Nach Häupl-Kritik: Wiener SPÖ-Lehrer marschieren am 1. Mai nicht mit

17. April 2015, 10:10
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Aus Protest gegen Bürgermeister Häupl nimmt der Zentralverein der Wiener LehrerInnen erstmals nicht an der Maifeier teil

Wien - Der Zentralverein der Wiener LehrerInnen wird am 1. Mai nicht mit der restlichen SPÖ marschieren. Das teilte die Vereinsleitung am Freitag in einer Aussendung mit. Grund dafür: Man sei "schockiert" über die "diffamierenden Äußerungen", die Wiens Bürgermeisters Michael Häupl (SPÖ) im Zuge der Debatte über die Lehrerarbeitszeit getätigt habe.

Man wolle sich von der "Polemik des Bürgermeisters, der, nur um einen politischen Sager zu platzieren, den Einsatz und das Engagement der Lehrer negiert", distanzieren. Deshalb werde man "als Zeichen der Entrüstung" zum ersten Mal in der hundertjährigen Geschichte des Vereins nicht an den Feierlichkeiten zum 1. Mai teilnehmen.

Häupl hatte Anfang der Woche anlässlich der Debatte über längere Lehrerarbeitszeiten gesagt: "Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig." Lehrervertreter hatten daraufhin eine Entschuldigung des Bürgermeisters verlangt.

Brandsteidl gegen "Denkverbote"

Die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) spricht sich in der Debatte um die Lehrer-Arbeitszeit gegen Denkverbote aus. "Keine Frage, unsere Lehrer leisten einen fantastischen Job", betonte Brandsteidl. Das könne gar nicht oft genug gesagt werden: "Danke für die pädagogisch hochwertige und gesellschaftlich so wichtige Arbeit, die sie tagtäglich leisten." Nur: "Wer sich wegen eines Sagers, der ihm nicht gefällt, vor den Karren jener spannen lässt, die seit Jahrzehnten jede Bildungsreform verweigern, handelt kurzsichtig. Noch dazu, wenn der Sager bereits klargestellt wurde. Wer das tut, tappt in die Falle der Blockierer."

In der Sache selbst plädiert Brandsteidl für eine "Ganztagsschule für alle Kinder, in der es normal ist, dass Schüler und Lehrer von 8.00 bis 16.00 Uhr da sind". Dass ein guter Unterricht auch Vor- und Nachbereitung braucht, stehe außer Frage. "Wie das Verhältnis von Unterricht und Vor- und Nachbereitung konkret aussieht, muss jedoch immer diskutabel sein. Denkverbote sind inakzeptabel."

In der aktuellen Debatte gehe "es nicht darum, die Lehrerarbeitszeit zu erhöhen. Was diskutiert wird, ist allein das Ausmaß der Lehrverpflichtung innerhalb der Arbeitszeit." Natürlich könnten solche Ideen und Vorschläge nicht über den Kopf der Betroffenen hinweg beschlossen werden - man glaube an die Bedeutung der Interessenvertretung und der Gewerkschaft. Fritz Neugebauer, Chef der Gewerkschaft öffentlicher Dienst und Paul Kimberger, Pflichtschulgewerkschafter, würden nicht den bildungspolitischen oder gar gesellschaftlichen Fortschritt repräsentieren, "den wir uns wünschen". "Sich in eine Einheitsfront mit Bildungsblockierern und Reformverweigerern zu begeben, kann niemals eine gute Antwort sein." (APA, 17.4.2015)

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