauberhaft.

Strahlende Undine

Lustig James Kryshak als Veit, groß Il Hong als Hans, großartig zickig Lydia Rathkolb als Bertalda. Furchteinflößend Tae-Joong Yangs Kühleborn, strahlend Annika Gerhards als Undine. Nur das Deutsch von Carlos Osuna (Ritter Hugo) lappt leicht ins Märchenhafte. Begeisterung bei Klein und Groß. (Stefan Ender, DER STANDARD, 20.4.2015)

Bis 13.6. im Zelt, ab Mitte Oktober dieses Jahres übersiedeln Nixe & Co. in die Walfischgasse.

  • Gibt in der begeistert aufgenommenen Produktion einen wahrlich furchteinflößenden Kühleborn: Tae-Joong Yang.
    foto: apa/georg hochmuth

    Gibt in der begeistert aufgenommenen Produktion einen wahrlich furchteinflößenden Kühleborn: Tae-Joong Yang.

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