Schwerer Schlag für den Friedensprozess in Kolumbien

17. April 2015, 17:30
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Der im März beschlossene Waffenstillstand zwischen den Farc und der Regierung ging nach Angriffen vorerst zu Ende

Bogotá/Puebla – Der Angriff der Farc-Guerilla auf Soldaten im Süden Kolumbiens und Luftangriffspläne der Regierung haben den Verhandlungen über Frieden einen herben Rückschlag versetzt. "Die Falken auf beiden Seiten haben neue Nahrung erhalten", kommentierte der Menschenrechtsaktivist William Rozo den Vorfall, bei dem in der Nacht zum Mittwoch elf Soldaten und zwei Rebellen getötet worden waren.

Augenzeugen zufolge attackierte eine Gruppe Farc-Rebellen gegen Mitternacht ein Militärlager auf einem Sportplatz in der Nähe des Dorfes El Porvenir in der Region Cauca. Die meisten der Getöteten schliefen zu dem Zeitpunkt und konnten nicht mehr reagieren, berichtete ein Überlebender. "Wir hörten ihre Hilfeschreie."

"Feiger Angriff"

Nach Angaben des Generalstaatsanwalts Eduardo Montealegre setzten die Rebellen dabei auch selbstgemachte Sprengsätze ein. Damit durchbrach die Guerilla erstmals ernsthaft den im Dezember verkündeten einseitigen Waffenstillstand. Die Armeeführung kritisierte den "feigen Angriff", während Farc-Unterhändler Pablo Catatumbo von einer Verteidigungstaktik sprach, da die Regierung einen Angriff geplant und Truppen stationiert habe, während für die Rebellen eine Waffenruhe gelte. Er plädierte dafür, einen kühlen Kopf zu bewahren, und wies Vorwürfe zurück, die Anweisung für den Angriff sei von den Unterhändlern gekommen.

Der UN-Repräsentant in Kolumbien, Fabrizio Hochschild, sprach von einer "großen Belastung des gegenseitigen Vertrauensverhältnisses" und einem Hindernis für den Friedensprozess.

"Schwerste Krise seit 2013"

"In einem Land, das immer Vorwände sucht, damit der Krieg über den Dialog siegt, ist dies die schwerste Krise seit Beginn der Verhandlungen 2013", kommentierte die Zeitung "El Espectador". Von einem Rückschlag, aber nicht dem Ende des Friedensprozesses schrieb die Zeitung "El Tiempo". Es könne sich um einen Versuch der Farc handeln, einen strategisch wichtigen Drogenkorridor zurückzuerobern, oder um eine Taktik, um einen bilateralen Waffenstillstand zu erzwingen.

Dieses Kalkül ging jedoch daneben, da Präsident Juan Manuel Santos umgehend die Wiederaufnahme der im März ausgesetzten Luftangriffe auf Farc-Camps anordnete. "Ich lasse mich nicht erpressen", warnte er.

Rückenwind für Hardliner

Die von Santos beschlossene Aussetzung der Luftangriffe war im Militär umstritten. Für Hardliner wie Ex-Armeechef Harold Bedoya bedeuten sie den Verzicht auf einen strategischen Vorteil. Der hügelige Cauca sei sonst nur schwer kontrollierbar, erklärte Bedoya. Während die Luftangriffe den Farc in den vergangenen Jahren sehr zugesetzt hätten, hätten sie in den vergangenen Monaten seiner Meinung nach wieder Boden gutgemacht.

Politische Beobachter wie Camilo Gonzalez Posso forderten, in die Zukunft zu blicken, statt wieder in die altbekannten Konfrontationsmuster zu verfallen. Die Verhandlungen müssten beschleunigt werden, forderte er. Für Nolwenn Bourillon-Bervas, Analyst des IHS Jane’s Terrorism and Insurgency Centre, ist es hingegen unwahrscheinlich, dass in den kommenden sechs Monaten eine bilaterale Waffenruhe oder ein abschließender Friedensvertrag vereinbart werden. (Sandra Weiss, DER STANDARD, 18.4.2015)

  • Gedenken an die getöteten Soldaten im Armeehauptquartier in Cali.
    foto: apa/epa/christian escobar mora

    Gedenken an die getöteten Soldaten im Armeehauptquartier in Cali.

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