Ukraine: US-Soldaten und Morde an Opposition als Streitthemen

17. April 2015, 16:17
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"Ukrainische Aufständische Armee" stellt "antiukrainischen" Personen Ultimatum zum Verlassen des Landes

Kiew/Moskau – Knapp 300 Soldaten der 173. US-Fallschirmjägerbrigade sind zu einer Ausbildungsmission in der westukrainischen Stadt Lwiw (Lemberg) gelandet. "Die Ukraine ist ein starker Partner, der mit uns an Manövern und Operationen rund um die Welt teilgenommen hat. Sie hat die USA um Hilfe bei der Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit gebeten, und dieses Training wird ihr helfen, ihre Grenzen und ihre Souveränität zu verteidigen", zitiert die Webseite des amerikanischen Militärs den Planungsoffizier der Brigade Ashish Patel.

Ukrainische Militärs nannten die Mission nützlich, um die Gefechtsbereitschaft der eigenen Truppen zu erhöhen. Die Übungen sollen am Montag beginnen. Aus Moskau kam postwendend scharfe Kritik: Ausländische Militärberater trügen nicht zur Beruhigung des Konflikts bei. "Im Gegenteil, sie können die Situation destabilisieren", warnte Kremlsprecher Dmitri Peskow vor einer Eskalation des schwelenden Konflikts in der Ostukraine.

Morde an Regierungskritikern

Streit gibt es auch um eine Serie von Morden an Oppositionellen und Journalisten in der Ukraine. Am Freitag wurde der Mord an Olga Moros, einer Lokaljournalistin im Gebiet Chmelnizki, publik, der möglicherweise im Zusammenhang mit ihrem Beruf steht.

Prominentestes Opfer ist der prorussische Publizist Oles Busina, den Unbekannte am Donnerstag vor seinem Haus erschossen. Das Fluchtauto wurde inzwischen gefunden, von den Tätern fehlt jede Spur. Anton Geraschtschenko, Berater des Innenministeriums, dämpfte Erwartungen an eine schnelle Aufklärung, deutete aber zugleich eine mögliche Beteiligung russischer Geheimdienste an der Tat an. In Moskau wies ein Sprecher des Außenministeriums die Vorwürfe empört zurück.

Angebliche Bekennermails

Inzwischen hat sich angeblich eine rechtsradikale Gruppe namens Ukrainische Aufständische Armee (UPA) zum Mord an Busina und anderen Regierungskritikern bekannt. In E-Mails drohte die UPA damit, weitere "antiukrainische" Personen zu töten, sollten diese nicht bis Montagabend das Land verlassen. An der Echtheit der Bekennerschreiben gab es jedoch Zweifel. (Andre Ballin, DER STANDARD, 18.4.2015)

  • Der prominente Journalist Oles Busina, hier auf einem Foto vom Oktober 2012, wurde am Donnerstag in Kiew erschossen.
    foto: reuters

    Der prominente Journalist Oles Busina, hier auf einem Foto vom Oktober 2012, wurde am Donnerstag in Kiew erschossen.

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