Lokführer in Deutschland streiken wieder

19. April 2015, 16:13
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Wann die Streiks anfangen und wie lange sie dauern sollen, ist noch nicht klar

Berlin - Angesichts des drohenden Lokführerstreiks in den kommenden Tagen haben Verkehrsminister Alexander Dobrindt und Deutsche Bahn die Gewerkschaft GDL zur Rückkehr zu Verhandlungen aufgerufen. "Eine Lösung dieses Konflikts wird es nur am Verhandlungstisch geben", sagte Dobrindt der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe) und stellte sich damit hinter die Führung des Staatskonzerns. Die GDL hatte die Tarifverhandlungen am Freitag für gescheitert erklärt. Ihr Vorsitzender Claus Weselsky kündigte für diese Woche Arbeitsniederlegungen an. Wann diese anfangen und wie lange sie dauern sollen, blieb auch am Sonntag zunächst unklar. Die Bahnkunden würden aber, wie bei den vergangenen sechs Streiks mindestens 24 Stunden vor Beginn informiert, sagte Weselsky.

Dobrindt sagte: "Um die öffentliche Akzeptanz für Tarifauseinandersetzungen nicht über Gebühr zu strapazieren, sollte schnellstmöglich an den Verhandlungstisch zurückgekehrt werden." Auch Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber forderte die Gewerkschaft am Sonntag erneut auf, "sofort an den Verhandlungstisch zurückzukehren und dort mit Augenmaß und Vernunft zu einem Abschluss zu kommen". Der Kurs der Gewerkschaft sei nicht nachvollziehbar, denn in den Verhandlungen seien beide Seiten einer Einigung so nah gewesen wie nie zuvor. "Ich verstehe nicht, warum die GDL ihre eigenen Erfolge jetzt aufs Spiel setzt", sagte Weber der Zeitung "Bild am Sonntag".

Mehr Geld, weniger Arbeit

Doch Weselsky zeigte sich in mehreren Interviews unbeugsam und wiederholte die Streikankündigung. Weber lüge, wenn er von Verhandlungsfortschritten spreche, sagte Weselsky im Deutschlandfunk. Eine Bahnsprecherin wies Weselskys Vorwürfe zurück und mahnte die Gewerkschaft zur Sachlichkeit. "Es gibt mit Blick auf den Verhandlungslauf mit Zugeständnissen auf beiden Seiten und weitgehendem Einvernehmen keinen Anlass für einen neuen Arbeitskampf", sagte sie.

Die GDL fordert fünf Prozent mehr Geld und eine Arbeitsstunde weniger pro Woche. Zudem will sie künftig für das komplette Zugpersonal verhandeln. Die Tarifgespräche sind auch deshalb so schwierig, weil die GDL und die konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) teils für dieselben Beschäftigtengruppen Abschlüsse erzielen wollen. Die Bahn verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, für GDL- und EVG-Mitglieder vergleichbare Verträge zu erreichen.

Die GDL wirft der Bahn schon seit einiger Zeit eine Hinhaltetaktik vor, um so auf das Tarifeinheitsgesetz der Bundesregierung zu warten, das noch vor Sommer beschlossen werden soll. Die Konzernführung hatte dem stets widersprochen und von mühsamen Fortschritten gesprochen. (Reuters, 19.4.2015)

  • Auf deutsche Bahnfahrer kommen in der nächsten Woche wieder Streiks zu.
    foto: apa

    Auf deutsche Bahnfahrer kommen in der nächsten Woche wieder Streiks zu.

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