Feinstaub mindert Leistung von Profi-Fußballern

17. April 2015, 12:06
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Als Indikator diente die Zahl der gespielten Pässe von mehr als 1.700 deutschen Bundesliga-Spielern

Die Luftbelastung durch Feinstaub geht mit einer messbaren Beeinträchtigungen der Leistung von deutschen Bundesliga-Profis einher. Das zeigt eine aktuelle Studie des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) - auch wenn es naturgemäß schwierig ist, einen eindeutigen kausalen Zusammenhang abzuleiten.

Die Autoren werteten detaillierte Spielerdaten über einen Zeitraum von mehreren Jahren aus und verglichen sie mit den Feinstaub-Messwerten am jeweiligen Spielort. Bereits bei Luftwerten deutlich unterhalb der geltenden EU-Grenzwerte ließen sich negative Produktivitätseffekte nachweisen, die sich bei extremer Luftverschmutzung vervielfachen.

Stundengenaue Ermittlung

In die Studie flossen Leistungsdaten von insgesamt mehr als 1.700 Spielern ein, die im Laufe von zwölf Spielzeiten bis 2011 für 29 verschiedene Vereine in fast 3.000 Spielen der ersten Fußball-Bundesliga zum Einsatz kamen. Als Leistungsindikator diente die Anzahl der jeweils gespielten Pässe. Da Tag, Ort und Uhrzeit jedes Spiels bekannt sind, ließen sich stundengenaue Informationen zur Feinstaub-Konzentration in unmittelbarer Umgebung des jeweiligen Stadions ermitteln.

Das IZA-Forscherteam verwendete Werte einzelner Messstationen des Umweltbundesamts zur Konzentration von Partikeln mit einem maximalen Durchmesser von 10 Mikrometern in der Umgebungsluft. Partikel dieser Größe können sich gesundheits- und leistungsschädigend auswirken, wenn sie in die Lunge oder gar in den Blutkreislauf gelangen.

Ältere leiden mehr

Die Daten zeigen, dass ältere Spieler stärker vom Feinstaub beeinträchtigt werden als Nachwuchstalente. Besonders ausgeprägt ist der Effekt für Abwehr- und Mittelfeldspieler mit langen Laufwegen. Während der "englischen Wochen", wenn die körperliche Belastung aufgrund der kürzeren Ruhephasen ohnehin größer ist, fiel die Leistung zudem deutlicher ab.

Leistungsdaten von Profi-Fußballern eignen sich ideal für die Erforschung von Produktivitätseffekten, weil sie im Detail erfasst werden und sich räumlich wie zeitlich exakt zuordnen lassen. Für die konkrete Fragestellung der Studie bietet sich die Bundesliga auch deshalb an, weil Fußballer aufgrund des vorgegebenen Spielplans der Luftbelastung nicht entgehen können.

Ableitungen für Bevölkerung

Auch wenn Fußballprofis nicht repräsentativ für den typischen Arbeitnehmer sind, lassen sich laut IZA doch wichtige Erkenntnisse für die Erwerbsbevölkerung insgesamt ableiten. Denn die Produktivität eines durchschnittlichen Erwerbstätigen, der körperlich weniger fit ist als ein Profi-Fußballer, dürfte unter Luftverschmutzung sogar noch massiver leiden. Darauf deuten ähnliche Studien zu Erntehelfern in den USA sowie Fabrikarbeitern in China hin.

Darüber hinaus legt die IZA-Studie nahe, dass bereits moderate Feinstaub-Konzentrationen neben den bekannten Gesundheitsgefahren enorme wirtschaftliche Schäden durch entgangene Produktivität hervorrufen. "Dieser Zusammenhang sollte bei der Abwägung zwischen Kosten und Nutzen von umweltpolitischer Regulierung stärker berücksichtigt werden als bisher", sagt Nico Pestel, Mitverfasser der Studie und Koordinator des Programmbereichs "Umwelt und Beschäftigung" am IZA. (red, derStandard.at, 17.4.2015)

  • Feinstaub wirkt sich auf die Leistung von Fußballspielern aus - dies legt eine neue Studie nahe.
    foto: wikipedia/gemeinfrei/patrick huebgen

    Feinstaub wirkt sich auf die Leistung von Fußballspielern aus - dies legt eine neue Studie nahe.

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