Neun Tote bei Anschlag vor US-Konsulat in Erbil

17. April 2015, 23:50
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IS bekennt sich zu Selbstmordanschlag – Saddam-Vize al-Douri angeblich bei Militäreinsatz getötet

Erbil/Bagdad – Vor dem US-Konsulat in der nordirakischen Stadt Erbil hat ein Selbstmordattentäter mehrere Menschen mit in den Tod gerissen. Nach offiziell nicht bestätigten Angaben aus Sicherheitskreisen gab es bei dem Anschlag am Freitag neun Tote. Es handle sich um Einheimische. Ob der Täter selbst auch zu den genannten neun Toten gehörte, war zunächst unbekannt.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) habe sich zu der Tat bekannt, berichtete die Jihad-Beobachterplattform Site. Amerikanische Konsulatsmitarbeiter oder lokale Wachmannschaften seien nicht zu Schaden gekommen, berichtete der US-Fernsehsender ABC unter Berufung auf das US-Außenministerium. In der Hauptstadt der kurdischen Autonomieregion bilden westliche Staaten kurdische Peschmerga für den Kampf gegen die Terrormiliz IS aus. Am Donnerstag schlossen 500 weitere Peschmerga ihre Ausbildung ab.

Augenzeugen sahen ein Fahrzeug, das sich dem Tor des Konsulats näherte und explodierte. Wachmannschaften hätten das Feuer eröffnet. Rauchsäulen stiegen über dem Ort der gewaltigen Detonation auf.

Erbil ist die Verwaltungszentrale des autonomen Kurdengebiets im irakischen Staatsverband. Die Kurden haben dort ihre eigene Gesetzgebung und ihr eigenes Militär, die Peschmerga-Milizen. Sie verwenden auch eigene staatliche Symbole wie Fahnen und Wappen. Sie arbeiten eng mit den USA zusammen. Anschläge sind in den Kurdengebieten seltener als in den anderen Landesteilen des krisengeschüttelten Iraks.

Bericht über Tod al-Douris

Im Kampf gegen die jihadistische Organisation "Islamischer Staat" (IS) im Irak ist nach offiziellen Angaben ein wichtiger Verbündeter der Extremistenmiliz getötet worden. Izzat Ibrahim al-Douri sei bei einem groß angelegten Militäreinsatz ums Leben gekommen, sagte der Gouverneur der Provinz Salahuddin am Freitag dem Sender Al-Arabiya.

Dazu wurde ein Foto einer Leiche gezeigt, die Douri ähnlich sieht. Ein Sprecher der irakischen Baath-Partei dementierte den Tod Douris umgehend im Gespräch mit dem TV-Sender Al-Hadath.

Letzter Vertrauter

Douri gehörte zum inneren Machtzirkel des früheren Diktators Saddam Hussein und war dessen letzter enger Vertrauter, der sich noch auf der Flucht befand. Er soll ein Drahtzieher des Aufstandes gegen die von Schiiten geführte Zentralregierung in Bagdad sein.

Im vergangenen Jahr waren Aufnahmen aufgetaucht, in denen Douri angeblich den IS-Extremisten die Treue schwört. Die radikalen Islamisten stellten sich damit als Befreier sunnitischer Gebiete dar.

Der IS nahm im vergangenen Jahr weite Teile des Nordiraks ein und ermordete oder versklavte bei seinem Vormarsch tausende Zivilisten. Inzwischen wird die Miliz auch mit internationaler Hilfe zurückgedrängt: So ist Saddams Heimatstadt Tikrit wieder in der Hand der Regierung. Der langjährige Machthaber, der 2003 gestürzt und 2006 hingerichtet wurde, war Sunnit. Auch bei den IS-Anhängern handelt es sich um Sunniten. Sie wollen aber der Bevölkerung eine besonders radikale Auslegung der Glaubensrichtung aufzwingen. Bei dem IS-Vormarsch Richtung Bagdad verbündeten sich viele Saddam-Anhänger mit der Miliz.

Zuletzt konnte der IS wieder Erfolge verbuchen: So baten die Behörden in der Stadt Ramadi am Freitag um Verstärkung. Andernfalls könnte die Hauptstadt der Provinz Anbar in die Hände der Extremisten fallen. (APA, 17.4.2015)

  • In Erbil wurde ein Anschlag auf das US-Konsulat verübt.
    foto: reuters

    In Erbil wurde ein Anschlag auf das US-Konsulat verübt.

  • Izzat  Ibrahim al-Douri soll getötet worden sein.
    foto: ap/mohammed

    Izzat Ibrahim al-Douri soll getötet worden sein.

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