Organigramme sollen Aufbau der IS-Miliz zeigen

18. April 2015, 22:50
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Magazin: Einfluss irakischer Offiziere machte Siegeszug in Syrien möglich

Hamburg/Bagdad - Ein dem "Spiegel" vorliegendes Konvolut von Strategieplänen und Organigrammen aus der innersten Führung des "Islamischen Staates" habe erstmals bestätigt, wie die Terrororganisation aufgebaut und wie ihr der Siegeszug in Syrien gelungen sei. Das berichtet das Hamburger Nachrichtenmagazin am Samstag in einer Vorabmeldung.

Die zumeist handschriftlichen Dokumente stammten von einem ehemaligen irakischen Geheimdienstoberst der Luftabwehr. Er habe sich 2004 der Vorgängerorganisation des IS im Irak angeschlossen und sei 2010 maßgeblich daran beteiligt gewesen, den nominellen Führer Abu Bakr al-Baghdadi an die Spitze des IS zu bringen. Der Oberst, der unter dem Tarnnamen Haji Bakr bekannt geworden sei, sei Ende 2012 nach Syrien gegangen. Er sei verantwortlich für die Machtübernahme des IS dort gewesen. Bakr sei im Jänner 2014 bei Gefechten getötet worden.

Spionagenetzwerk

In den Plänen, die der "Spiegel" nach Recherchen in Syrien nach eigenen Angaben auswerten konnte, offenbare sich nichts von dem religiösen Fanatismus, mit dem der IS sich nach außen präsentiere. Die Dokumente enthüllten die Methoden eines hochkomplexen Geheimdienststaates, der sich auf flächendeckende Ausspionierung, Überwachung und Morde gründe. Unter dem Deckmantel islamischer Missionierungsbüros seien laut den Plänen in den Städten und Dörfern Nordsyriens als Prediger getarnte Spione ausgebildet worden. Sie sollten Machtverhältnisse und Schwachstellen der jeweiligen Orte in Erfahrung bringen.

In einem nächsten Schritt sollten charismatische Führungsfiguren und Rebellenführer von speziell etablierten Einheiten für "Ermordungen" und "Entführungen" beseitigt werden, um potenziellen Widerstand frühzeitig zu ersticken. Erst dann sollten militärische Angriffe erfolgen, unterstützt von "Schläferzellen" mit Waffen und Kämpfern.

Dass diese Pläne exakt umgesetzt worden seien, hätten "monatelange Recherchen" in verschiedenen Provinzen Nordsyriens sowie ein zweiter Aktenfund aus dem Anfang 2014 verlassenen IS-Hauptquartier in Aleppo bestätigt, so "Der Spiegel". Darin fänden sich auf Hunderten Seiten die Protokolle zur Durchführung der Ausspionierung, Überwachung und Unterwerfung eroberter Gebiete. (APA, 18.4.2015)

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