ÖVP-Jubiläum mit Hymne und Segen von oben

17. April 2015, 11:22
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Die Volkspartei feierte ihr 70-jähriges Bestehen mit Festakt und Gottesdienst

Wien - Es war ein segensreiches Fest. Während die SPÖ ihren 70er am Dienstag im Roten Salon des Wiener Rathauses ganz weltlich feierte, holte sich die ÖVP am Freitag im Schottenstift auch geistlichen Beistand. Vor den eigentlichen Festakt wurde ein Gottesdienst in der Schottenkirche zelebriert. Kardinal Christoph Schönborn betonte, die ÖVP zeige, dass ein gesundes Verhältnis zwischen Religion und Politik möglich sei. Die Gründer der ÖVP lobte er für ihren Einsatz für ein christlich-soziales Weltbild.

Parteigranden in Feierlaune

Im Prälatensaal des Stifts, wo diese Gründung vor 70 Jahren vonstatten ging, war auch diesmal - wie alle zehn Jahre wieder - viel Parteiprominenz versammelt. Die ehemaligen Obmänner Josef Taus, Josef Riegler, Erhard Busek und Josef Pröll zeigten ebenso Präsenz wie mehrere Minister, Landeshauptmänner und langgediente ÖVP-Politiker wie etwa Marga Hubinek. Nicht anwesend waren hingegen Alois Mock, Wolfgang Schüssel, Wilhelm Molterer und Michael Spindelegger, ihres Zeichens ebenso ehemalige Obleute.

Schon vor dem Auftritt des aktuellen Parteichefs Reinhold Mitterlehner kam Stimmung auf, Erwin Pröll klatschte begeistert zur musikalischen Begleitung: Eine Sängerin gab "Celebration" von "Kool & the Gang" zum Besten.

"Integrationspartei"

Mitterlehner betonte, wie breit die Volkspartei in der Gesellschaft verankert sei: "Wer sonst kann für sich beanspruchen, ein Land so widerzuspiegeln?" Als Integrationspartei schleife die ÖVP Extrempositionen ab. Nichts sei schließlich gefährlicher als ungefilterte Interessenpolitik.

Die Parteigründung "in einer Zeit, in der man um hierherzukommen praktisch über die Donau schwimmen musste", sei ein mutiger Schritt gewesen. "Man war bereit, die Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen", sagte Mitterlehner. Es habe in der Zwischenkriegszeit politische Verletzungen und Lagerdenken gegeben sowie ab 1933 eine "Kanzlerdiktatur, von der sich die ÖVP klar distanziert hat". Auch dieser Teil der Geschichte gehöre zur Partei, stellte Mitterlehner fest.

"Immer richtig gelegen"

Wenn jemand "vorwurfsvoll" sage, die ÖVP war 54 der vergangenen 70 Jahre in der Regierung, entgegne er: " Wären wir es nicht gewesen, wäre vieles falsch oder gar nicht entstanden." Wichtige Etappen seien etwa der Staatsvertrag, der Fall des Eisernen Vorhangs und der EU-Beitritt gewesen. Die ÖVP sei bei diesen Entscheidungen immer dabei gewesen und sei "im Großen und Ganzen" immer richtig gelegen. 70 Jahre Volkspartei seien kein Grund für tatenlose Selbstzufriedenheit. "Die eigene Parteifamilie ist aber doch die beste", meinte er in Richtung Busek, der vor einem Jahr angegeben hatte, bei der letzten Nationalratswahl für die Neos gestimmt zu haben.

Vorfreude auf Parteiprogramm

Auch Soziologe Manfred Prisching hatte in seiner Rede Vergangenheit und Tradition der ÖVP im Fokus. "Die letzten 70 Jahre waren schön und eine Leistung", bilanziert er, aber: "Es gibt noch Spielraum nach oben, man kann immer noch besser werden in den nächsten 70 Jahren." Den Blick in die Zukunft richtete hingegen Generalsekretär Gernot Blümel. In wenigen Wochen werde in der Hofburg das neue Parteiprogramm präsentiert - eines, das "die Bewegung fit für die Zukunft macht".

Bevor zum Abschluss die Bundeshymne erklang, prophezeite auch Mitterlehner der Volkspartei eine glorreiche Zukunft: "Wir müssen alle nur daran glauben." (Simon Moser, DER STANDARD, 18.4.2015)

  • Christlich beseeltes ÖVP-Jubiläum: Obmann Reinhold Mitterlehner vor barockem Wandbild im Prälatensaal des Wiener Schottenstifts.
    foto: apa/hochmuth

    Christlich beseeltes ÖVP-Jubiläum: Obmann Reinhold Mitterlehner vor barockem Wandbild im Prälatensaal des Wiener Schottenstifts.

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