Draußen sein ... mit der Sportuhr Garmin Forerunner 920xt

Kolumne19. April 2015, 15:00
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Die neue Uhr ist fürs Triathlon-Training geeignet, Minuspunkt ist ihre Größe

Ja eh: Lauf-, Sport- und Triathlonuhren sind ein Grenzfall zwischen diesem und dem anderen von mir befüllten Bewegungsblog hier. Denn sie sind - abgesehen etwa von Suuntos "Ambit"-Serie (zu der es hier demnächst ebenfalls einen Test geben wird) - meist sehr auf laufende und radelnde Kunden fokussiert. Andererseits: Sportuhren sind astreine Outdoor-Produkte.

Noch etwas: Weil es für alles & jedes Experten gibt, die so spezialisiert sind, dass es grotesk wäre, als Allrounder mit ihnen zu konkurrieren, verzichte ich auf das, was viele (auch namhafte) Kollegen tun: Statt ohne Quellenangabe "copy - paste" zu machen, kommt hier ein Hinweis: DER Experte für Laufuhren und andere Sport-Tech-Gadgets heißt DC Rainmaker. Der Mann testet akribisch und unbestechlich. Einziger Vorwurf: Mitunter überfordert er sogar Experten.

Doch eigentlich soll es hier um die neue Triathlon-Multisportwaffe von Garmin gehen: Den "920tx". Garmin Österreich hat ihn mir im März für ein paar Wochen zur Verfügung gestellt.

Allerdings habe ich die Uhr nicht selbst getestet: Ich bin seit ewig und einem Tag mit Polar-Produkten unterwegs. Bin auf Abläufe, Logik und Bugs konditioniert. Und Gewohnheit schafft Glaube: Rapid oder Austria? BMW oder Audi? Markentreue (oder eben -konditinierung) lässt die kleinen Unterschiede zum Mitbewerber subjektiv - und zu Unrecht - wie Fehler wirken.

Darum habe habe den 920xt meiner Freundin Cornelia umgeschnallt. Seit immer Garmin-Nutzerin. Marathonläuferin mit Triathlon-Ambitionen. War zuletzt mit dem Forerunner 220 unterwegs. Hier ihr Resümee:

foto: thomas rottenberg
Das eigene (rechts) und das Testmodell im direkten Vergleich.

Erster Eindruck: Gegen "meinen" 220er wirkt der 920xt extrem klobig, ich habe keine besonders zarten Handgelenke - aber selbst an mir wirkt die Uhr zu bullig. Kein Frauengerät.

Kennt man Garmin, funktioniert der 920xt intuitiv: Ich habe mich ohne Gebrauchsanweisung zurecht gefunden.

Die Anzeige ist für jede Sportart anpass- und personalisierbar. Angenehm ist die Option Indoor- Laufen/Radfahren, damit kann man im Fitnessstudio loslegen ohne das GPS ausschalten zu müssen.

Die Uhr bewertet auch den aktuellen Trainingszustand - und berechnet, wie lange man sich erholen sollte. Diese Schätzung scheint mir sehr defensiv: Nach 1:30 Stunden Radfahren und danach lockerem Auslaufen sind 48h Erholung definitiv nicht notwendig.

Neben den Sportfunktionen bietet die 920xt auch Smartwatch-Features: integrierter Schrittzähler und Schlafaufzeichnung - und via Bluetooth oder WLAN lassen sich Benachrichtigungen vom Handy auf der Uhr anzeigen lassen. Nett - aber durch die Größe und den damit fehlenden Tragekomfort ist die Uhr gängigen Fitnesstrackern unterlegen.

foto: testerin

Die 920xt hat Freiwasser- und Schwimmbad-Modi. Die automatische Schwimmstilerkennung funktionierte gut. Ein praktisches Feature ist der Pausenmodus: Die Zeit, wie lange man zwischen einzelnen Bahnen/Segmenten pausiert, wird gemessen, aber die reine Schwimmzeit nicht verfälscht. Gleichzeitig wird angezeigt, wann man weitermachen sollte.

Aufgezeichnet werden: Schwimmdistanz, Pace, Anzahl der Züge, Schwimmstil und der SWOLF-Wert (also die Schwimmeffizienz"; Anm Thomas Rottenberg). Das ist super - für Anfänger vielleicht sogar zu viel. (Anmerkung TR: Der Puls wurde im Wasser nicht gemessen - das können derzeit nur die Spitzengeräte von Polar und Suunto - wobei vor allem bei Männern das häufige Verrutschen der Brustgurte diese Funktion oft egalisiert. Dazu ein anderes Mal mehr.)

foto: thomas rottenberg

Radfahren: Die 920xt ist ein (fast) kompletter Radcomputer. Mit einem optionalen Trittfrequenzsensor zeichnet sie auch Uhr auch die - no na - Trittfrequenz auf. Ich fahre sonst mit dem Edge 800. Das ist ein "echter" Radcomputer und hat auch eine echte Navi-Funktion. Aber wer kein Navi braucht, ist mit der 920xt bestens bedient. Nebenbei: Die Uhr findet die Satelliten schneller als Forerunner 220 und Edge 800.

foto: testerin

Laufen: Alle von der 220er gewohnten Features - und mehr. Etwa: Intervalltraining personalisieren, Schrittfrequenz und Bodenkontaktmessung. Wer auf Schrittfrequenz trainiert, kann die Uhr als Metronom verwenden. Ebenfalls neu für mich: Die Rennzeitvoraussage – basierend auf dem Trainingszustand gab die Uhr zwar ambitionierte, aber realistische Zielzeiten vor.

Mein Fazit: Eine tolle Multisportuhr. Auch wenn für "nur" Läufer oder "nur" Radfahrer die sportartspezifischen Geräte völlig ausreichen.

Einziger Negativpunkt: die Größe. (Thomas Rottenberg, derStandard.at, 19.4.2015)

foto: hersteller

Garmin verkauft den Forerunner 920xt um 449€ - online ist er ab 395 € zu finden.

http://www.garmin.com

Hinweis im Sinn der redaktionellen Richtlinien:

Die Uhr wurde dem STANDARD vom Hersteller für mehrere Wochen zum Testen zur Verfügung gestellt und danach retourniert.

  • Das wahre Fitnesscenter ist draußen. Und der große Abenteuerspielplatz Outdoor zieht Kinder jedes Alters immer mehr in seinen Bann. Deshalb testet Thomas Rottenberg wöchentlich "Spielzeug", das für Spaß, Sport oder sonst was im Freien gedacht und gemacht ist. Selbst, streng – und subjektiv.

    Im Sinne der Compliance-Regeln des STANDARD halten wir dazu fest: Die getesteten Teile wurden und werden uns in der Regel von den Herstellern und/oder ihren PR-Agenturen für einen beschränkten Zeitraum zur Verfügung gestellt. Andernfalls – etwa bei von Freunden Geborgtem, selbst Gekauftem, aus logistischen, verschleiß- oder verschmutzungstechnischen Gründen nicht Refundierbarem oder Dingen, die uns so gut gefallen, dass wir sie nicht mehr hergeben können/wollen – wird das im Artikel angeführt.

  • Artikelbild
    foto: thomas rottenberg
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