Deutscher Verteidigungsausschuss will Ersatz für G36-Gewehr

19. April 2015, 08:57
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Untersuchung des deutschen Verteidigungsministeriums hatte schwere Mängel attestiert

Berlin - Als Reaktion auf die Probleme mit dem Sturmgewehr G36 hat der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Deutschen Bundestag, Hans-Peter Bartels (SPD), einen Ersatz für die in der Kritik stehende Waffe gefordert. "Die Bundeswehr muss für das G36 ein neues Gewehr anschaffen", sagte Bartels der "Bild am Sonntag" aus Berlin.

Zur Begründung gab er an, dass die Waffe "offenbar nur begrenzt einsatzfähig" sei. Tobias Lindner, Verteidigungsexperte der Grünen im Bundestag, sagte: "Das Ministerium muss das G36 entweder zügig nachbessern oder als Ersatz ein neues Gewehr beschaffen".

Eine Untersuchung im Auftrag des Bundesverteidigungsministeriums hatte dem G36 schwere Mängel attestiert. Die "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zitierte aus einer Zusammenfassung des Berichts, wonach "das Waffensystem die Anforderungen nicht erfüllt". Grund für eine sinkende Trefferwahrscheinlichkeit sei "das Gesamtsystem". Der Bericht hebt laut der Zeitung aber hervor, dass die Unzulänglichkeiten behoben werden könnten.

Probleme bei Treffsicherheit

Die Bundeswehr hatte bereits zuvor massive Probleme bei der Treffsicherheit des G36 eingeräumt. Diese treten bei hohen Außentemperaturen sowie bei Hitzeentwicklung durch intensives Schießen auf. Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte im vergangenen Sommer eine technische Prüfung in Auftrag gegeben, die nun abgeschlossen ist. In den kommenden Wochen will sie Konsequenzen für den Einsatz der Waffe prüfen. Sie erwägt, alle 167.000 Gewehre in den Beständen der Bundeswehr auszumustern. Die Opposition im Bundestag erhöhte in der Debatte den Druck auf von der Leyen.

Die kurdischen Peschmerga-Kämpfer im Irak haben unterdessen keine Probleme mit dem in Deutschland umstrittenen Sturmgewehr G36. "Bei uns hat es keinerlei technische Probleme mit dem G36 gegeben. Im Gegenteil: Die Waffe ist super", sagte der Peschmerga-Minister Mustafa Zayid Kadir einer Presse-Agentur. "Sie funktioniert einwandfrei. Wir hätten gerne mehr davon." Die Deutsche Bundeswehr hatte den Kurden im vergangenen Jahr zusammen mit anderen Waffen 8.000 G36-Gewehre für ihren Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat geschenkt.

Hersteller verteidigt Gewehr

Der Hersteller Sturmgewehrs G36 setzt sich in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) erstmals öffentlich zur Wehr. "Es kann einfach nicht sein, dass nun nach zwanzig Jahren entdeckt wird: Das Gewehr taugt nichts", sagte Andreas Heeschen, Eigentümer der Waffenschmiede Heckler & Koch, der . "Was wir herstellen, ist zu 100 Prozent einsatzfähig."

Heeschen sagte der Zeitung, auf das Sturmgewehr G36 könnten sich "die Soldaten jederzeit verlassen". Gleichwohl könne "natürlich" über Veränderungen geredet werden, seine Firma sei "jederzeit bereit", für sie zähle "alleine der Soldat". Er wehrte sich gegen pauschale Vorwürfe, die nicht berücksichtigten, dass sich die Rahmenbedingungen für den Einsatz der Waffe geändert hätten. "Wer als Single ein Cabrio kauft und dann jahrelang damit fährt, kann sich doch nicht nach Hochzeit und vier Kindern plötzlich beim Hersteller beschweren und sagen: 'Das ist ein Mist-Auto, wir passen da nicht rein'."

Heckler & Koch behält sich nach den Worten Heeschens auch rechtliche Schritte vor, "wenn wir feststellen, dass die Untersuchungen nicht rechtmäßig durchgeführt wurden". Das könne aber erst geprüft werden, wenn der Bericht tatsächlich vorliege. "Zur Zeit wissen wir nicht einmal, warum genau das Gewehr angeblich Probleme machen soll." (APA, 19.4.2015)

  • Am Freitag fand vor der Staatsanwaltschaft in Stuttgart eine Protestaktion gegen die lange Ermittlungsdauer statt.
    foto: apa/dpa/kastl

    Am Freitag fand vor der Staatsanwaltschaft in Stuttgart eine Protestaktion gegen die lange Ermittlungsdauer statt.

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