IWF will Griechenland-Programm stark entschlacken

17. April 2015, 17:16
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Europabüro-Chef: Sparvorgaben sollen reduziert werden – Widerstände kommen aus der Eurozone

WashingtonEs kann gut sein, dass die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF) einen neuen Weltrekord in der Kategorie "die am schnellsten korrigierte Wachstumsprognose" aufgestellt haben.

Am Dienstag hatten die Experten des Fonds ihren neuen Weltwirtschaftsbericht vorgestellt. Eine positive Überraschung gab es darin für Griechenland: Die Wirtschaft des notorischen Krisenlandes soll 2015 um satte 2,5 Prozent zulegen, hieß es im Bericht.

Drei Tage später nahm Poul Thomsen, Chef des IWF-Europabüros, diese Zahl wieder zurück. Journalisten wollten von ihm am Rande der Jahrestagung des Fonds in Washington wissen, wieso der Fonds plötzlich so optimistisch sei. Thomsens Antwort: Die Ereignisse in Athen würden sich überschlagen. Deshalb könne man eigentlich kaum eine Einschätzung zum Wachstum abgeben. Außer dass die 2,5 Prozent zu hoch gegriffen sind und man klar darunter liegen werde.

Der Däne, der als ein Mastermind der Sparprogramme in Griechenland gilt, machte aber noch mit einer Forderung auf sich aufmerksam. Griechenland erhält seit 2010 Notkredite von den übrigen Euroländern und dem IWF. Im Gegenzug muss das Land sparen und reformieren. Zumeist bestehen die Abkommen (Memorandum of Understanding genannt) aus hunderten Detailvorgaben darüber, wann welches Gesetz im griechischen Parlament beschlossen werden muss und welche Steuern steigen sollen.

Thomsen verlangt eine deutliche Entschlackung der Programme in Zukunft. Man solle sich auf einige wenige Eckpunkte konzentrieren – etwa eine Pensionsreform und eine effizientere Steuerverwaltung – und nicht mehr in alle Details gehen. Aktuell verhandeln die Gläubigerländer mit Griechenland über eine neue Vereinbarung, damit Athen wieder an mehr frisches Geld kommen kann. Tatsächlich berichteten Diplomaten in Washington dabei von einem Tauziehen hinter den Kulissen zwischen Europäern und dem IWF. "Die Euroländer wollen auf die Detailvorgaben nicht verzichten, um nicht den Druck von Athen zu nehmen", so ein EU-Vertreter zum STANDARD.

Unklar ist, weshalb der IWF zu mehr Entgegenkommen bereit ist. Eine Mutmaßung: Die USA, die den Fonds dominieren, wollen das (Nato-)Partnerland Griechenland nicht verlieren. Ein Austritt Griechenlands aus dem Euro wird jedenfalls als immer wahrscheinlicheres Szenario gehandelt. Bis Juni sei das Land durchfinanziert, danach werde es schwer für Athen, so IWF-Vertreter. (András Szigetvari aus Washington, DER STANDARD, 18.4.2015)

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